Gesundheit - Nach den Feiertagen nehmen sich viele Menschen vor, Sport zu treiben / Ein Arzt erklärt, was man dabei beachten sollte Den Körper auch im Winter richtig auf Touren bringen

Von 
Sina Roth
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Joggen im Winter: Wer ein paar Dinge beachtet, kann auch bei niedrigen Temperaturen seinem Körper etwas Gutes tun. © Gollnow/dpa

Bergstraße. Der Bauch ist noch gut gefüllt vom deftigen Weihnachtsessen der vergangenen Tage, man wird träge und fühlt sich unwohl auf dem Sofa – umgeben von trockener Heizungsluft. Was gibt’s dann Besseres, als eine Runde in der Kälte zu joggen, um wieder aktiv zu werden und sich die kühle Brise um die Nase wehen zu lassen? Was gerade Menschen, die nicht so häufig in die Sportschuhe schlüpfen, dabei beachten sollten, erklärt Michael Lapp, Facharzt für Spotmedizin, Chirurgie und Unfallchirurgie, im Gespräch mit dieser Zeitung.

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„Grundsätzlich gilt das Laufen bei kühlen Temperaturen als deutlich schonender für den Körper als bei hochsommerlichen Temperaturen“, so der Bensheimer Mediziner. Dabei sei es jedoch ganz wichtig, auf angemessene Sportbekleidung zu achten. „Denn bei kühlen Temperaturen schwitzt der Körper nicht so sehr und muss sich bei Belastung weniger abkühlen.“

Die Haut werde im Gegensatz zur warmen oder heißen Jahreszeit weniger durchblutet und es stehe mehr Blut zur Versorgung von Muskeln zur Verfügung. „Das erklärt das Phänomen, dass Sportler sich bei kühlen Temperaturen leistungsfähiger fühlen“, berichtet der Sportmediziner.

Von der Illusion, nach den opulenten und oft auch anstrengenden Feiertagsessen mal schnell laufen zu gehen, um ein paar Kilo abzuspecken, sollte man sich am besten gleich verabschieden: „Trotzdem – ein Anfang ist immer gut. Aber man sollte dosiert beginnen, am besten morgens vor dem Frühstück oder am Nachmittag. In jedem Fall nicht unmittelbar nach einer Mahlzeit loslegen“, rät der Experte.

Wichtig ist die richtige Kleidung

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Bevor es in die Kälte geht, muss gerade im Winter die richtige Sportbekleidung her: eng anliegende Funktionswäsche, „damit der Schweiß nach außen transportiert wird und die Haut trocken bleibt“. Da viel Körperwärme auch über den Kopf verloren gehe, könne man ruhig auch eine Mütze oder ein Stirnband tragen, besonders bei Minusgraden.

„Lange Strümpfe oder Funktionsstrümpfe sind ebenfalls sinnvoll genauso wie gutes Schuhwerk mit griffiger Sohle und wasserfestem Obermaterial.“ Wenn es dann vor die Tür geht, sei es nicht schlimm, wenn man in der Sportkleidung am Anfang etwas fröstelt: „Nach ein paar Minuten, wenn man auf Touren gekommen ist, wird es angenehm warm.“

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Der Entschluss ist gefasst, dann kann’s losgehen – oder? Nicht ganz, sagt Lapp: „Gerade in der kalten Jahreszeit ist das Thema Aufwärmen besonders wichtig, um die Muskulatur und den Kreislauf auf Betriebstemperatur zu bringen. Also zunächst ausgiebig und langsam warmlaufen, um dann die Trainingseinheit zu starten.“ Wenn man zum Beispiel ein Fahrradergometer zu Hause hat, sei das auch eine gute Möglichkeit, um sich vorab schon mal aufzuwärmen. „Auch eine Runde schnelleres Gehen wärmt den Körper auf, bevor man mit dem Joggen loslegt“, so Lapp. Stretching empfiehlt der Arzt im Winter eher erst nach der Trainingseinheit.

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„Wichtig ist auch, dass man bei kalten Temperaturen eher kleine Schritte beim Laufen macht und auf Abdruck- und Landephase achtet“, so der Mediziner. Auf frischem und in tiefem Schnee sei das Laufen natürlich außerdem sicherer als auf rutschiger und glatter Fläche. Runden auf der Tartanbahn in einem Stadion sei jedoch die sicherste Variante. „Auch bei Kälte ist es übrigens wichtig, genug zu trinken. Zwar ist das Durstgefühl gering und man schwitzt weniger, aber die eingeatmete Luft muss stärker angefeuchtet werden, um sie auf Körpertemperatur zu bringen“, erklärt Lapp.

Aber sollte man auch Joggen gehen, wenn beispielsweise die Nase tropft und der Hals wehtut? „Was das Laufen bei einer Erkältung angeht, sollte man auf seinen Körper hören. Moderates Laufen bei leichtem Schnupfen sollte kein Problem sein. Fühlt man sich aber schlapp oder hat sogar Fieber oder eine aktive Grippe, dann ist das Training natürlich tabu“, so Lapp.

Auf Ruhepausen achten

Auch wer lieber drinnen sportlich aktiv wird, müsse aufpassen, wenn es danach wieder raus in die Kälte geht: „Wenn man Sport in einer Halle oder im Fitnessstudio macht oder vom Schwimmen im Hallenbad den Heimweg antritt, dann gelten letztendlich die gleichen Voraussetzungen. Außerdem sollte man sich eine ausreichende Ruhephase nach dem Training gönnen und auf gute, warme Kleidung achten, damit der Körper nach sportlicher Belastung nicht ungeschützt den kalten Umgebungstemperaturen ausgesetzt wird.“