Frühjahrssemester - Mehr Internet-Angebote in Corona-Phase / Der Start der Präsenzkurse wird um 14 Tage auf die zweite März-Woche verschoben Onlinekurse bei der Kreisvolkshochschule zu Kochen und Backen, Malerei und Gymnastik

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Thomas Tritsch
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Die Startseite der „vhs.cloud“ – der Plattform der Volkshochschulen, über die auch zahlreiche Bergsträßer Kursangebote digital abgewickelt werden. © Redaktion

Bergstraße. Corona-Krise und Lockdown treffen den kompletten Bildungsbereich ins Mark. Auch die Volkshochschulen müssen sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Ein ausgesetzter Präsenzbetrieb wirbelt die inneren Strukturen gehörig durcheinander. Viele Seminare wurden ins Netz verlagert. Manche Themen fallen komplett heraus, weil sie in digitaler Form kaum umgesetzt werden können.

Die ursprünglich geplante persönli che Sprachberatung in ...

Die ursprünglich geplante persönli che Sprachberatung in Bensheim und Heppenheim wurde abgesagt, um Kontakte zu reduzieren. Stattdessen bietet die Kreisvolks hochschule einen telefonischen Beratungstermin am Mittwoch, 3. März an.
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Die Kreisvolkshochschule (Kvhs) hat ihren Online-Anteil von zehn Prozent (Herbstsemester 2020/21) auf 15 Prozent weiter gesteigert. Damit reagiert die Kvhs auf den verschärften Lockdown und die unklaren Perspektiven für die kommenden Monate. Dennoch will die Bildungseinrichtung – eine voll budgetierte Fachabteilung des Landratsamts – zuversichtlich, aber vorsichtig ins neue Semester starten.

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Das Risiko möglichst gering halten

Der Beginn des Frühjahrsprogramms wird um zwei Wochen nach hinten verschoben, was die Präsenzkurse angeht. „Der Grund sind die aktuelle Pandemie-Lage und die Absicht, das Risiko für alle Beteiligten möglichst gering zu halten“, so Leiterin Iris Hoch. Die erste Kurswoche liegt damit zwischen dem 8. und 12. März. Alle angemeldeten Kunden erhalten eine Nachricht per E-Mail. Die Onlinekurse sind davon nicht betroffen.

Mit der speziellen VHS-Cloud steht eine besondere Lernplattform der deutschen Volkshochschulen zur Verfügung, die als bundesweites Online-Netzwerk nicht nur die Zusammenarbeit mit anderen Volkshochschulen verbessern soll, sondern auch als Austauschplattform multimedialer Lerninhalte genutzt wird. Dies funktioniere insgesamt recht gut, so Iris Hoch bei der Vorstellung des neuen Programms. Weil dafür aber eine gewisse IT-Kompetenz erforderlich ist, reagieren manche Kursleiter auf diesen Kanal noch etwas verhalten – mit ein Grund für das leicht reduzierte Semestermenü, das mit insgesamt 584 Kursen im Vergleich zum Vorjahr (608) etwas schlanker ausfällt. Auch die maximale Anzahl von Kursterminen wurde von 15 auf höchstens zwölf begrenzt.

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Die Leiterin betont: Die Volkshochschulen können ihrem Profil als Orte der Begegnung und der Kommunikation aktuell nur bedingt gerecht werden. Teilweise sei man aber auch positiv überrascht, wie die momentane Situation dazu beiträgt, dass einst unmöglich geglaubte Formate nun doch realisierbar – und nachgefragt sind. Kochen und Backen, Gymnastik und Malerei – Themen, die auch aus der räumlichen Distanz funktionieren können. Voraussetzung ist allerdings eine digitale Grundausstattung der Kunden: Laptop oder PC, dazu Kamera und Mikrofon. Das hat (noch) nicht jeder.

Andere Fachbereiche sind für den Unterricht zu Hause am Computer geradezu prädestiniert: Etwa der Umgang mit dem Job-Portal LinkedIn, das Arbeiten mit SAP-Programmen oder das Einmaleins für den Einsatz der Kommunikations-App Zoom, die als Plattform für Onlinekonferenzen derzeit einen regelrechten Boom erlebt.

Namhafte Referenten frei Haus

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Als weiteres Highlight bezeichnet Iris Hoch ist die Vortragsreihe „vhs.wissen live“, die in Kooperation mit einer Münchener Volkshochschule angeboten wird und ein breites Themenspektrum (Klima, Evolution, Rassismus, Quantentechnologie bis Völkerrecht) über teils namhafte Referenten nach Hause liefert; darunter die Nobel-Preisträgerin Christiane Nüsslein-Vollhard, den Friedensforscher Hans Joas sowie die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy.

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Trotz der digitalen Alternativen hoffe man auf ein sukzessives Hochfahren der klassischen Präsenzveranstaltungen. Dafür wurden bereits neue Ideen und Formate entwickelt, die sich im aktuellen Programm wiederfinden. Dazu gehört ein Malkurs im Lorscher Back- und Brauhaus Drayß, der von einer Künstlerin in ausdrücklich „geselliger Atmosphäre“ angeleitet werden soll.

Auch die Studienfahrten – vielgefragte Termine der Kvhs – sollen bald wieder stattfinden können. Ziele sind unter anderen Bonn (im Nachgang zum Beethoven-Jahr), die ehemalige Synagoge in Hemsbach und das Kloster Maulbronn. Die Kvhs hat die Touren geplant. Eine organisatorische und logistische Vorarbeit sei trotz möglicher Absagen unumgänglich. In den Bereichen Kunst und Handwerk sowie Gesellschaft und Lifestyle wurde das digitale Kursangebot dagegen leicht aufgestockt.

Auch für Personen, die in Vereinen oder Organisationen ehrenamtlich tätig sind, hat die Kreisvolkshochschule wieder passgenaue Angebote parat: etwa angemessene Reaktionen auf Vorurteile und Rassismus im Alltag oder eine Rhetorik-Anleitung für kleine Reden und Ansprachen. An jugendliche Kunden richtet sich ein Kurs zum Thema Berufseinstieg.

Größtes Kapitel ist erneut der Bereich Gesundheit und Fitness. Sport und Ernährung sowie Bewegungsangebote im Freien sollen helfen, die Stimmung zu heben. Gerade während des Lockdowns seien Motivationsangebote an der frischen Luft eine wichtige Chance, um der häuslichen Isolation zu entkommen, so Fachbereichsleiter Matthias Petry. Die Kvhs organisiert eine Radtour entlang der Weschnitz und einen Spaziergang im Niederwald bei Fehlheim. Beide Unternehmungen sind von botanischen Informationen flankiert.

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