Landratswahl - Der SPD-Kandidat für den Chefsessel der Bergsträßer Kreisverwaltung traf sich mit BA-Redakteur Jörg Keller zum Tennisspielen Karsten Krug punktet mit seinem variablen Spiel

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Jörg Keller
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Landratskandidat Karsten Krug beim Tennisspiel im Rahmen des Pressetermins in der Halle des TC Biblis. © Zelinger

Bergstraße. Auf einen schnellen, langen Topspin-Schlag folgt ein bissiger tiefer Slice. Der gelbe Filzball will auf meiner Seite kaum noch vom blauen Teppichboden abspringen. „Tempowechsel sind wichtig“, sagt Karsten Krug. Das variable Spiel sei ein gutes Mittel, um dem Gegner die Sicherheit zu nehmen und ihn dazu zu zwingen, selbst die Geschwindigkeit hoch zu halten. Natürlich ging es bei dieser taktischen Analyse rückblickend um das Tennisspiel, zu dem ich mich mit dem SPD-Landratskandidaten verabredet hatte. Doch Karsten Krug ist politikerfahren genug, um sofort zu erkennen, dass diese Formulierung einem Journalisten gleich ins Auge springt, um Analogien zum derzeit laufenden Wahlkampf zu ziehen.

Soziale Kompetenzen

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Sport ist für Karsten Krug ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Fast alle Aktivitäten, bei denen Bälle über Netze, in Tore oder zuletzt auch in Löcher im Boden bugsiert werden müssen, sind sein Ding: Tischtennis, Tennis, Fußball, Volleyball und seit einiger Zeit auch Golf. Über den Sport habe er viel gelernt im Leben. „Soziale Kompetenzen“ etwa. Sich gemeinsam auf ein Ziel vorzubereiten. Aber auch, Niederlagen zu erleben und gestärkt zurückzukommen.

Begeistert von Ballspielen

Um Karsten Krug privat bei seinem Hobby vorzustellen, hätte man zahlreiche Sportarten wählen können: Tischtennis, Fußball, Volleyball, Golf und Tennis.

Der Landratskandidat kann sich für die meisten Ballspiele begeistern. Viele hat er auch schon durchaus erfolgreich ausgeübt.

Seine größten Erfolge hatte er im Tischtennis, mit dem er im Alter von fünf Jahren beim TTC Groß-Rohrheim begann. Bei Jugend-Bezirksmeisterschaften stand er einst gegen den späteren Weltranglistenersten Timo Boll im Endspiel. Als Aktiver schafft er es bis in die Oberliga und Hessenliga, wurde im Jahr 2007 mit dem TV Hofheim Deutscher Pokalsieger. 2013 machte er sein letztes Spiel an der Platte.

Beim FC Alemannia Groß-Rohrheim ging Karsten Krug zwei Jahre lang bei den Aktiven auf Torejagd. Noch heute kickt der große Fußballfan gerne in seiner Freizeit.

Fünf Jahre war Karsten Krug Stammspieler bei den früheren Bezirksliga-Volleyballern des TV Groß-Rohrheim.

Auf dem Tennisplatz steht Karsten Krug ebenfalls bereits seit seinem fünften Lebensjahr. Mit den Herren 30 seines Stammvereins TC 74 Groß-Rohrheim holte er 2013 die Meisterschaft in der Bezirksoberliga und trat 2014 auch in der Gruppenliga an.

Karsten Krugs Bruder Stefan Hoffmann ist Tennistrainer in Heppenheim. kel

Im Tennis hatte Karsten Krug für Letzteres jedoch eher wenig Gelegenheit. Der Ergebnisdienst HTO des Hessischen Tennisverbandes weist für seine sportliche Karriere auf dem roten Sand eine Bilanz von 63 gewonnen Einzeln bei nur drei Niederlagen aus.

Das Wissen darüber beeindruckt mich dann schon ein wenig beim gemeinsamen Gang auf den Court in der Halle des TC Biblis. „Die meisten Matches davon waren in unteren Klassen. Das hat daher nicht zu viel zu bedeuten“, übt sich der Landratskandidat in Understatement. Und sowieso: Das letzte Mal hatte er im vergangenen Sommer den Tennisschläger ausgepackt. In der Herren 40-Bezirksoberliga siegte er bei einem Einsatz für seinen Heimatverein TC 74 Groß-Rohrheim im Einzel mit 6:0, 6:1, im Doppel mit 6:0, 6:0.

Nichts verlernt

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Und während der dann folgenden halbjährigen Pause hat er offensichtlich auch nichts verlernt. Fast fehlerfrei spielt er die Bälle von Beginn an übers Netz. Zunächst ein wenig verhalten, dann durchaus mit Zug. Gelernt ist eben gelernt. Seit seinem fünften Lebensjahr steht der 1977 geborene Karsten Krug auf dem Platz. Seit 1980 wohnt er in Groß-Rohrheim. Und für einen anderen Verein als den seiner Heimatgemeinde hat er auch nie gespielt.

„Schon meine Eltern waren Tennisspieler“, berichtet er, wie er zu dem damals noch „Weißen Sport“ (so genannt wegen der seinerzeit noch vornehmlich weißen Kleidung) gekommen war. Als Jugendspieler hatte er Angebote, in den Bezirkskader aufgenommen zu werden. Er entschied sich jedoch seinerzeit dazu, sich auf Tischtennis zu konzentrieren, wo er dann auch seine größten sportlichen Erfolge feierte.

