Partnerschaft - Bürgermeisterin Sandy Martin von Einhausens Schwesterstadt in den USA berichtet über die Lage vor Ort In Shoreview herrscht vor dem Machtwechsel gespannte Ruhe

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Konrad Bülow
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In Einhausens US-Partnerstadt Shoreview in Minnesota (im Bild das Bürgerhaus) herrscht vor der Amtseinführung von Präsident Biden gespannte Ruhe. © Kiehnbaum

Shoreview/Einhausen. Die Tage zwischen dem Sturm von Anhängern des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump auf das Capitol in Washington und der Amtseinführung des Wahlsiegers Joe Biden beschreibt Sandy Martin, Bürgermeisterin von Shoreview, als „historic and horrific“ – als historisch und entsetzlich. Gewaltbereite Demonstranten drangen am 6. Januar ins Repräsentantenhaus ein und führten sich auf wie plündernde Eroberer. Fünf Menschen starben.

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Viele Einwohner der Einhäuser Partnerstadt in Minnesota seien wütend über die Geschehnisse, beschreibt die Rathauschefin die Stimmung: „Sie fürchten sich auch und sind betroffen wegen der politischen Spaltung im Land.“ Vielen mache Sorgen, dass die Trump-Getreuen glauben, die Wahl am 3. November sei nicht fair und unparteiisch abgelaufen.

Dennoch wirke es dieser Tage sehr ruhig in Shoreview. „Wir haben in unserer Stadt keinerlei Proteste oder Aufruhr erlebt“, blickt Martin zurück. Wobei die Behörden nicht ausschließen, dass sich das ändert. Der Sheriff, zuständig für Shoreview und sechs weitere Städte in der Umgebung, bereite sich darauf vor, auf jedwede Gewalt zu reagieren, zu der es über das Wochenende oder zum Tag von Bidens Amtseinführung kommen könnte. „Ich hoffe auf einen friedvollen Übergang zum neuen Präsidenten“, bekennt Martin.

In Shoreview haben die Demokraten und besonders Joe Biden generell viel Rückhalt. Schon 2016 holte Hillary Clinton in der 26 000-Einwohner-Kommune mehr Stimmen als der Republikaner Donald Trump. Bei den Vorwahlen der Demokraten lag Biden auch in Shoreview vorne, als er nach seinem Stotterstart die Wende schaffte und sich am Super Tuesday gegen seine innerparteilichen Konkurrenten durchsetzte. Und wenig überraschend machten auch bei der Wahl 2020 wesentlich mehr Einwohner von Shoreview hinter seinem Namen ihr Kreuz als hinter dem Trumps. Der gewählte Präsident sicherte sich alle Wahlmänner in Minnesota. Anders als in Shoreview, das nahe an der County-Hauptstadt Saint-Paul liegt, fand Trump aber viel Zustimmung in den ländlicheren Gebieten des Bundesstaats.

Rekordwert bei Wahlbeteiligung

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Bei der Wahl zum Repräsentantenhaus des Staates Minnesota triumphierten in den Wahlbezirken Shoreviews ebenso die Bewerber der Demokraten. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 93 Prozent einen Rekordwert.

Derweil ringt auch Shoreview darum, der Corona-Krise zu entrinnen. „Wir folgen den Richtlinien der Regierung und halten uns an die Beschränkungen, die erreichen sollen, dass die Menschen geschützt werden und das Virus daran gehindert wird, sich auszubreiten“, sagt Martin.

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Es sei mit Impfungen der gefährdeten Bewohner von Pflegeheimen sowie von „essential workers“, also wichtigen Arbeitskräften, begonnen worden. Sobald diese Phase abgeschlossen ist, sollten Menschen über 75 Jahre die Injektionen bekommen. Auch Lehrer stünden weit oben auf der Liste. Die Impfungen gingen etwas langsamer voran als erwartet. „Beschäftigte im Gesundheitsbereich bekommen sie aber“, betont Martin.

Redaktion Redakteur für das Ressort Lautertal/Lindenfels, Autor im Ressort Region. Bei Bedarf Unterstützer im Lokalsport