Großbrand - Mehr als 60 Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen Nach Feuer: 25 Menschen ohne Wohnung

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Martin Schulte und Sophia Gehr
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Mit der Unterstützung aus Lampertheim und Weinheim sowie drei Drehleitern versuchte die Feuerwehr Viernheim von allen Seiten zu löschen. © Kreutzer/sm

Viernheim. Am Morgen nach dem Großbrand im Jakob-Kaufmann-Weg in Viernheim arbeiten THW, Feuerwehr und Stadtwerke an der Unglücksstelle. „Die Gebäude sind nun gesichert, so dass keine Unbefugten eintreten können“, sagt der Bürgermeister Matthias Baaß auf Nachfrage. Drei Reihenhäuser wurden durch die Flammen am Montagabend zerstört. Das Feuer brach im Obergeschoss des mittleren Hauses aus und griff auf die unmittelbar links und rechts angrenzenden Gebäude über. Bis drei Uhr nachts dauerten die Löscharbeiten, schwer verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Betroffene sammeln Spenden

Mirjam Zanko hat eine Spendenkampagne für ihre Familie auf der Plattform „GoFundMe“ gestartet.

Ihre Mutter sowie vier weitere Geschwister hätten im Haus gewohnt, in dem das Feuer ausbrach, schreibt sie auf der Internetseite.

Sie seien nun „ohne eigenes Zuhause und persönliche Sachen“, so Zanko.

Bis Dienstagabend haben bereits 164 „GoFundMe“-Nutzer mehr als 11 300 Euro gespendet.

Auch Lena Schlegel sammelt über die Plattform Spenden für ihren Bruder, der mit seiner Familie in einem der angrenzenden Häuser lebt. Hier sind bislang mehr als 8000 Euro zusammengekommen. soge/sm

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Betroffen seien insgesamt vier Familien, darunter 15 Kinder, so Bürgermeister Baaß bei einer Online-Pressekonferenz am Dienstagmittag. „In mindestens ein Haus werden die Bewohner nicht wieder zurückkehren können, das muss neu gebaut werden“, berichtet er. Und auch die beiden angrenzenden Häuser hätten großen Schaden genommen. „Der Rußaufschlag hat die Inneneinrichtungen der Wohnungen ruiniert“, sagt Michael Ahnert, Stadtbrandinspektor und Einsatzleiter der Feuerwehr. „Das muss alles entsorgt werden.“ Der Wasserschaden, der durch die stundenlangen Löscharbeiten entstanden sei, sei ebenfalls „erheblich“.

Ursache weiterhin unklar

Das Polizeipräsidium Südhessen schätzt den Gesamtschaden auf mehrere Hunderttausend Euro. Eine differenzierte Aussage sei aber auch seitens der Ermittler noch nicht möglich. „Aufgrund der Größe der Brandobjekte wird zunächst ein Termin mit einem Brandgutachter vereinbart“, so eine Sprecherin auf Anfrage. Dieser stehe noch aus. „Davor betreten auch wir die Örtlichkeiten nicht“, betont die Polizeisprecherin. Denn allein durch die Anwesenheit der Beamten könne die Unglücksstelle verändert werden. Damit bleibt auch die Ursache für das Feuer weiterhin ungeklärt.

Um 19.23 Uhr wurde die Feuerwehr Viernheim mit dem Stichwort „Feuer 2 Y“ alarmiert. „Das Y steht für Menschenrettung“, erklärt Einsatzleiter Ahnert. Zu dieser Zeit befand sich die 15-jährige Tochter der Hausbesitzer zusammen mit einer Freundin allein im Haus. Sie konnten sich wie die weiteren Bewohner unverletzt ins Freie begeben. Lediglich ein 54-jähriger Nachbar erlitt beim Versuch, den Brand zu löschen, eine leichte Rauchvergiftung. Nur sieben Minuten nach Absetzen des Notrufs sei das erste Löschfahrzeug der Feuerwehr vor Ort gewesen, sagt Ahnert. Später zog er neben den 44 Einsatzkräften und den 14 Fahrzeugen aus Viernheim die Feuerwehren Lampertheim und Weinheim hinzu. Diese unterstützen die Löscharbeiten mit jeweils zwölf Einsatzkräften und zwei zusätzlichen Drehleitern. Auf den jeweiligen Terrassen der brennenden Häuser seien Pergolas und Gartenmöbel bis ans Dach in Flammen gestanden, so Ahnert.

Schmale Wege zur Brandstelle

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Am Dienstagmorgen stehen Nachbarn im Jakob-Kaufmann-Weg grüppchenweise zusammen und sprechen über das Geschehen. Die Frau, die mit Mann und vier Kindern in dem vierten, äußerlich unversehrt wirkenden Reihenhaus lebt, sagt, sie habe den Notruf abgesetzt. Dem ersten Anschein nach sei nichts kaputt in ihrem Haus. Aber es rieche drinnen extrem nach Rauch. Zwei der Kinder und ihr Mann haben Asthma, sie könnten vorerst nicht in dem Haus bleiben. Die vier Reihenhäuser stehen in zweiter Reihe, liegen also nicht direkt an der breiten Durchfahrtstraße in diesem Gebiet des Bannholzgrabens. Zur Brandstelle führen lediglich schmale Wege. „Da sind die Lastwagen der Feuerwehr nicht um die Ecken gekommen“, sagt ein weiterer Anwohner. Sie hätten dann versucht, vom Jakob-Kaufmann-Weg über die benachbarte Wiese hinter die Gebäude zu gelangen, auf die Seite, wo die Flammen aus den Reihenhäusern loderten. „Sie sind aber am Wassergraben gescheitert, und dann musste der ganze Tross wieder rückwärts raus. Das hat einfach zu lange gedauert“, berichtet der Mann.

Nach Angaben von Stadtbrandinspektor Ahnert habe es keine Probleme bei der Anfahrt zum Brandort gegeben. „Wir sind gut durchgekommen“, sagt er. „Allerdings wurde uns anfangs eine vermisste Person gemeldet. Erst als geklärt war, dass diese sich bereits im Freien aufhält, konnten wir mit der eigentlichen Löschung beginnen.“ Dann hätten die Einsatzkräfte mit drei Drehleitern von allen Seiten versucht, die Flammen zu kontrollieren.

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Eine längerfristige Unterkunft für die 25 Betroffenen zu finden, habe nun oberste Priorität, so Baaß. Aktuell seien die vier Familien bei Verwandten und Freunden untergekommen. Baaß appelliert an Eigentümer in Viernheim, die über freie Wohnungen verfügen, diese an die Betroffenen zu vermieten. Die Stadt agiere gern als Vermittler. Außerdem sei man bereits in Kontakt mit der örtlichen Kleiderkammer sowie der Polizei, um anstehende Versicherungsfragen zu klären. /sm

Redaktion Reporter.

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