Baby-Misshandlung - Zeugin sagt aus / Hebamme: Keine Auffälligkeit „Der Situation absolut nicht gewachsen“

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jei/ü
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Bergstraße/Frankenthal. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Ja“, sagt die 24-jährige Zeugin ohne zu zögern auf die Frage von Staatsanwältin Esther Bechert, ob sie Nina R. zutraue, ihrem sieben Wochen alten Sohn schwere Verletzungen zugefügt zu haben. Bei der gleichen Frage zu R.s mitangeklagtem Ex-Freund Ismail I., der aus Bensheim stammt, überlegt die Frau einen Augenblick. „Jein“, sagt sie schließlich.

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Am zweiten Verhandlungstag in der Neuauflage des Prozesses gegen das Ex-Paar aus Ludwigshafen, das seinen Sohn schwer misshandelt haben soll, zeichnet die Bekannte der 26-jährigen Mutter das Bild von überforderten Eltern. „Sie waren der Sache absolut nicht gewachsen“, betont sie. So habe das Paar für viel Geld Urlaub gemacht, statt dem Kind eine Erstausstattung zu besorgen. „Bis einen Tag vor der Geburt hatte es noch keine Kleidung.“

Unhaltbare Zustände

Die Wohnung der Angeklagten sei sehr dreckig gewesen. Die Zeugin habe dort zwei Tage verbracht, um Wäsche zu waschen und aufzuräumen, während Eltern und Kind im Krankenhaus waren. „Überall lag dreckige Kleidung, die Meerschweinchen standen in ihrer Siffe und deren Köttel flogen durch die ganze Wohnung“, berichtete die 24-Jährige.

Als die Misshandlungsvorwürfe auf den Tisch gekommen seien, hätten die Eltern die Verletzungen des Babys an Kopf und Rippen mit einem Autounfall erklärt. Zu den Wunden im Rektalbereich habe Nina R. gesagt, dass sie das Fieberthermometer versehentlich zu tief eingeführt habe. „So etwas kann aber nicht von einem Thermometer kommen“, meint die Zeugin, die R. bei der Ausbildung zur Kinderpflegerin kennengelernt hat.

Völlig anderer Eindruck

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Nachdem R. die Lehre abgebrochen hatte, habe sie das einmal damit begründet, dass sie Angst habe, den Kindern zu nahe zu kommen, ihnen etwas Sexuelles anzutun. „Sie hat erzählt, dass sie mal eines der Kinder auf den Mund geküsst hat“, berichtet die Frau.

Einen völlig anderen Eindruck vermittelt die Hebamme, die die Familie vor und nach der Geburt des Babys betreut hat. Bei acht Hausbesuchen habe sie nichts Ungewöhnliches bemerkt. „Es gab keine Auffälligkeiten, dem Kind ging es gut“, sagt die 63-Jährige. Eine Situation der Überforderung habe sie nicht wahrgenommen, Nina R. sei immer sehr besorgt um ihr Kind gewesen.

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Bei der polizeilichen Vernehmung hatte die Zeugin ein Bauchgefühl geäußert und gesagt, dass sie Ismail I. die Misshandlungen zutrauen würde.

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Wie berichtet, wird dem Ex-Paar vorgeworfen, den Säugling im Oktober 2018 schwer misshandelt zu haben. Das Baby erlitt Verletzungen im Rektal- und Genitalbereich sowie Brüche an Schädel und Rippen. jei/ü