Naturschutz - Am Samstag hat die erste Biodiversitätskonferenz des Kreises Bergstraße stattgefunden / Mehr als 150 Teilnehmer in Mörlenbach / Zweiter Termin soll folgen Gemeinsam für die biologische Vielfalt

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Wolfgang Arnold
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Als einer von 30 „Hotspots der biologischen Vielfalt“ in Deutschland will der Kreis Bergstraße auch in Zukunft möglichst vielen Arten eine Heimat bieten. © dpa

Mörlenbach. Der Kreis Bergstraße ist ein „Hotspot der biologischen Vielfalt“ – einer von 30 in ganz Deutschland. Diese Information des Nabu-Landesvorsitzenden Gerhard Eppler war sicher vielen der über 150 Menschen neu, die sich am Samstag im Mörlenbacher Bürgerhaus versammelt hatten. Und dies, obwohl zur ersten Biodiversitätskonferenz im Kreis Bergstraße Teilnehmer zusammengekommen waren, die sich in und mit Natur gut auskennen.

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„Das war schon fast ein Biodiversitätsgipfel“, resümierte der Veranstalter, Kreisumweltdezernent Karsten Krug. Ehren- und Hauptamtliche aus unterschiedlichen Bereichen waren vertreten und das oberste Ziel somit erreicht: Vernetzung. Statt der weitgehend isolierten Arbeit im Kleinen soll es eine gemeinsame Anstrengung für das große Ganze geben. „Wir brauchen keine Sonntagsreden, wir müssen Ziele festlegen und handfeste Konzepte erarbeiten“, so Krug.

Die Zeit drängt

Und die Zeit drängt: „Täglich gehen 150 Arten verloren“, sagte Eppler. Eine bloße Schätzung, denn bislang sind weltweit erst 1,8 Millionen Arten beschrieben, während Wissenschaftler davon ausgehen, dass tatsächlich bis zu zehnmal so viele existieren. Der Mensch kann das Ausmaß der Folgen seines Handelns also selbst kaum einschätzen.

Der Erhalt der Artenvielfalt ist existenziell, daran besteht kein Zweifel. Und daran – so ein Konsens der Konferenz – soll gemeinsam gearbeitet werden. Das Ziel des Tages: Herausfinden, „wer was und wo macht“, so Moderator Ralph Kadel – und wie man dieses Engagement verbinden und bündeln kann. Dabei stehen – wie überall – auch die Finanzen im Fokus. In diesem Zusammenhang mahnte Detlef Szymanski – beim Hessischen Umweltministerium verantwortlich für die Biodiversitätsstrategie – an, in die ökonomische Rechnung auch die sogenannte Ökosystemleistung einzupreisen.

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Die Wertschöpfung, welche die Natur dem Menschen bietet, wird im Billionen-Dollar-Bereich veranschlagt. Dagegen muten die Kosten für den Erhalt der biologischen Vielfalt wie „Peanuts“ an. Szymanski stellte die Homepage zur biologischen Vielfalt in Hessen vor, auf der das Ministerium eine detaillierte Übersicht bietet und über Fördermöglichkeiten informiert. Die sogenannte Hessen-Liste weist derzeit 258 Arten und 38 Lebensräume aus, für deren Schutz es finanzielle Unterstützung gibt.

Nach den einführenden Impulsen besetzten die Teilnehmer vier Arbeitsgruppen, die von Fachleuten moderiert wurden. Jeder sollte seine Sicht einbringen – bei bis zu 40 Personen pro Gruppe durchaus schwierig. „Es gab Anlaufschwierigkeiten. Spätestens nach der Mittagspause wurde es dann aber konstruktiv“, sagte “, Kreisdezernent Krug.

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Und obwohl die Konferenz in Mörlenbach eine erste Findungsphase darstellen sollte, kristallisierte sich bereits Konkretes heraus: „Die Gründung eines Landschaftspflegeverbandes im Kreis war in drei von vier Arbeitsgruppen Thema. Das zeigt, dass diese eine gewisse Priorität hat“, so Krug.

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Der Termin in Mörlenbach war ein Startschuss. Im zweiten Halbjahr soll eine Folgeveranstaltung stattfinden. Dann hoffe man auf eine stärkere Beteiligung der jüngeren Generation. „Die hat am Samstag gefehlt“, so Krug. Die Losung des ausgefüllten Tages gab Kreislandwirt Sebastian Glaser aus: „Es gibt immer mehr Lösungen als Probleme.“ Hoffentlich auch beim Erhalt der biologischen Vielfalt im Kreis Bergstraße.

Info: www.biologischevielfalt. hessen.de