Zeitaufwand im Landratsamt

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Dem Tennis auf dem großen Feld blieb er langfristig dennoch treu, errang mit den Herren im Jahr 2006 die Meisterschaft in der Kreisliga A, mit den Herren 30 im Jahr 2013 den Titel in der Bezirksoberliga. 2014 spielte er mit den Herren 30 in der Gruppenliga, bevor ihn eine Verletzung und zuletzt auch der berufliche Zeitaufwand als Kreisbeigeordneter davon abhielten, weiterhin aktiv im Mannschaftssport zu sein. Nach seinem Kurzeinsatz im vergangenen Sommer reizt es ihn jedoch schon wieder, ab und an den Schläger auszupacken – so wie beim lockeren Bälleschlagen im Rahmen dieses Porträts.

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Sollte er am 14. März von den Bergsträßern zum Landrat gewählt werden („Das ist mein klares Ziel!“, so Krug) hätte er ab Beginn der Amtsperiode im September wohl nur noch wenig Zeit dazu. Doch das ist aktuell als Dezernent im Landratsamt auch nicht viel anders. Und, dass er nach der Kommunalwahl seinen Job als Kreisbeigeordneter weitermacht, ist ja ebenfalls eine denkbare Option. Dann nämlich, wenn er sich bei der Direktwahl um den Chefsessel im Landratsamt nicht durchsetzen würde, seine SPD aber in einer Koalition im Kreistag weiter mitbestimmen kann. „Davor stünde dann aber noch die Klärung verschiedener inhaltlicher Fragen“, sieht Krug hier keinen Automatismus zur Fortführung seiner jetzigen beruflichen Tätigkeit, selbst wenn die politischen Mehrheiten passen würden. Die dritte berufliche Option wäre für Karsten Krug eine ihm garantierte Rückkehr ins Lorscher Stadthaus, wo er vor seinem Wechsel ins Landratsamt Hauptamtsleiter war.

Die Unentschlossenen gewinnen

Doch noch sind solche Überlegungen Zukunftsmusik. Alles entscheidend wird die Wahl am 14. März. „Wir befinden uns noch in der Einspielphase“, sagt Krug beim Tennistermin vor einigen Tagen auf die Frage, wie es seiner Einschätzung nach im Match um den Landratsposten aktuell steht. Dass der eine oder andere Wähler bereits seine Stimme per Briefwahl abgegeben hat, sei dabei nicht relevant. „Wer bereits jetzt sein Kreuzchen per Briefwahl macht, hatte sich ohnehin früh für einen Kandidaten entschieden“, sagt Krug. In den kommenden Wochen gehe es darum, die Unentschlossenen für sich zu gewinnen. Und ebenso, wie er mit einem klaren Matchplan auf den Tennisplatz gehe, verfolge er jetzt seinen Wahlkampfplan. Dazu gehört unter anderem, mit mehr Online-Formaten eine größere Reichweite zu bekommen. Krug muss sich hier ein stückweit herankämpfen. Durch die Corona-Pandemie habe Amtsinhaber Christian Engelhardt eine tägliche Plattform erhalten. Dennoch sei derzeit ein Trend nur schwer zu erkennen. „Erst am Ende wird es einen Sieger geben“, sagt der SPD-Landratskandidat.

Unendlich viele Wendungen

Das ist bei der Landratswahl ebenso wie im Sport. Und hier hat Krug auf und neben dem Platz sowie vor dem Fernseher schon schier unendlich viele Wendungen erlebt. „Als Kind und Jugendlicher habe ich natürlich bei den Matches von Boris Becker mitgefiebert, Wimbledon, die Davis-Cup-Siege. Das war schon toll“, sagt er. Beckers sportliche Leistung sei schon beeindruckend. Auf dem Tennisplatz habe dieser das „Optimale aus seinen Fähigkeiten“ gemacht. Außerhalb dessen sportlichen Karrieren sehe das natürlich anders aus.

Erfolgsverwöhnt ist auch der Fußballfan Krug, der seit Kindesbeinen an Bayern München die Daumen drückt. Er freue sich aber auch sehr über den aktuellen Lauf der Frankfurter Eintracht. „Das ist gut für die Region“, sagt er. Bei den Olympischen Spielen habe er in früheren Zeiten schon mal zwei Fernseher aufgebaut, um gleichzeitig verschieden Sportarten verfolgen zu können. „Beim Gedanken an die Goldmedaillen von Fabian Hambüchen und den Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst bei Olympia 2016 bekomme ich noch immer Gänsehaut“, sagt der Sportfan.

Selbst hatte er in den vergangenen Monaten nur wenig Zeit und Gelegenheit, sportlich aktiv zu werden. Ein bisschen Radfahren oder Joggen, nur ab und an einmal eine Runde auf dem Golfplatz – für mehr habe es zeitlich nicht gereicht. Und auch die Corona-Pandemie erschwert Sportlern ganz allgemein derzeit das Training. Tennisspieler in Hessen haben es noch relativ gut. In den Hallen darf unter Einhaltung strenger Hygiene- und Abstandsregeln zumindest Einzel gespielt werden. Doppel sind verboten. Karsten Krug nutzt diese Möglichkeit mit Ausnahme unseres sportlichen Pressetermins dennoch nicht. „Ich habe auch früher nur selten in der Halle trainiert“, sagt er. Der Sandplatz im Freien komme seinem variablen Spiel da viel mehr entgegen.

Ein richtiges Match hätte er bei unserem sportlichen Treffen wahrscheinlich dennoch gewonnen. Doch Punkte wurden an diesem Morgen in der Halle des TC Biblis nicht ausgespielt. Gezählt wird erst am 14. März, dann aber die Stimmenverteilung bei der Landratswahl.

Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region