Ernährung - Die Bensheimer Ernährungsberaterin und Chemikerin Ulrike Vogt-Saggau erklärt, warum Schokolade und Co. echte Stimmungsaufheller sind / In Maßen genießen Lebensmittel, die glücklich machen

Von
Sina Roth
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Essen, das glücklich macht: Schokolade und Chili. © Roth

Bergstraße. Muntermacher gefällig? Der Lockdown und die Coronakrise drücken vielen Menschen aufs Gemüt – besonders in Zeiten, in denen Glücksgefühle nicht allzu oft durch schöne Erlebnisse oder Ähnliches hervorgerufen werden. Klar, sie sind keine Lösung des Problems – und dennoch können bestimmte Lebensmittel, wenn wir sie in Maßen genießen, unsere Stimmung etwas aufhellen. Ernährungsberaterin und Chemikerin Ulrike Vogt-Saggau (BILD: Roth) weiß, welche das sind, und erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, wie sie wirken.

Zwei Rezepte: Kichererbsen-Curry und Schoko-Bananen-Pancakes

Für diejenigen, die jetzt Lust auf „Mood-Food“ bekommen haben, aber nicht weiß, was sie kochen sollen: hier zwei schnelle und leckere Rezepte für gute Laune.

Für das schnelle Currygericht mit Kichererbsen genötigt man folgende Zutaten (für vier Portionen): Einen Esslöffel Kokosöl, eine Dose Kichererbsen (400 Gramm), 200 Milliliter ungesüßte Kokosmilch, eine Zwiebel, eine Knoblauchzehe, einen Esslöffel Tomatenmark, Garam Masala, Ras el-Hanout, Kurkuma, Chili, frischen Ingwer (gerieben), Salz, Pfeffer und Paprikapulver (Gewürze nach Geschmack hinzugeben).

Zunächst die Zwiebeln klein Hacken, den Knoblauch pressen und beides gemeinsam mit den Gewürzen in etwas Kokosöl in die Pfanne geben, bis sich die Aromen entfalten. Dann die abgetropften Kichererbsen hinzugeben und in der Pfanne schwenken. Die ungesüßte Kokosmilch hinzugeben und langsam für etwa eine viertel Stunde einköcheln lassen, bis die Sauce cremig geworden ist. Abschließend nochmals abschmecken. Als Beilagen eignen sich Basmatireis und eine Joghurtsauce. Wer mag, kann das Gericht noch mit etwas Minze oder Koriander garnieren. Wer das Fleisch im Gericht vermisst, der kann anstelle der Kichererbsen auch Hähnchen anbraten und verwenden.

Wer Lust hat auf saftige Schoko-Bananen-Pancakes, der benötigt folgende Zutaten (für zwei Portionen): 120 Gramm Mehl, 100 Milliliter Milch oder Pflanzenmilch, einen Teelöffel Backpulver, eine reife Banane, einen Esslöffel Kakaopulver, das Mark einer Vanilleschote, einen Schuss Mineralwasser, eine Prise Salz und etwas Margarine oder Öl zum Anbraten. Zum Garnieren eine weitere Banane (und weitere Früchte nach Wahl) und Zartbitter-Schokodrops.

Die Banane mit einer Gabel fein zerdrücken, die Milch, das Kakaopulver, die Vanille, das Backpulver, die Prise Salz und den Schuss Mineralwasser in eine Schüssel geben und langsam miteinander verrühren, bis ein möglichst glatter Teig entsteht. Das Öl in der Pfanne erhitzen, den Teig in kleinen Portionen auf den Boden der Pfanne geben und von beiden Seiten anbraten. In der Zwischenzeit die Banane (und das Obst nach Wahl) in Scheiben schneiden. Die fertigen Pancakes auf einem Teller mit den frischen Früchten und den Zartbitter-Schokodrops garnieren und genießen.

Guten Appetit! ssr

Vom Seelentröster Schokolade

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Schokolade macht glücklich und Chili heizt ein. Das sagt man zumindest – aber stimmt das auch? „Die richtigen Lebensmittel können das Glücksempfinden tatsächlich steigern. Schließlich essen wir nicht nur, weil wir hungrig sind“, weiß Vogt-Saggau. „Allein die Nahrungsaufnahme kann glücklich machen, wenn wir das, was wir essen, voll und ganz genießen. Das bedeutet, wenn wir uns eine Auszeit nehmen. Essen kann unser Leben entschleunigen.“

Und ja, es gibt eine Reihe von Lebensmitteln, die uns „glücklich“ machen, bestätigt die Ernährungsberaterin. „Wichtig dabei ist, dass sie in die tägliche Ernährung integriert werden sollten.“ Vorsicht sei hingegen geboten, wenn wir anfangen, aus Frust zu essen. „Denn dann können Übergewicht und weitere Krankheiten die Folge sein. Gerade jetzt im Lockdown essen Menschen ohnehin mehr als sonst – es sind ja auch nur die Lebensmittelgeschäfte geöffnet.“

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Schokolade zählt zu den beliebtesten Seelentröstern, aber gleichzeitig gilt sie als Dickmacher und Süßigkeit. Doch die Süßigkeit hat ganz schön was drauf und kann gut tun – in Maßen versteht sich.

