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Geldanlage - Merck-Konzern zieht das Depot Bergstraße/Südhessen nach oben / In Frankfurt leiden die Banken und der Flugverkehr nach wie vor

Klima und Corona: Geldpolitik lässt Aktien in immer neue Höhen entschweben

Von 
Michael Roth
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Die Europäische Zentralbank – unser Bild zeigt deren Sitz in Frankfurt – setzt unverändert auf eine lockere Geldpolitik zur Konjunkturunterstützung. © Arne Dedert/dpa

Bergstraße. Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Wochen ist wie der bisherige Sommer. Schlechter als erwartet. Die Industrieproduktion in der Eurozone enttäuschte zuletzt. Das heißt: Die Konjunkturerholung nach der Corona-Pandemie ist keineswegs eine ausgemachte Sache. Die Europäische Zentralbank interpretiert das so: Weiterhin eine extrem lockere Geldpolitik zur Konjunkturstützung.

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Auf der anderen Seite steigen jedoch die Preise immer weiter, nicht nur Bauen wird immer teurer, weil Holz und andere Rohstoffe knapp sind und neue Auflagen, wie die Pflicht zum Solardach, kommen dürften. Die klimapolitischen Beschlüsse der EU, die Strom, Heizöl und Sprit deutlich verteuern, werden für einen weiteren Inflationsschub sorgen.

Die Zinsen bleiben unten

Für die EZB, die neuerdings auch den Klimaschutz für sich entdeckt hat, ist das offenbar kein Grund, sich von ihrer Geldpolitik abzuwenden, obwohl die Inflationsraten das hergeben würden. Im Gegenteil, mit Corona und Klima lässt sich derzeit alles und jedes rechtfertigen, auch die Politik der offenen Geldschleusen. Die Folge: Die Zinsen bleiben unten. Das bedeutet im Umkehrschluss: keine Gefahr für die hohen Aktienkurse. Die könnten nach Ansicht der Börsenexperten von CMC Markets sogar noch weiter steigen. 16 000 Punkte beim Dax sind in Sicht.

Von plus fünf und minus neun

Auch im Aktienranking des Bergsträßer Anzeigers ging es in den vergangenen vier Wochen weiter nach oben. Den größten Schub gab es für das Depot Bergstraße7Südhessen mit einem Plus von mehr als fünf Prozent. Die Aktien aus dem Depot Rhein-Neckar stiegen um 2,5 Prozent. Nur das Depot Rhein-Main mit seinen Sorgenkindern Banken und Luftverkehr verlor neun Prozent.

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In Südhessen ist nach wie vor der Darmstädter Merck-Konzern das Zugpferd. Nach Ansicht von Analysten wird die Luft aber dünner. Peter Spengler von der DZ Bank rechnet zwar mit einem starken zweiten Quartal, die Aktie sei aber fair bewertet, da das hohe Gewinnwachstum und die hohe Bewertung sich die Waage hielten. James Quigley von der US-Investmentbank Morgan Stanley glaubt, dass der zuletzt starke Kursanstieg die gute Lage schon vorweggenommen habe.

Warten auf die Quartalszahlen

In zwei Wochen stellt TE Connecitivity mit dem großen Standort in Bensheim seine Quartalszahlen vor. Wenn der Aktienkurs auch hier ein Vorbote sein sollte, dann dürften die Zahlen ebenfalls gut, jedoch nicht überbordend, ausgefallen sein.

Die Aktie von Dentsply Sirona ist seit Mai im leichten Sinkflug, liegt aber immer noch über dem Wert vom Jahresbeginn. Anfang August wird der Dentaltechnikkonzern Quartalszahlen präsentieren. Dann wird sich zeigen, wohin die Reise dieses Jahr geht.

Eindeutiger sind die Analystenschätzungen zum Gabelstaplerhersteller Jungheinrich. Peter Rothenaicher von der Baader Bank glaubt, dass der Konzern von sehr dynamischen Wachstumstrends profitiere. Und die langfristigen Aussichten seien exzellent.

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Der Aktienkurs des Zwingenberger Biotechunternehmens Brain gab zuletzt nach. Er näherte sich zuletzt wieder der Notiz beim Börsengang 2016 von neun Euro.

SAP und die Digitalisierung

Im Depot Rhein-Neckar hielt sich die BASF stabil. Analysten erwarten ein richtig starkes zweites Quartal. Und je schneller sich die Weltwirtschaft von der Corona-Pandemie erholt, umso stärker wird der Chemiekonzern aus Ludwigshafen davon profitieren.

Beim Walldorfer Softwarekonzern SAP erwartet Finanzanalyst Adam Wood von der US-Investmentbank Morgan Stanley eine anhaltende Besserung, was wiederum ein gutes Vorzeichen für die nächsten Quartalsergebnisse sei. Ins gleiche Horn stößt James Goodman von der britischen Investmentbank Barclays. Die Priorisierung der Digitalisierung allenthalben ergebe ein günstiges Klima für die Branche und SAP gehöre zu seinen bevorzugten Werten.

Besser als erwartet dürften nach Analysteneinschätzungen auch die Geschäfte des Schmierstoffkonzerns Fuchs Petrolub gelaufen sein. Das könnte dem zuletzt schwächeren Aktienkurs wieder Auftrieb geben. Welche Folgen die Klimapolitik mit dem Verbot von Autos mit Verbrennungsmotor mittelfristig hat, muss das Fuchs-Management noch ausführlich erklären, heißt es.

Die Aktie von Südzucker war nach den jüngsten Quartalszahlen unter Druck geraten. Geht es aber nach Axel Herlinghaus von der DZ Bank, hat sich an den insgesamt robusten Zuckeraussichten, insbesondere im zweiten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres, de facto kaum etwas verändert.

Im Depot Rhein-Main ziehen erneut dunkle Wolken auf. Nach einem kurzen Zwischenhoch gab die Aktie der Deutschen Bank wieder nach – und auch das Papier der Commerzbank ist in den vergangenen Wochen wieder unter Druck geraten. Hohe Kosten für Digitalisierung und Regulierung haben beide zu schultern.

Sorgenkind Luftverkehr

Lufthansa und Fraport leiden unter dem Dämpfer, den die Corona-Mutanten der Erholung des internationalen Luftverkehrs versetzt haben. Die Lufthansa hat zudem noch damit zu kämpfen, dass sie wegen des hohen Anteils an Geschäftsreisenden in der Erholung gegenüber Konkurrenten mit dem Schwerpunkt Tourismus zurückbleiben könnte, meint Daniel Roeska von Bernstein Research.

Nur der Fresenius-Konzern konnte seinen Kurs halten. Das reichte aber nicht aus, um ein Minus im Rhein-Main-Depot, trotz guter Rahmenbedingungen der Geldpolitik, zu verhindern.

Chefredaktion

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