Prozess - Bewährungsstrafe von einem Jahr / Dateien in Chatverläufen, auf dem Handy und Computer Kinderpornografische Fotos im Internet verbreitet

Von 
Sina Roth
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Am Amtsgericht in Bensheim wurde gestern über einen Fall von Kinderpornografie verhandelt. © Dietmar Funck

Bergstraße. Aufgrund des Verdachts auf sechs verschiedene Handlungen im Zusammenhang mit kinderpornografischen Schriften musste sich ein 24-jähriger Bensheimer gestern vor Strafrichterin Beyerlein am Bensheimer Amtsgericht verantworten. Der Angeklagte räumte vollständig ein, dass er im Zeitraum von Dezember 2017 bis August 2018 kinderpornografische Fotos und Videos in Chats und Gruppen über verschiedene Messenger-Dienste angeschaut und verbreitet hat und entsprechende Dateien auf seinem Handy, auf dem Computer und in einer Dropbox gespeichert hat.

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Ebendies bestätigte auch ein Zeuge, ein Polizeibeamter, der bei der Durchsuchung seines Zimmers im Haus der Eltern des Angeklagten dabei war und die Dateien auf dessen Handy eingesehen hat. „Dabei haben wir sein Smartphone, den Computer und einen USB-Stick sichergestellt und die Inhalte teils intern, teils extern gesichtet. Auf dem Handy habe ich Dateien des sexuellen Missbrauchs an vorpubertären Jungs gefunden, auch zwei Bilder schweren sexuellen Missbrauchs waren dabei“, berichtete der Zeuge.

Auch anschauen ist strafbar

Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm jedoch vor allem der Chatverlauf einer Gruppe, die der Angeklagte gegründet hat und darin vermehrt und vehement Mitglieder dazu aufgefordert hat, Bilder von Jungs unter 12 Jahren zu verschicken, was seinen damaligen sexuellen Neigungen entsprochen habe, wie der Bensheimer bestätigt. „Wer sich nicht an die Regeln halte, der werde aus der Gruppe verbannt“, so der Polizeibeamte. „Er war fokussiert darauf, Bilder zu bekommen, auch in Einzelchats.“ Auch habe er Fotos verschickt, wie der Angeklagte bestätigt.

Bei der Sichtung der Dateien und Chat-Verläufe erklärte der Angeklagte vermehrt, dass er sich nicht daran erinnern könne. Darunter Bilder von vor der Kamera nackt posierenden kleinen Jungs, ebenso wie Aufnahmen vom Oral- und Analverkehr zwischen den Jungen und Männern. „Ihr Verhalten hier steht für mich im Widerspruch zu ihrem Verhalten in den Chatverläufen“, betonte Staatsanwältin Julia Bussweiler, was der Angeklagte letztlich bestätigte. In der Online-Welt fühle er sich sicherer und verhalte sich daher anders als im realen Leben.

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Bussweiler sprach sich für eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten aus, jedoch mit dem Appell, dass der Angeklagte weiterhin eine Sexualtherapie in Anspruch nehme, wie er es bereits seit einem Jahr tut. „Denn egal ob man solche Bilder und Videos verbreitet, besitzt oder anschaut – das ist strafbar. Dabei geht es um Angebot und Nachfrage. Und um diese Dateien zu erstellen, sind Kinder teilweise schwer missbraucht worden“, so Bussweiler.

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Jürgen Rath, plädierte für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung – mit dem Hinweis darauf, dass sich der Angeklagte weder zuvor noch danach etwas habe zu Schulden kommen lassen und sich aus Eigeninitiative in Therapie begeben habe.

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Strafrichterin Katja Beyerlein verkündete das Urteil von einem Jahr mit einer Bewährungszeit von zwei Jahren, das der Angeklagte annahm. „Strafmildernd wirkt sich aus, dass der Angeklagte seine Taten gestanden und sich selbst in Therapie begeben hat, außerdem wird er von seiner Familie unterstützt“, erklärte die Strafrichterin. Zudem habe er darauf verzichtet, die konfiszierten Datenträger wieder zu bekommen.

Die Therapie wird fortgesetzt

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Die Dropbox, an deren Zugangsdaten sich der Bensheimer nicht mehr erinnern konnte, werde ebenfalls eingezogen. Die Taten selbst fielen unterschiedlich stark ins Gewicht, so Beyerlein. Dass er selbst eine Gruppe geleitet und explizit Mitglieder dazu aufgefordert hat, Dateien zu verschicken, sei besonders kritisch zu sehen. Für einige der Taten werden Geldstrafen fällig, ebenso muss der Bensheimer insgesamt 2000 Euro an die Lebenshilfe in Heppenheim spenden. Dazu kommen die Kosten des Verfahrens, die er tragen muss. Mindestens zehn weitere Therapiestunden soll er außerdem in Anspruch nehmen.