Viruspandemie - Mit dem Lockdown vor zwei Monaten begannen die gravierenden Einschnitte auch für die Bürger im Kreis Bergstraße / Eine zwischenzeitliche Chronik Corona in der Region: Was bisher geschah

Von 
Stefan Jünger
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Unter großem Medienauflauf kehrten Anfang März Skifahrer der Rimbacher Martin-Luther-Schule aus Südtirol zurück und wurden von Mitarbeitern des Kreisgesundheitsamtes direkt in die häusliche Quarantäne geschickt. © Kopetzky

Bergstraße. Vor zwei Monaten begann der von Bund und Landesregierungen aufgrund der exponentiellen Ausbreitung des Coronavirus beschlossene „Lockdown“. Seitdem hat sich das Leben in allen Bereichen gravierend verändert – ungeachtet der jüngsten Lockerungsmaßnahmen.

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Auch für die Menschen im Kreis Bergstraße bedeutet die Pandemie trotz der eher geringen Infektionszahlen weitreichende Einschnitte in den inzwischen so vermissten Alltag. In einer Chronik blicken wir auf die Entwicklung der Corona-Krise in der Region zurück – ohne Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen.

27. Februar: Auch wenn es noch keinen Infektionsfall im Kreis Bergstraße gibt, rückt das Thema immer mehr in den Vordergrund. In den Supermärkten kommt es erstmals zu Hamsterkäufen, vor allem Toilettenpapier, Seife, Mehl und Hefe sind begehrt. Das Landratsamt in Heppenheim bereitet sich durch Umstrukturierungen in der Verwaltung und eine personelle Aufrüstung des Gesundheitsamts auf das Coronavirus vor. Der Kreis schaltet auf seiner Homepage eine Informationsseite frei.

1. März: Der erste Coronavirus-Fall im Kreis Bergstraße: Eine 42-jährige Frau aus Lampertheim hat sich die Infektion bei der Fastnacht in Heinsberg geholt.

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2. März: Auch das Kreiskrankenhaus in Heppenheim rüstet sich für die ersten Patienten. Die Kapazitäten bei den Intensivbetten und bei den Beatmungsgeräten werden ausgebaut.

6. März: Großer Medienrummel an der Martin-Luther-Schule in Rimbach: Die Skifahrer kommen aus Südtirol zurück, werden von Vertretern des Gesundheitsamts empfangen und alle sofort in zweiwöchige häusliche Quarantäne geschickt. Jetzt ist das Thema Coronavirus auch im Odenwald richtig angekommen.

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8. März: Das Landratsamt gibt bekannt, dass die Kassenärztliche Vereinigung Hessen im Kreis Bergstraße ein Testcenter, eine sogenannte Verdachtsambulanz, einrichtet. Damit können das Gesundheitsamt und die niedergelassenen Ärzte entlastet werden.

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13. März: Die ersten Corona-Fälle im Odenwald. Betroffen sind Bürger aus den Gemeinden Abtsteinach und Wald-Michelbach.

14. März: Zur besseren Absprache und Organisation richten die Kreisspitze und die Bürgermeister des Kreises eine tägliche Besprechungsrunde ein. Aufgrund der Corona-Krise fällt der Bergsträßer Kreisfußballtag in Zotzenbach aus.

16. März: Lockdown: Auch im Kreis Bergstraße kommt das öffentliche Leben fast vollständig zum Stillstand. Gaststätten und Einzelhandelsgeschäfte schließen, Veranstaltungen jeglicher Art werden abgesagt, Kommunalpolitik läuft nur noch über das Umlaufverfahren, in Krankenhäusern und Pflegeheimen gelten Besuchsverbote. Schulen und Kindergärten machen dicht und es beginnt das Abenteuer „Homeschooling“ – eine Herausforderung für Schüler und Eltern. Schwer getroffen wird auch die Reisebranche, deren Markt zusammenbricht.

