Pandemie - Landrat Christian Engelhardt begrüßt die neuen Regeln, die ab Montag gelten / Zahl der Corona-Verstöße an der Bergstraße hat die 1000er-Grenze durchbrochen Impfzentrum startet auf Sparflamme

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Konrad Bülow
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Bensheim; Berliner Ring 89; Rundgang durch das Corona Impfzentrum Bergstrasse; Bild: Dietmar Funck © Dietmar Funck
Noch steht nicht fest, wie viele Impfdosen zur Verfügung stehen werden, wenn das Bergsträßer Impfzentrum wie geplant am 9. Februar an den Start geht. Landrat Christian Engelhardt geht aber davon aus, dass es in der ersten Woche nur wenige Hundert sein werden.

Bergstraße. Mit dem Ablauf der Corona-Impfungen in Südhessen ist nicht jeder zufrieden. So hat ein Bergsträßer Bürger einen Brief an den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) geschrieben. Der Brief liegt dieser Zeitung vor. Der Autor kritisiert darin zum einen, dass zwischen einer Erstimpfung und der Auffrischung teilweise mehr als die üblichen drei Wochen liegen – teilweise bis zu sechs Wochen.

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Zum anderen profitierten Impfberechtigte, die ihre erste Injektion im zentralen Impfzentrum in Darmstadt erhalten haben, nicht davon, dass die Kreis-Impfzentren – darunter jenes am Berliner Ring in Bensheim – am 9. Februar in Betrieb gehen sollen. Wer bereits einen Termin in Darmstadt für die Zweitimpfung zugeteilt bekommen habe, müsse ihn auch dort wahrnehmen. Der lange Anfahrtsweg der über 80-Jährigen gestalte sich oft schwierig, es seien Rollstuhltransporte nötig und es komme teilweise zu „unwürdigen Situationen“.

Landrat Christian Engelhardt bestätigte, dass die schon gebuchten Zweitimpfungen in Darmstadt durchgeführt werden, während die ortsnahen Impfzentren im Februar zunächst Erstimpfungen übernehmen. „Es werden dort in der ersten Woche wahrscheinlich nur wenige Hundert Impfdosen zur Verfügung stehen“, kündigte er an. Die Impfdosen umzuverteilen, sei schwierig. Der Einsatzbefehl sei noch nicht erteilt worden. Er rechne aber damit, dass Anmeldungen für Termine in Bensheim eine Woche vor dem Start möglich sein werden. Derweil seien in den Pflegeheimen die Zweitimpfungen gestartet. Die Pressestelle der Stadt Darmstadt verweist derweil auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut, nach der zwischen Erst- und Zweitimpfungen 21 bis 42 Tage liegen sollten.

Weiterhin gibt es Kritik an den komplizierten Anmeldeverfahren. Ein 86-jähriger Leser dieser Zeitung berichtete von einer wahren Telefon-Odyssee, nachdem er Probleme bei der Online-Anmeldung hatte. Viele Altersgenossen in seinem Umfeld seien ratlos.

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Trotz der Pflicht zum Tragen von medizinischen Masken in Geschäften, Bussen, Bahnen und bei Gottesdiensten, die am Montag im Interesse des Corona-Infektionsschutzes in Kraft tritt, rechnet Landrat Christian Engelhardt nicht mit einem Engpass bei den Mund-Nasen-Schützern. „Es macht keinen Sinn, jetzt Masken zu hamstern“, betonte er in der jüngsten Video-Pressekonferenz der Kreisspitze zur Pandemie.

„Müssen sehr umsichtig sein“

Der Chef der Kreisverwaltung verwies dabei auch darauf, dass das Land Hessen eine Verteilung der Masken an Menschen plane, die sie sich auf Dauer nicht leisten können. Gleichzeitig erinnerte er an Studien, nach denen eine FFP2-Maske wiederverwendet werden kann, wenn sie etwa eine Woche lang bei Raumluft getrocknet wird. Eine weitere Methode ist, die Maske erst einen Tag lang an der Luft trocknen zu lassen, sie dann für 60 Minuten bei 80 Grad Ober- und Unterhitze in den Backofen zu legen und anschließend abkühlen zu lassen, wie es in einer Pressemitteilung der Deutschen Krankenversicherung (DKV) heißt. Nach der fünften Wiederverwendung sollte die Maske demnach aber entsorgt werden.

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Auch die anderen neuen Maßnahmen, auf die sich die Bund-Länder Konferenz diese Woche geeinigt hat, befürwortet der Landrat. „Wir müssen im Augenblick sehr umsichtig sein“, sagte er mit Blick auf die Entwicklung im Vereinigten Königreich und in Irland, wo Virus-Mutationen den Menschen zu schaffen machen. Im Kreis sei nie alleine die Inzidenz – also der Sieben-Tage-Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner – als einziger Faktor des Pandemie-Geschehens betrachtet worden.

Das Ende der 15-Kilometer-Regel

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Mit der Vorgabe, dass Besucher von Pflegeheimen einen negativen Schnelltest vorweisen müssen, bevor sie einen Fuß über die Schwelle der Einrichtungen setzen, sei nun landesweit eine Regelung in Kraft getreten, in an der Bergstraße seit Ende des Jahres galt. Gebe es in einer Pflegeeinrichtung einen Infektionsfall, herrsche ein generelles Besuchsverbot, ergänzte Gesundheitsdezernentin Diana Stolz.

Erfreut sei er, dass nun die Regel wegfällt, nach der ab einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen Personen ohne triftigen Grund in einem Radius von 15 Kilometern um ihren Wohnort bleiben mussten, bekannte Engelhardt. Diese Regelung hatte er in der Vergangenheit kritisiert, unter anderem, weil die Regel für Menschen im ländlichen Raum einen anderen Effekt habe als für jene in Ballungsräumen.

Eine gute Nachricht gebe es im Hinblick auf die aktiven Corona-Infektionen im Kreis, sagte Kreisbeigeordnete Stolz: Erstmals seit Mitte Dezember liege ihre Zahl seit einer Woche konstant unter 1000, aktuell litten 885 Bergsträßer unter einer Infektion. Rückläufige Zahlen gebe es auch bei den Belegungen der Kliniken im Kreisgebiet.

„Die Zahl der belegten Intensivbetten ist aber weiterhin hoch“, schränkte sie ein. Die Zahl der Betten im Kreiskrankenhaus könne aber noch ausgeweitet werden, wenn dies notwendig sei. Der Altersdurchschnitt der Menschen aus dem Kreis, die sich aktuell mit einer Corona-Infektion in stationärer Behandlung befinden, sei konstant und liege bei unter 75 Jahren. Am stärksten seien dabei die 70- bis 79-Jährigen betroffen. Mittlerweile gebe es auch wieder an drei Schulen und einem Kindergarten Corona-Infektionen, fuhr Stolz fort. Ein weiterer Fall an einem Kindergarten befinde sich in Ermittlung.

Unterdessen hat die Zahl der Verstöße gegen die Corona-Verordnungen im Kreis die 1000er-Marke überschritten, wie Kreisbeigeordneter Karsten Krug informierte: Bei der Zentralen Bußgeldstelle, die der Kreis im Frühjahr 2020 eingerichtet hatte, seien bisher 1017 Zuwiderhandlungen gemeldet worden.

Redaktion Redakteur für das Ressort Lautertal/Lindenfels, Autor im Ressort Region. Bei Bedarf Unterstützer im Lokalsport