Das geistliche Wort - Pastoralreferent Hans-Peter Kohl zum Leitwort von Misereor „Gib Frieden“ lenkt den Blick über den Tellerrand

Von 
Hans-Peter Kohl
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Vor wenigen Wochen schauten wir wie gebannt auf das Flüchtlingsdrama in Syrien. Täglich berichteten die Medien darüber. Nun hält uns eine beispiellose Pandemie in Atem und wir schauen mit Sorgen auf die rasante Ausbreitung des Virus. Die Menschen in Syrien tragen eine doppelte Last. Sie sind auf der Flucht vor Gewalt und Zerstörung und kämpfen ums nackte Überleben. Jetzt müssen sie auch noch mit der Angst vor einer Ausbreitung des Corona-Virus leben. Das katholische Hilfswerk Misereor erinnert in seiner Fastenaktion an die vielen Notleidenden in Syrien.

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Unter dem Leitwort: „Gib Frieden“ lenkt Misereor unseren Blick über den Tellerrand hinaus auf die prekäre Notlage der Menschen in Syrien. Schon acht Jahre dauert der Bürgerkrieg dort. 500000 Menschen verloren bereits ihr Leben. Auf der Suche nach Sicherheit befinden sich derzeit 5,5 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele traumatisierte Kinder und Jugendliche.

Die 42-jährige Anoud Raslan kann als Beispiel für viele gelten: Sie überlebte das Massaker in der syrischen Stadt Homs und floh mit ihren fünf Kindern in den Libanon. Dort suchten sie Zuflucht in Dabayeh Camp, am Stadtrand von Beirut. Um solche Schicksale kümmern sich die MitarbeiterInnen von Misereor. Sie nehmen sich der Kinder und Jugendlichen und deren Familien an, geben ihnen Unterricht, schaffen Vertrauen durch gezielte Unterstützung und helfen die Schreckensbilder des Krieges zu verarbeiten. Sie tragen durch ihren Einsatz dazu bei, dass die Menschen wieder Hoffnung fassen auf ein friedliches Miteinander. Wir können Misereor durch unser Gebet und unsere Spende dabei unterstützen, dass sie ihre Friedensarbeit weiter fortsetzen können.

In diesen turbulenten Zeiten ist Solidarität für Frieden geradezu ein Schlüsselwort. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, dass auch die Kranken und die älteren Menschen unter uns gut durch die Krise kommen. Hilfsbereitschaft unter Nachbarn, verschiedene soziale Netzwerke, Telefon- und Internetkontakte sind Wege unsere Solidarität zu zeigen. Es gibt so viele ermutigende Beispiele von Menschen, die engagiert helfen, oft selbstverständlich und im Hintergrund. Hier sei auch an die gedacht, die in diesen Tagen eine besondere Last tragen und mit großem Verantwortungsbewusstsein ihren Dienst tun. Ich denke an die Ärzte, die Krankenschwestern und die Pfleger, die Rettungskräfte, die Menschen an den Kassen der Supermärkte, an alle, die helfen, dass die Nahrungskette weiterhin funktioniert. Die vielen Namenlosen, denen das Schicksal, der Menschen nicht egal ist. Alle tragen zum Frieden bei. Diese Beispiele zeigen: In unserem Herzen ist genügend Platz für die hiesige Not genauso wie für die Not der Flüchtlinge in Syrien.

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Es hilft in dieser Zeit, auf den zu schauen, dessen ganzes Leben Solidarität für die Armen war. Er gab sein Leben für die Menschen, um ihnen Gottes Liebe zu zeigen. Das erste Wort nach seiner Auferstehung an Ostern an die Jünger und Jüngerinnen war: „Friede sei mit euch“ (Lukas, Kapitel: 24, Vers: 36) Ein Kirchenlied erinnert daran: „Friede gabst du schon, Frieden muss noch werden... Hilf, das wir ihn tun, wo wir ihn erspähen“! (Gotteslob 251,3)