19. März: In den Gymnasien beginnen die schriftlichen Abiturprüfungen – begleitet von intensiven Hygienemaßnahmen und unter Einhaltung der Abstandsregel. Landrat Engelhardt und die 22 Bürgermeister des Kreises rufen die Bevölkerung dazu auf, die Vorgaben zur Eindämmung der Pandemie auch weiter konsequent einzuhalten.

20. März: Das Landratsamt meldet 21 Neuinfektionen – die bisher höchste Steigerung an einem Tag.

23. März: Die niedergelassenen Ärzte sowie Pflegeeinrichtungen schlagen Alarm aufgrund des dramatischen Mangels an Schutzmaterial und Desinfektionsmittel. Gleichzeitig gibt es eine Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. Vereine, Kirchen und Nachbarschaftsgruppen bieten Einkaufshilfen an, Privatinitiativen nähen Alltagsmasken, Webseiten für Hilfeleistungen oder Firmenlieferservice werden online gestellt. Einige Firmen stellen ihre Produktion auf Desinfektionsmittel und Alltagsmasken um.

29. März: Im Kreis Bergstraße gibt es den ersten Todesfall aufgrund einer Covid-19-Erkrankung. Es handelt sich um eine 66-jährige Frau aus Hofheim. Besonders tragisch ist, dass eine Woche später ihr Ehemann, der bekannte Fußballtrainer und Funktionär Herbert Kern, an einem Herzinfarkt stirbt.

30. März: Der Öffentliche Personennahverkehr im Kreis wird aufgrund der Krise auf den Ferienfahrplan umgestellt, um zumindest dieses Angebot aufrechtzuerhalten.

6. April: Das Soforthilfeprogramm von Bund und Land läuft an. Auch in der Region landet bei den ersten Firmen der staatliche Zuschuss auf dem Konto. Aber auch im Kreis Bergstraße wächst die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit anmelden.

9. April: Die Maßnahmen zur Einschränkung der Pandemie greifen: Die Zahlen der Neuinfektionen bewegen sich im Kreis Bergstraße nur noch im einstelligen Bereich, dagegen steigt die Anzahl der Genesenen. Die Zahl der aktuell Infizierten sinkt nun kontinuierlich.

17. April: Der zweite Corona-Todesfall im Kreis Bergstraße. Betroffen ist ein 67-jähriger Mann aus Lorsch.

19. April: Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie gibt es im Landkreis keine Neuinfektion innerhalb eines Tages.

20. April: Auch in Hessen gibt es die ersten Lockerungen. Einzelhandelsgeschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern dürfen wieder öffnen.

27. April: Im Kreis Bergstraße öffnen die weiterführenden Schulen wieder für die Abschlussklassen – unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln. Beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen gilt die Maskenpflicht.

4. Mai: Dank weiterer Lockerungen der Corona-Maßnahmen dürfen jetzt auch wieder Friseure und weitere Branchen ihre Geschäfte öffnen. Die Kinder jubeln, denn sie können endlich wieder auf die Spielplätze.

5. Mai: Die Zahl der aktuell mit dem Coronavirus infizierten Personen pendelt sich zwischen 40 und 50 und damit auf einem niedrigen Niveau ein. Damit liegt der Kreis Bergstraße auch deutlich unter dem von der Politik festgelegten Grenzwert von 50 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen bezogen auf 100 000 Einwohner. Der Erlenbacher Bergtierpark öffnet wieder.

6. Mai: In Hessen werden umfangreiche Lockerungen beschlossen, deren Umsetzung jedoch mit strengen Auflagen verbunden ist. Der Landrat und die Bürgermeister appellieren, bei der Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus nicht nachlässig zu werden.

7. Mai: Der dritte und bislang letzte Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus im Kreis Bergstraße. Eine Frau aus Bürstadt stirbt in stationärer Behandlung in einem Krankenhaus.

15. Mai: Die nächste Stufe der Lockerungsmaßnahmen greift. Gastronomie, Fitnessstudios und touristische Betriebe wie Campingplätze dürfen wieder öffnen – Voraussetzung dafür sind detaillierte Hygienepläne und die Einhaltung der Abstandsregel.