Gesundheit - Die Familie der betroffenen 42 Jahre alten Frau aus Lampertheim steht unter häuslicher Quarantäne / Kliniken und Rettungsdienste sehen sich gut vorbereitet / Landrat warnt vor Hysterie Coronavirus: Warnung vor „unnötiger Panik“ nach dem ersten Fall im Kreis Bergstraße

Von 
Dirk Rosenberger
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Im Kreis Bergstraße gibt es einen ersten Coronavirus-Fall. Derweil finden sich an den Eingängen von immer mehr Arztpraxen in der Region Hinweise für die Patienten – wie beispielsweise in unserer Bildmontage an der Gemeinschaftspraxis Rogalli, Weber, Geiger im Ärztehaus Livus am Berliner Ring in Bensheim. © Dietmar Funck

Bergstrasse. Die Meldung am Sonntagabend kam nicht überraschend. Auch im Kreis Bergstraße hat sich eine Person mit dem Coronavirus infiziert. Seitdem sich der Erreger in Deutschland ausbreitet, war es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis in der Region ein erster Fall bestätigt werden würde.

Fragen und Antworten zum Coronavirus

Das Kreisgesundheitsamt informiert über das Coronavirus. Fragen und Antworten:

Welche Symptome verursacht das Corona-Virus?

Wie andere Erreger von Atemwegserkrankungen kann eine Infektion zu Krankheitszeichen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen. Einige Betroffene leiden auch an Durchfall. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätz die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung durch das Virus als gering bis mäßig ein. Das RKI geht aktuell davon aus, dass es beim Coronavirus deutlich weniger schwere Fälle und Todesfälle zu geben scheint als bei anderen Erkrankungen aus der Gruppe der Coronaviren. Die Inkubationszeit (die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome) kann nach heutigem Wissen bis zu 14 Tage dauern.

Wie kann ich mich vor einer Infektion schützen?

Wie bei Influenza und anderen Atemwegserkrankungen schützen das Einhalten der Husten- und Nies-Etikette, eine gute Händehygiene, sowie Abstand zu Erkrankten (etwa ein bis zwei Meter) auch vor einer Übertragung des neuartigen Coronavirus. Diese Maßnahmen sind auch in Anbetracht der Grippewelle überall und jederzeit angeraten.

Kann man mit einem ein Mundschutz die Ansteckungsgefahr verringern?

Es gibt keine hinreichenden Belege dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, verringert. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen. Das kann dazu führen, dass zentrale Hygienemaßnamen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden. red

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Bei der 42 Jahre alten Frau aus Lampertheim sind nach Angaben der Kreisverwaltung leichte Krankheitssymptome aufgetreten (wir haben online berichtet). Sie sei zur Fastnacht in Heinsberg in Nordrhein-Westfalen gewesen und befindet sich derzeit einschließlich ihrer Familie, mit der sie in den vergangenen Tagen engen Kontakt hatte, in häuslicher Quarantäne. Das bestätigte Sprecher Johannes Bunsch am Montagmittag erneut.

Familie in häuslicher Quarantäne

Bei der Familie findet nach Angaben des Kreises eine engmaschige Betreuung durch das Gesundheitsamt statt. Die Betroffenen hätten seit ihrer Rückkehr aus Heinsberg zu keinen anderen Personen im Landkreis Kontakt gehabt. Im Kreis Heinsberg haben sich nach aktuellem Stand mehr als 70 Personen mit dem Erreger angesteckt – wohl bei einer Karnevalssitzung Mitte Februar in Gangelt. Dort hatte ein 47 Jahre alter Mann Fastnacht gefeiert. Er gilt als Erstinfizierter in Nordrhein-Westfalen, gesichert ist diese Information aber nicht. Er und seine Frau werden in der Uniklinik Düsseldorf behandelt.

Entscheidender als die Nachricht selbst ist aber der Umgang damit. Panikmache oder ein apokalyptisch anmutendes Einkaufsverhalten sind ebenso fehl am Platz wie ein bewusstes Herunterspielen des Erregers, der momentan zumindest weniger Menschen außer Gefecht gesetzt hat als die jährliche Grippewelle. Allerdings gibt es auch hier Menschen mit Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem, deren berechtigte Sorgen man ernstnehmen muss.

„Ruhe bewahren“

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Wer jedoch zu Wochenbeginn routinemäßig auf Einkaufstour in den Discountern und Lebensmittelmärkten war, konnte durchaus den Eindruck gewinnen, dass Bergstraße und Odenwald in den nächsten vier Wochen von der Außenwelt abgeschnitten sein werden.

„Ich rufe alle Menschen im Kreis Bergstraße auf, Ruhe zu bewahren“, sagte Landrat Christian Engelhardt gestern. Er forderte die Menschen auf, die bekannten Hygienemaßnahmen zu beachten und warnte „vor Hysterie und unnötiger Panik“.

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Das Gesundheitsamt sei auf den Ausbruch des Coronavirus vorbereitet. „Im Gesundheitsamt arbeiten entsprechende Fachleute, die alle derzeit gemeldeten begründeten Verdachtsfälle steuern“, erklärte Gesundheitsdezernentin Diana Stolz. So übernehme das Gesundheitsamt, sobald bei einem Patienten der „leichteste Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts gemeldet wird“, sofort die Steuerungs- und Beratungsfunktion und stelle sicher, dass alle beteiligten Akteure darüber informiert sind.

Hotline für die Ärzte

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Die Diagnostik erfolge in der Regel über die niedergelassenen Ärzte, nach zwingend erforderlicher telefonischer Vorabklärung. Eine möglicherweise erforderliche Quarantäne spreche das Gesundheitsamt aus, bis sichergestellt ist, dass von einer möglichen Weiterübertragung des Coronavirus nicht mehr ausgegangen werden muss. Für Ärzte habe das Gesundheitsamt zudem eine eigene Hotline zur Verfügung gestellt.

Das Kreiskrankenhaus Bergstraße sieht sich ebenfalls gut vorbereitet, um im Bedarfsfall abgestimmt zu handeln. „Unser Personal ist geschult und weiß mit solchen Patienten umzugehen“, so Geschäftsführer Daniel Frische. Es gebe für solche Situationen entsprechende Einsatzpläne, die greifen und umgesetzt würden.

Vorbereitungen sind getroffen

Dennoch appelliert Frische an die Bevölkerung, nicht sofort bei den ersten grippeähnlichen Anzeichen die Notaufnahme des Krankenhauses aufzusuchen, sondern sich zunächst an die genannten Hotlines zu wenden. Der Fokus des Krankenhauses liege auf der Behandlung von Patienten, die einer stationären Versorgung im Krankenhaus bedürfen.

Der Rettungsdienst im Kreis Bergstraße hat sich für Notfalleinsätze und Krankentransporte, bei denen der Kontakt zu einem potenziellen Verdachtsfall bestehen kann, ebenfalls gerüstet: Vorgehensweise, Fahrzeugdesinfektion und persönliche Schutzmaßnahmen der Rettungsteams sind festgelegt und entsprechen den fachlichen medizinischen Vorgaben.

Das Heilig-Geist-Hospital in Bensheim bestätigte am Montagvormittag, dass es im Krankenhaus aktuell keinen Coronavirus-Fall gebe.

Im Bensheimer Rathaus wurde in der Verwaltung ein Stab gebildet, der sich mehrfach in der Woche unter der Leitung von Bürgermeister Rolf Richter trifft und die weitere Vorgehensweise bespricht.

Redaktion