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„Schokolade enthält etwa 400 verschiedene Inhaltsstoffe. Diese wirken stimmungsaufhellend und regen Herz und Kreislauf an. Außerdem schützen sie die Gefäße, wirken beruhigend, blutdrucksenkend und sogar hautstraffend.“

Stimmungsaufhellend wirkt in Lebensmitteln vor allem Serotonin – ein Neurotransmitter, auch Botenstoff genannt, der in unserem Nervensystem Informationen von einer Nervenzelle zur anderen weitergibt. „Schokolade enthält fertiges Serotonin, das allerdings nicht ins Gehirn gelangen kann – aber es hat ja eine Menge anderer Aufgaben im Körper. Schokolade enthält aber auch Bausteine, um Serotonin zu bilden.“

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In schwarzer Schokolade beträgt der Kakaoanteil oft 70 Prozent, in Vollmilchschokolade etwa 25 Prozent. In weißer Schokolade ist keine Kakaomasse enthalten, nur Kakaobutter und Zucker. „Schokolade sollte immer ein Nachtisch sein und nicht bei Hunger gegessen werden. Sonst wird man nur schokoladensüchtig, aber nicht glücklich.“

Bananen sorgen für gute Laune

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Die Banane enthält zehn Vitamine, 18 Mineralstoffe und Spurenelemente, alle essenziellen Aminosäuren, einen hohen Anteil an Ballaststoffen, der dafür sorgt, das wir lange satt sind – und enthalten noch dazu wenig Fett. Was die gute Laune angeht, enthält eine Banane Serotonin und alle Bestandteile zur Herstellung von Serotonin. Aber nicht nur für die gute Laune ist die Banane wertvoll: Bei Einschlafproblemen hilft Serotonin, das Hormon Melatonin herzustellen, das für einen gesunden Schlaf nötig ist. Sportler schwören auf Bananen aufgrund von einer idealen Kombination aus Mineralstoffen, die für den Muskelaufbau wichtig sind. Außerdem sind die Inhaltsstoffe der Banane gut für das Herz-Kreislauf-System.

Vanille gilt als die „Königin der Gewürze“: „Es wird behauptet, dass es noch nie jemanden gegeben hat, der beim Duft von Vanille nicht gelächelt hat“, so Vogt-Saggau.

Vanille, die Königin der Gewürze

„Man weiß, dass bestimmte Gerüche im Gehirn Serotonin freisetzen – und die Vanille gehört dazu. Sie enthält etwa 170 Inhaltsstoffe, die für das Aroma sorgen. Nicht zufällig soll dieses Gewürz im Weihnachtsgebäck enthalten sein und uns durch die dunkle Jahreszeit begleiten. Schon die Azteken haben zum Kakao Vanille gegeben.“ Übrigens: In guter Schokolade sei auch immer Vanille enthalten, ansonsten häufig nur das Vanillearoma. „Eigentlich müssten alle Menschen mit einem Vanille-Dauerlächeln durch die Welt laufen, denn sie steckt in sehr vielen Lebensmitteln, allerdings meist nur das Aroma. Unser Körper lässt sich da nicht täuschen. Zur Bildung von Serotonin kommt es nur bei echter Vanilleschote.“

Chili, Ingwer und Co. heizen ein

Eine gute Nachricht für alle, die nicht so sehr auf Süßes stehen: Es gibt auch würzige Stimmungsmacher. „Hierzu zählt scharfes Gemüse wie Paprika, Chilischoten oder Peperoni und alle scharfen Gewürze wie zum Beispiel Tabasco, Curry und Pfeffer“, so die Bensheimerin. Beißt man in eine Chilischote, wird einem erst einmal heiß, dann fängt es an zu brennen, Tränen treten in die Augen: Verantwortlich hierfür ist das in den Pflanzen enthaltene SPS Capsaicin. Schärfe ist nämlich gar kein Geschmack. Es ist ein Signal vom Gehirn, das lautet: „Schmerz!“ Das scharfe Brennen nehme der Körper als Schmerz wahr. „Dadurch werden im Körper morphiumartige Schmerzkiller, die Endorphine, ausgeschüttet. Sie lindern den Schmerz und versetzen uns in einen rauschähnlichen Zustand.“

In Kombination sehr wirkungsvoll

Dennoch sei Schärfe generell nicht abzulehnen. „Bei Schärfe wird die Schleimhaut besser durchblutet und wir nehmen den Geschmack differenzierter wahr. Das Wohlbefinden steigert sich.“

Besonders anregend wirke übrigens die Kombination von Chili mit Muskat oder mit Süßem. „Zum Beispiel in Schokolade oder als Topping für ein Kakaogetränk. Wenn man es allerdings zu häufig isst, tritt eine Gewöhnung ein und das Glücksgefühl lässt nach.“ Neben Schokolade, Banane, Vanille, Chili und Co. gibt es noch weitere Stimmungsmacher: „Dazu gehören Koffein – der Muntermacher in Kaffee und Schokolade –, oder auch Ingwer, Erdnüsse, Datteln und Feigen, Grüner Tee und Kardamom.“