Naturschutzgebiet - Zuflucht suchende Tiere dringen in Lampertheim in das Gelände der Biedensand Bäder ein / Handy-Video sorgt für Aufregung / Altrhein-Damm gesperrt „Hochwasser-Tourismus“ stört die Wildschweine

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Der Altrheindamm bei Lampertheim ist für Fußgänger gesperrt. Ein Schild macht auf das Rückzugsgebiet von Wildtieren aufmerksam. © Berno Nix

Lampertheim. Dramatische Bilder von einer Wildschweinrotte sorgen in Lampertheim für Aufregung: Die Tiere schießen aus dem Hochwasser führenden Altrhein, rennen über den Damm und laufen so lang mit voller Wucht gegen einen Zaun, bis sie ein Loch hineingerammt haben. Dann verschwinden die meisten auf dem Gelände der Biedensand Bäder. Nur ein Keiler schafft es nicht, geht wieder zurück ins Wasser und schwimmt davon. . .

Damm und Brücke gesperrt

Wegen des Hochwassers am Lampertheimer Althrein hat die Stadtverwaltung die überschwemmten Bereiche weiträumig abgesperrt.

Auch der Rheindamm zwischen Parkplatz Alter Hafen und der Nato-Straße darf von Fußgängern und Radfahrern nicht mehr genutzt werden.

Die Brücke über den Altrhein zum Naturschutzgebiet Biedensand wurde vorsorglich ebenfalls abgeriegelt, da am Montagabend mit einem Pegelstand von sechs Metern gerechnet wurde. off

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Das Video – wohl mit einer Handykamera aufgenommen – wurde am Sonntag und Montag unzählige Male in den sozialen Netzwerken geteilt und kommentiert. Vor allem das panische Verhalten der Schwarzkittel beschäftigt die Einwohner der Spargelstadt.

„An sich geraten Wildschweine nicht so schnell in Panik“, sagt Ralf Schepp, Leiter des Lampertheimer Forstamts und als solcher zuständig für das Wild im Naturschutzgebiet. Dass es auf dem Biedensand immer wieder Hochwasser gibt, sei für die Tiere schließlich nichts Ungewöhnliches. Normalerweise suche das Wild dann einfach trockene Bereiche auf – durchschwimme dazu, wenn nötig, auch das Wasser. Steige der Pegel weiter, blieben am Ende oft nur noch die Deiche als Rückzugsmöglichkeit, erläutert der Experte. Und wenn sich dort Menschen befänden, mache sich bei den Tieren ein Zustand der Angst breit.

Das sieht Michael Sehr von der Berufstierrettung Rhein-Neckar, der seit Freitag in der Region praktisch im Dauereinsatz ist, genauso. Der „Hochwasser-Tourismus“, wie Sehr die Ausflügler nennt, treibe die Tiere immer wieder ins Wasser zurück.

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Man hätte das Gebiet frühzeitig abriegeln sollen, betonen Schepp und Sehr unisono. Tatsächlich sei der Rheindamm zwischen Parkplatz Alter Hafen und Nato-Straße am Wochenende erst nach dem Vorfall mit den Wildschweinen gesperrt worden, räumt Stadtsprecher Christian Pfeiffer am Montag ein. Denn ausschlaggebend für solche Maßnahmen sei normalerweise der Pegelstand. Künftig solle aber „aufgrund der aktuellen Ereignisse bei Hochwasser rascher reagiert werden“.

Das bekräftigt auch Bürgermeister Gottfried Störmer und betont in einer Mitteilung: „Wir appellieren an alle Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste von außerhalb, die Absperrungen nicht zu ignorieren.“ Zum einen gehe es um den Schutz der Wildtiere. Diese sollten nicht von Spaziergängern gestört und dadurch möglicherweise aufgescheucht werden. Zum anderen sollten aber auch Fußgänger und Radfahrer vor fliehendem Wild geschützt werden.

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Indessen haben die Wildschweine das Gelände der Biedensand Bäder wieder verlassen, berichtet der frisch gebackene Bäderchef Marius Schmidt am Montag, seinem ersten Arbeitstag im neuen Amt. „Wir haben am Sonntag mit dem Jagdpächter gesprochen und der hat das Tor zur Nato-Straße aufgemacht“, erklärt Schmidt im Gespräch mit dieser Redaktion. Weitere Maßnahmen seien nicht nötig gewesen.

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Außer dem kaputten Zaun gebe es auf dem Freibadgelände keine weiteren Schäden. Nur ein paar Wühlspuren seien gefunden worden. Die Geschichte scheint gut ausgegangen, zeigt sich Marius Schmidt erleichtert, der sich nicht hätte träumen lassen, dass seine „ersten Gäste im Freibad Wildschweine sein könnten“. off/roi/ksm