Festspiele Heppenheim - Sonderveranstaltung mit Will Saldens Orchester im Amtshof / Von „Chattanooga Choo Choo“ über „Pennsylvania 6-5000“ bis zu„In the Mood“ Glenn-Miller-Sound reißt das Publikum mit

Von 
Gerlinde Scharf
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Das Glenn Miller Orchestra gastierte schon häufiger bei den Festspielen in Heppenheim – und auch diesmal wieder waren die 560 Zuhörer im Amtshof regelrecht aus dem Häuschen. © Zelinger

Bergstraße. „Vielleicht schon sechs Mal?“, antwortet ein Tourmitglied auf die Frage, wie oft das Glenn Miller Orchestra bei den Heppenheimer Festspielen schon zu Gast war. Egal ob fünf, sechs oder sieben Mal: Jedes Mal war die „Bude“ – sprich: Der historische Amtshof – proppenvoll und so gut wie ausverkauft.

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Die 16-köpfige Band, die im nächsten Jahr ihr 35-jähriges Bestehen feiert, und die wunderbare Sängerin Ellen Bliek werden tatsächlich bei jedem Auftritt für ihren original Glenn Miller-Sound gefeiert, der – obwohl er bekanntermaßen rund 80 Jahre auf dem Buckel hat – bis heute nichts von seiner Lebendigkeit und Faszination verloren hat. Authentisch und unverfälscht, mit großer Empathie und Professionalität, präsentiert das Ensemble, das mit seinem Dirigenten Will Salden durch ganz Europa und Teile Asiens reist, die mitreißenden Melodien des Meisters, der dem Swing die Türen der Welt aufgestoßen hat. Verschleißerscheinungen gibt es keine – weder was die typischen Arrangements und raffinierten Interpretationen des Perfektionisten und Hollywood-Lieblings aus Iowa anbelangt, noch was die Wiedergabe durch das Nachfolge-Orchester betrifft.

Ein Hauch von Nostalgie

Am Montag waren es 560 begeisterte Fans aus der gesamten Region, die während einer zweistündigen Bühnenshow noch einmal Lebensgefühl und Lebensstil der Musiklegende und des Orchesterleiters Glenn Miller und dessen charakteristischen Sound aus den dreißiger und vierziger Jahren in sich aufsaugten. Und ein Hauch von Nostalgie und Déjà-vu mag bei den älteren unter den Zuhörern sicher mit eine Rolle gespielt haben.

Atemlos, mit launiger Kurz-Moderation, ohne viel Tamtam und wie am laufenden Band reihte sich ein Megahit aus dem neusten Programm der Band mit dem Titel, „Jukebox Saturday Night“ (ein Miller-Arrangement aus dem Jahr 1939), an den nächsten. Dass der Funke vom großen Orchester auf die Besucher im Handumdrehen übersprang, war am Ende auch angesichts der schwülen Temperaturen unter dem Festspieldach kein Wunder.

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Als perfekter Eisbrecher funktionierte die „Moonlight Serenade“ – übrigens das einzige Stück, das Miller selbst geschrieben hat. Ansonsten infizierte er Werke weltberühmter Komponisten wie Cole Porter, George Gershwin, Count Basie, Duke Ellington und Urbie Green mit seinem unverwechselbaren Swing-Virus, der sich von anderen Musikstilen durch verschiedene Gruppen von Instrumenten unterscheidet: Es spielen vier Saxofone und eine führende Klarinette, dann Posaunen und Trompeten, Bass, Schlagzeug und Klavier. Exakt in dieser Formation tourt das Glenn Miller Orchestra mit Anheizer, Bandleiter, Entertainer, Moderator, Pianist, Sänger und Frontmann Will Salden um die Welt.

„What a wonderful world“

Sogar Klassikern hat Glenn Miller den Swing verpasst. Am Montagabend spielte das Orchester Tschaikowskys Piano Concerto – unmittelbar nachdem Ellen Bliek dem Auditorium mit dem Song „A Cabana In Havana“ mächtig eingeheizt hatte und gleich darauf mit „Stairway to The Stars“ und „Too Darn Hot“ (beides im Original gesungen von Jazz-Legende Ella Fitzgerald) brillierte. Später legte sie mit „The Rumba Jumps“ noch eine Schippe drauf. Nicht weniger überzeugten die ausgezeichneten Solisten am Saxofon, Schlagzeug, an Trompete und Posaune, die für weitere Höhepunkte des Abends sorgten.

Smoking und Einstecktuch

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Völlig zu Recht heimste auch die „Band in der Band“, das Chorquintett der „Moonlight Serenaders“ mit Sängerin Ellen Bliek und den Instrumentalisten Peter Peuker, Hansjörg Fink, Pascal Haverkate und Chef Will Salden unter anderem für die quirlig-muntere Performance von „Jukebox Saturday Night“ und „Little Brown Jug“ – einem amerikanischen Kinderlied, das Glenn Miller zu Weltruhm verhalf – Riesenbeifall ein. Mit dem Welthit „What a wonderful world“ erwies das Glenn Miller Orchestra der Jazz-Legende Louis Armstrong seine Reverenz.

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Schwarzer Smoking und Einstecktuch – derart stilkonform und einheitlich in Anlehnung an die große Swing-Ära ausgestattet – zeigte sich das Orchester auf der Festspielbühne. Eine klitzekleine Veränderung im zweiten Konzertteil bemerkten die aufmerksamen Besucher jedoch sehr wohl: Die Musiker hatten ihre schwarz-weiße Fliege gegen ein feuerrotes Exemplar ausgetauscht.

Nach dem Miller’schen Jazz- und Swing-Standard mit der weltweit wohl berühmtesten Telefonnummer „Pennsylvania 6-5000“ des gleichnamigen New Yorker Hotels und dem Song „Chattanooga Choo Choo“, der dem Big-Band-Gründer im Jahr 1942 die erste Goldene Schallplatte bescherte, marschierten die Musiker publikumswirksam durch die Zuhörerreihen und erfüllten einen weiteren, laut geäußerten Herzenswunsch der Besucher. Ja, das Glenn Miller Orchestra spielte zum Finale – mit Schweißperlen auf der Stirn – einen der bekanntesten Titel der Big Band und Swing Ära: das legendäre „In the Mood“.

Freie Autorin Seit vielen Jahren "im Geschäft", zunächst als Redakteurin beim "Darmstädter Echo", dann als freie Mitarbeiterin beim Bergsträßer Anzeiger und Südhessen Morgen. Spezialgebiet: Gerichtsreportagen; ansonsten alles was in einer Lokalredaktion anfällt: Vereine, kulturelle Veranstaltungen, Porträts. Mich interessieren Menschen und wie sie "ticken", woher sie kommen, was sie erreiche haben - oder auch nicht-, wohin sie wollen, ihre Vorlieben, Erfolge, Misserfolge, Wünschte etc.