Röhrig Granit - BUND Bergstraße und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald nehmen Stellung zu den Erweiterungsabsichten

Naturschützer gegen Steinbruch-Pläne

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red
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Bergstraße. Mit der öffentlichen Anhörung zum Planfeststellungsverfahren zur Erweiterung des Steinbruchs der Firma Röhrig Granit in Heppenheim-Sonderbach (wir haben berichtet) positioniert sich der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Bergstraße gegen die Erweiterung. Hauptbegründung dafür: Der Kernforderung des BUND nach einer juristisch wasserdichten Festlegung und Sicherung einer endgültigen Abbaugrenze insbesondere nach Süden im Rahmen der geplanten Steinbrucherweiterung werde seitens der Firma Röhrig nicht entsprochen.

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„Keine endgültige Abbaugrenze“

Zwar sind nach Aussage des BUND-Kreisvorstandssprechers Hans-Jörg Langen die von Röhrig vorgeschlagene und mittlerweile beantragte Ausweitung des Bannwaldes südwärts der geplanten Erweiterungsfläche sowie eine großzügige forstwirtschaftliche Stilllegungsfläche aus naturschutzfachlicher Sicht nicht zu beanstanden und stellten einen weitgehend akzeptablen Ausgleich für die Zerstörung von rund 6 Hektar Wald durch die geplante Steinbrucherweiterung dar. Aber dies biete keinen Schutz vor einer erneuten Erweiterungsplanung.

Laut Kreisvorstandssprecher Guido Carl hat der BUND Bergstraße „der Betriebsleitung der Firma Röhrig den Vorschlag unterbreitet, dass ein Geländestreifen entlang der Abbruchkante der geplanten Steinbrucherweiterung der Gemeinde Mörlenbach übereignet wird, verbunden mit einem öffentlich-rechtlichen Vertrag, der diesen Streifen als Abbaugrenze festlegt“.

Aus den jetzt vorliegenden Planungsunterlagen ebenso wie aus dem Gespräch, das BUND-Vertreter kürzlich mit der Betriebsleitung geführt haben, gehe hervor, dass sich die Firma Röhrig auf diese Forderung auf keinen Fall einlassen möchte. Nach Ansicht des BUND-Kreisvorstandssprechers Herwig Winter bringt „der Betreiber (...) damit klar zum Ausdruck, dass er sich beziehungsweise seinen Nachfolgern die Option einer Erweiterung über die in der Planung festgelegten Abbaugrenze hinaus offenhalten will. Damit schmälert er seine vorbildlichen Leistungen, die er für den Natur- und Artenschutz erbringt. Denn der dauerhafte Schutz des verbleibenden Waldes ist für die Arten, denen durch die Steinbrucherweiterung rund sechs Hektar Wald verlorengehen, dringend erforderlich.“ Erforderlich sei der verbleibende Wald aber darüber hinaus „auch für die Menschen auf der Juhöhe, für die zum einen genügend Abstand zum Steinbruch und zum anderen ausreichend Naherholungsraum garantiert werden muss“.

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Ein anderer Umweltverband – die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) – erinnert daran, dass er vor gut einem Jahr Klage gegen den raumordnerischen Entscheid zur Erweiterung des Steinbruchs eingelegt habe. Die SDW wollte schon damals mit der Klage die Zerstörung einer zum Unesco-Geopark Bergstraße-Odenwald gehörenden bewaldeten Landschaft und den Verlust des Naturdenkmals „Kleines Felsenmeer“ verhindern. Bisher sei das Verfahren vom Verwaltungsgericht Darmstadt nicht beschieden. Es gebe derzeit auch keinerlei Hinweise, dass in Kürze geurteilt wird.

„Steht gegen Klimaschutzziele“

Nach Ansicht der Schutzgemeinschaft ist es „absolut unverständlich, wie in Zeiten des rasch fortschreitenden Klimawandels und eines deutschlandweiten Waldsterbens ein derartiges Projekt überhaupt vorangetrieben werden kann“, so Bernhard Klug, Landesvorsitzender der SDW. Der Wald am Sonderbacher Steinbruch sei 1995 als Schutzwald nach dem hessischen Waldgesetz ausgewiesen worden, weil er eine besonders hohe gesellschaftliche Bedeutung habe. „Ein derartiges Abbauvorhaben steht im diametralen Gegensatz zu den Klimaschutzzielen und die Einhaltung des 1,5 Grad-Zieles von Paris“, so Christoph von Eisenhart Rothe, Landesgeschäftsführer der SDW Hessen.

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Zerstört werde mit dem Vorhaben von Röhrig Granit auch ein wesentlicher Teil des EU-Vogelschutzgebietes „Felswände des Vorderen Odenwaldes“. Es sei zwar beabsichtigt, dass dieser Brutplatz des Uhus verlagert wird, doch ungewiss, ob der Uhu diese Umsiedlung überhaupt annimmt. Welche große Bedeutung auch der Wald an der Juhöhe für den Artenschutz habe, zeigten die ersten fachlichen Gutachten, die im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens vorgelegt wurden. Dokumentiert würden dort „eine enorme Artenfülle und das Vorkommen vieler äußerst seltener Vogelarten“. Zudem seien 15 verschiedene Fledermausarten im Waldbereich festgestellt worden, von denen acht Arten vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet seien.

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„Die Zerstörung dieses durch die Schutzwaldausweisung bestätigten hochwertigen und alten Waldes befeuert das Artensterben,“ meint Bernhard Klug. „Es ist für uns unverständlich, wie eine dafür zuständige grüne Umweltministerin und eine grüne Regierungspräsidentin einer derartigen Planung, die sich brutal gegen Klima- und Artenschutz richtet, nicht Einhalt gebieten“. red