Steinbruch Sonderbach - Die Klimaliste Hessen positioniert sich gegen die Pläne der Röhrig Granit GmbH / Bewegung will „Versiegelungs-Kreislauf“ stoppen

„Ein schwarzer Tag für den Waldbestand“

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Die Pläne zur Erweiterung des Steinbruchs Röhrig stoßen bei der Hessischen Klimaliste auf wenig Gegenliebe. © Thomas Neu

Bergstraße/Sonderbach. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat das Planfeststellungsverfahren für die Erweiterung des Steinbruchs Röhrig in Heppenheim-Sonderbach eröffnet (wir haben berichtet). Von einem „schwarzen Tag für den Waldbestand in Hessen“, spricht in diesem Zusammenhang die Klimaliste Hessen. „Für den Steinbruch sollen 6,4 Hektar Fläche wertvollen Buchenwalds gerodet werden“, schreibt sie in einer Pressemitteilung. Der Steinbruch am Naturdenkmal „Das kleine Felsenmeer“ in der Nähe der Juhöhe liefere den für Autobahnbauten notwendigen Granit-Splitt. Antragsteller ist die Röhrig Granit GmbH.

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Die Klimaliste Hessen ruft das Regierungspräsidium Darmstadt und die Regierungspräsidentin Lindscheid dazu auf, das Verfahren „ergebnisoffen und mit der gebotenen Betrachtung der damit verbundenen Waldzerstörung“ zu führen. „6,4 Hektar Wald sind ein Klimaschutz-Schatz, der nicht für klimaschädlichen Straßenbau und Flächenversiegelung zerstört werden darf“, wird Beate Balzert, Sprecherin der Klimaliste Hessen, in der Pressemitteilung zitiert.

Klimaliste

Die Klimaliste ist eine politische Graswurzelbewegung zur Durchsetzung konsequenter Klimaschutzmaßnahmen.

Sie nahm ihren Anfang 2019 in Erlangen, wo sie aus dem Stand zwei Sitze im dortigen Stadtrat errang. Mittlerweile gibt es Klimalisten in allen 16 Bundesländern.

Erklärtes Ziel ist die Umsetzung der klimapolitischen Wende vor Ort zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze. Dazu treten überparteiliche Klimalisten bundesweit zu Landtags- und Kommunalwahlen an.

In den Klimalisten findet man einen Zusammenschluss von Wissenschaftlern, Studenten, Eltern, Azubis, Angestellten, Unternehmern und anderen im Klimaschutz engagierten Bürgern.

„Gemeinsam wird so die Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze zur höchsten Priorität mit dem klaren Ziel, ein zukunftsfähiges klimaneutrales Deutschland zu bauen“, informiert die Klimaliste.

Mehr Infos unter: www.klimaliste.de/grundkonsens und www.klimaliste-hessen.de. red

„Der Buchenwald bindet verlässlich Tonnen von CO2 und ist ein intaktes Ökosystem. Wir brauchen ihn im Kampf gegen die Klimakatastrophe, um den Artenschwund abzubremsen und um die Grundwasserneubildung zu sichern“, ergänzt Oliver Kienberg, Diplom-Biologe und Vorstandsmitglied der Klimaliste Hessen.

Bis zum 18. Juni können Bürger gegen dieses Projekt Einwendungen verfassen und ihre persönliche Betroffenheit darstellen. Ein Steinbruch wie der der Firma Röhrig sei Teil des „Versiegelungs-Kreislaufs“, den es zu stoppen gelte. Die angebotenen 6,6 Hektar Wiederaufforstung an vielen verschiedenen Standorten täuschen laut Klimaliste den gleichwertigen Ersatz eines zusammenhängenden hochwertigen Ökosystems vor. Generell könne ein funktionierendes Wald-System nicht durch eine große Wiederaufforstungsfläche kompensiert werden. Aufgrund der anhaltenden Dürre seien Wiederaufforstungsprojekte in Hessen aktuell in ihrem Erfolg sehr kritisch zu beurteilen.

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„Wer sich die Wiederaufforstungsflächen im Zuge der Zerstörung des Dannenröder Forstes für den Bau der A 49 angesehen hat, weiß: Die dürren Bäumchen sind schon zumeist vertrocknet und werden einen funktionierenden Wald nicht ersetzen“, schreibt die Klimaliste. Sie sieht dieses Vorgehen als „erneute Bestätigung, dass die hessische Landesregierung, insbesondere Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), sich endlich gegen die Zerstörung der Naturräume in Hessen zugunsten von neuen Autobahnprojekten positionieren und diese stoppen muss“.

Die Erweiterung des Steinbruchs Röhrig bereite neuen Straßenbauprojekten den Boden. Die Instandhaltung bestehender Straßen müsse für die weitere verkehrspolitische Gestaltung in Hessen ausreichend sein. „Um der Klimakatastrophe etwas Wirksames entgegenzusetzen, müssen wir in allen Orten Hessens solche politischen Entscheidungen, wie diese zugunsten eines raubbauenden Steinbruchs, auf den Prüfstand stellen“, sagt Claudia von Eisenhart Rothe, Beisitzerin im Vorstand der Klimaliste Hessen.

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Info: Link zu den Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens: rp-darmstadt.hessen.de/19042021-röhriggranit-gmbh-heppenheim-erweiterung-des-steinbruchs

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