Denkmal für einen Politiker

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Dass man zu Ehren eines Politikers bundesweit Türme errichtet, ist heute schwer vorstellbar. Als Otto von Bismarck im Jahr 1890 als Reichskanzler entlassen wurde, setzte in Deutschland eine Verehrung für seine Person ein, die sich nach seinem Tod 1898 noch steigerte. Vielerorts wurden Türme oder Denkmäler ihm zu Ehren gebaut – so auch in Bensheim. Im Jahre 1902 wurde der nach Plänen von Heinrich Metzendorf erbaute Bismarckturm auf dem Hemsberg eingeweiht. Das Bergsträßer Anzeigenblatt berichtete, dass sich am 6. Juli 1902 ab 14 Uhr ein staatlicher Festzug mit Militärkapelle vom „Deutschen Haus“ in Richtung Hemsberg in Bewegung setzte. Es wurde damals stramm marschiert: Bereits nach einer halben Stunde erreichte die Festgesellschaft den 262,2 Meter hohen Hemsberg. Für die Bensheimer ist es seitdem schlicht der Hemsbergturm – die Bezeichnung Bismarckturm hört man selten. Das beliebte Ausflugsziel, das vom Odenwaldklub in Auftrag gegeben wurde, bewirtet seit 1971 die Familie Krastel. Seit dem Jahre 2019 wird der Turm nicht mehr vom OWK betreut, sondern vom extra hierfür gegründeten Hemsbergturm-Verein.

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Das historische Bild aus dem Jahr 1910 wurde uns vom städtischen Archiv zur Verfügung gestellt. Es zeigt den Turm auf dem damals unbewaldeten Hemsberggipfel. Dass die Perspektive des aktuellen Bildes durch die Verwendung eines extremen Weitwinkels nicht dem Original entspricht, ist dem Umstand geschuldet, dass der Turm heute mitten im Wald steht und unser Fotograf ihn aus gleicher Entfernung wie auf dem Bild aus dem Jahr 1910 nicht mehr fotografieren konnte. tn/BILD: Neu