Soziales - Lampertheim will sich an interkommunaler Zusammenarbeit zur Gesundheitsversorgung beteiligen Medizin gegen Ärztemangel

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Uwe Rauschelbach
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Keine Versorgungslücke in Lampertheim: Ein Landarzt nimmt sein Stethoskop aus dem Koffer. © dpa

Bergstraße/Lampertheim. Bei der Gesundheitsversorgung will Lampertheim künftig mit den benachbarten Riedkommunen kooperieren. Das Netzwerk Ortsnahe Versorgung Ried (Norie) bietet eine Plattform für diese Form der interkommunalen Zusammenarbeit. In der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses wollen die Parlamentarier über eine entsprechende Verwaltungsvorlage beraten.

Stichwort: Norie

An der kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Sicherung der medizinischen Grundversorgung im Ried können sich Biblis, Bürstadt, Groß-Rohrheim, Lampertheim, Lorsch und Einhausen beteiligen. Dafür soll eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung geschlossen werden.

Ziel ist die Vernetzung möglichst aller Institutionen und Einrichtungen im Gesundheitsbereich – etwa Altenheime, Arztpraxen, Kliniken und Sozialdienste. Um dieses Netzwerk zu koordinieren, soll eine Geschäftsstelle beim Kreis eingerichtet werden.

Da es sich um ein Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit handelt, ist eine Förderung von 100 000 Euro möglich. red

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Nach Verwaltungsangaben haben sich im März die Kommunen Biblis, Bürstadt, Einhausen, Groß-Rohrheim, Lampertheim und Lorsch zu einem ersten Austausch bezüglich der Gesundheitsversorgung im Ried getroffen. Hintergrund sind Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Neubesetzung aufgegebener Hausarztpraxen. Unter der Federführung des Kreises wollen die in Norie zusammengeschlossenen Gemeinden die ärztliche Versorgung miteinander koordinieren.

Der Ärztemangel wirkt sich in ländlichen Gebieten stark aus; die Kommunen wollen Anreize schaffen, um Medizinier zu einer Niederlassung zu bewegen. In Norie sollen möglichst alle Institutionen und Einrichtungen im Gesundheitsbereich – Altenheime, Arztpraxen, Kliniken, Sozialdienste – miteinander vernetzt werden. Die interkommunale Zusammenarbeit wird mit einem Landeszuschuss von 100 000 Euro (verteilt über fünf Jahre) gefördert.

Damit Lampertheim beim geplanten Startschuss Anfang 2020 dabei sein kann, müssen die parlamentarischen Gremien einen Grundsatzbeschluss fassen. Der Magistrat wird hierdurch ermächtigt, weitere Schritte mit dem Kreis zu vereinbaren. Die Mitwirkung im Gesundheitsversorgungs-Netz ist auf mindestens fünf Jahre angelegt. Auch im Odenwald haben sich Kommunen in einem Verbund zusammengeschlossen. Unter der Bezeichnung Novo sind dort neun Städte und Gemeinden eine solche Kooperation eingegangen.

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Die Stadt Lampertheim ist bereits Bestandteil im Weiterbildungsverbund, der auch Teile des Odenwalds abdeckt. Ziel des Verbundes ist es, Mediziner, die ihre Facharztausbildung vor sich haben, dafür zu gewinnen, diese im Kreis Bergstraße zu absolvieren. Im besten Falle sollen sie sich für eine Niederlassung entscheiden.

Dem Sprecher des Gesundheitsnetzes der Lampertheimer Ärzteschaft (Gala), Walter Seelinger, ist um die Versorgung der Stadt und ihrer Stadtteile mit Arztpraxen nicht bang. Derzeit sei Lampertheim „gut aufgestellt“, erklärte er auf Anfrage. In anderen Ried-Kommunen stehe es mit der Versorgung aber nicht zum Besten; im Ried seien derzeit insgesamt sieben Stellen für Allgemeinmediziner nicht besetzt. Selbst die Auslobung eines Betrags von 50 000 Euro für einen niederlassungswilligen Arzt habe bislang keine positiven Folgen gezeigt. /sm

Redaktion Zuständig für Lokales in Lampertheim (Kommunalpolitik, Kultur), Mitarbeit im Kulturressort des Mannheimer Morgen (Musikkritik, CD- und Bücher-Rezensionen).