Pandemie - Die Forderungen an die Landesregierung in Wiesbaden werden immer lauter Landräte machen Druck auf zügigen Start aller Impfzentren

Von 
Konrad Bülow
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Kein Arzt, keine Impfung: Das Impfzentrum ist bereit für den sehnlichst erwarteten Startschuss aus Wiesbaden. Doch das Land nennt noch keinen Termin. © Dietmar Funck

Bergstraße. Noch wartet das Bergsträßer Corona-Impfzentrum auf das Signal für die vollständige Eröffnung seines Betriebs. Wie viel Geduld noch nötig sein wird, ist noch nicht klar, ein Datum steht nicht fest. Geht es nach Landrat Christian Engelhardt und seinen Amtskollegen aus den Nachbarkreisen sowie dem Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch, soll aber bald der Startschuss für die ortsnahen Impfzentren kommen. Dies sei auch gegenüber der Landesregierung eingefordert worden, sagte Engelhardt in der jüngsten Video-Pressekonferenz der Kreisspitze.

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In einer gemeinsamen Pressemitteilung rufen die Verwaltungschefs das Ziel aus, dass die ortsnahen Zentren ihre Arbeit aufnehmen sollen, bevor die zweite Impfung derjenigen Menschen ansteht, die ab dem 19. Januar in den regionalen Impfzentren ihre erste Injektion erhalten. Da zwischen zwei Injektionen 21 Tage liegen sollen, wäre das angestrebte Datum der 8. Februar.

Entscheiden wird das aber am Ende das Land Hessen. Im Moment sieht Wiesbaden vor, die Kreis-Impfzentren erst nach und nach zu öffnen, wenn es einen stetigen Zufluss an Impfstoff gibt. Ab kommender Woche ist für die Südhessen, die der ersten Prioritätsgruppe angehören, das Kongresszentrum Darmstadtium als regionales Impfzentrum der Anlaufpunkt.

Seit Dienstag können sich Impfberechtigte außerhalb der Alten- und Pflegeheime dort per Telefon oder Internet für Termine anmelden – wobei es wie berichtet wegen des hohen Andrangs zu technischen Überlastungen kam.

Länderübergreifendes Impfen

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Nichtsdestotrotz warb Engelhardt dafür, das Angebot zu nutzen. „Das Darmstädter Impfzentrum ist ein Angebot für Menschen in allen südhessischen Landkreisen, nicht nur für Einwohner von Darmstadt“, war ihm wichtig zu betonen. Er verschwieg aber nicht, dass er und seine Amtskollegen eine dezentrale Lösung gleich zu Beginn favorisiert hätten, bei der auch die ortsnahen Impfzentren für Personen aus der ersten Prioritätsgruppe geöffnet werden. „Es müssten ja auch nicht alle Impfzentren sofort mit Vollgas an die Arbeit gehen“, gab er mit Blick auf den knappen Impfstoff zu bedenken. Außerdem hoffen er und die anderen Verwaltungschefs, dass eine baldige Öffnung der Kreis-Impfzentren die Kontakte in den regionalen Impfzentren entzerrt.

Gemeinsam mit Amtskollegen aus dem nördlichen Baden-Württemberg lote er seit einigen Wochen aus, inwieweit es künftig möglich gemacht werden kann, länderübergreifend zu impfen – ob sich etwa jemand aus Gorxheimertal in Weinheim impfen lassen kann. „Von der Logistik her ist es wohl kein Problem“, sagte Engelhardt. Geklärt werden müsse aber noch, ob es technische Schwierigkeiten gibt – die hessischen und baden-württembergischen Impfzentren verwendeten unterschiedliche Buchungssysteme.

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Derweil gehe es mit den Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen weiter, Stand gestern seien im Kreis Bergstraße 2204 Impfdosen verabreicht worden. 17 Einrichtungen müssten die mobilen Impfteams noch für die Erstimpfungen anfahren. Die Zweitimpfungen sollten in der kommenden Woche starten.

Vergleichbare Testzahlen

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Wie Kreisbeigeordnete Diana Stolz mitteilte, hat das Gesundheitsamt nun wieder einen besseren Blick auf das Corona-Infektionsgeschehen, nachdem über die Feiertage weniger getestet wurde und sich schwerer abschätzen ließ, wie die Lage wirklich ist. Mittlerweile seien die Testzahlen wieder vergleichbar mit jenen vor Weihnachten und Silvester. Für gestern lag die Inzidenz bei 172,25 Neu-Infektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen. Während die Zahl der Personen gesunken sei, die wegen einer Corona-Infektion in Bergsträßer Krankenhäusern behandelt werden müssen, gebe es auf den Intensivstationen noch keine Entlastung. Aktuell seien 13 Alten- und Pflegeheime im Kreis von Corona-Infektionen betroffen, fuhr die Gesundheitsdezernentin fort – in der Vorwoche waren es 15.

Auch die Zahl der betroffenen Flüchtlingsunterkünfte sei zurückgegangen, sagte Kreisbeigeordneter Karsten Krug. Derzeit gebe es neun betroffene Unterkünfte mit ebenso vielen Fällen.

Unterdessen seien die Nahverkehrsorganisationen wieder zum Schulfahrplan zurückgekehrt, fuhr Krug fort. Da der Betrieb in den Schulen eingeschränkt ist, würden aber keine Verstärkerbusse eingesetzt.

Redaktion Redakteur für das Ressort Lautertal/Lindenfels, Autor im Ressort Region. Bei Bedarf Unterstützer im Lokalsport