Landratswahl - BA-Redakteur Michael Ränker traf den Amtsinhaber, der am 14. März wiedergewählt werden will, mit seiner Familie zu einer Wanderung Christian Engelhardt ist nicht immer der Anführer

Von
Michael Ränker
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Das Wandern ist bekanntermaßen „des Müllers Lust“, aber auch der Bergsträßer Landrat Christian Engelhardt und seine Familie erkunden die Region am Wochenende gerne zu Fuß. Unsere Redaktion hat die Engelhardts bei einer Tour begleitet – unser Bild zeigt Papa Christian mit den Töchtern Sophie-Charlotte und Hannah-Marie sowie Ehefrau Daniela bei einer Wanderung, die am Fastnachtssonntag unter anderem auch zum Blauen Türmchen führte. © Dietmar Funck

Bergstraße. „Seien Sie froh, dass nicht ich es bin, die für die Landratsposition kandidiert“, witzelt Daniela Engelhardt, „denn sonst müssten Sie jetzt mit mir ins Segelflugzeug steigen.“ Ob sie tatsächlich weiß, dass ich an einer panischen Höhenangst leide? Egal wie: Statt mit der begeisterten Hobby-Pilotin in luftige Höhen abzuheben, darf ich auf dem Boden bleiben – und zwar mit der kompletten Engelhardt’schen Sippe: Neben Mama Daniela sind das die beiden Töchter Hannah-Marie (9) und Sophie-Charlotte (13) sowie Papa Christian, amtierender Landrat des Kreises Bergstraße – und glücklicherweise kein Anhänger von Extremsportarten.

12 Kilometer, dreieinhalb Stunden

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Ich bin mit dem Familien-Quartett zum Wandern verabredet, um Christian Engelhardt als Landratskandidaten bei einer Freizeitbeschäftigung zu begleiten – und er schlägt eine Route durch einen Teil des BA-Verbreitungsgebiets vor: Blaues Türmchen, Schönberger Kreuz, Hermann-Schäfer-Eiche und Kirchberghäuschen sind markante Etappenziele der rund zwölf Kilometer langen Strecke auf den Höhen von Bensheim, Zell, Gronau und Schönberg, für die laut Routenplaner etwa dreieinhalb Stunden veranschlagt werden. Wir haben als Treffpunkt den Bensheimer Bahnhof verabredet und halten uns nach der Begrüßung per Corona-Faust nicht mit langen Vorreden auf: Los geht’s!

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Die Engelhardts sind erfahrene Wandersleut’, keine Schönwetter-Spaziergänger nur bei strömendem Regen wären wir nicht losmarschiert, das war die Verabredung. Aber wir können wirklich nicht meckern: Es ist zwar knackig kalt, aber der Himmel ist klar, die Sonne strahlt und die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt bei null Prozent. Und wo wir gerade bei Wahrscheinlichkeiten und Prozenten sind:

Erfreuliche Begegnungen

Unsere Kleingruppe ist gerade erst gestartet und noch in der bebauten Gemarkung unterwegs, da bremst ein Autofahrer seinen Wagen ab, lässt die Seitenscheibe nach unten surren und bittet den Amtsinhaber und gleichzeitigen Bewerber um eine (Selbst-)Einschätzung: „Und, wie geht’s am 14. März aus?“ „Ich tue alles, um die Wahl für mich zu entscheiden“, entgegnet Engelhardt – und darf sich freuen: „Bei mir müssen Sie keinen Hausbesuch machen, meine Stimme haben Sie schon per Briefwahl erhalten“, schmunzelt der Autofahrer, schließt die Scheibe und fährt seiner Wege.

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Es soll an diesem Nachmittag nicht die einzige erfreuliche Begegnung bleiben, die Christian Engelhardt widerfährt: Bei diesem Wetter nutzen viele Menschen den (ausgefallenen) Fastnachtssonntag, der in diesem Jahr auch Valentinstag ist, zu einem ausgedehnten Spaziergang – und Menschen aller Altersgruppen bekunden dem Politiker im Vorbeigehen ihre Zustimmung. Aus einer Schar jüngerer Wanderer wird ihm sogar ausdrücklich gedankt „für das, was Sie für uns tun – das wollte ich Ihnen schon lange mal sagen“.

Die kurzen Begegnungen mit Bürgern am Wegesrand und Christian Engelhardts große Leidenschaft fürs Fotografieren – nicht mit dem Smartphone, sondern mit einer semiprofessionellen Kompaktkamera – sorgen dafür, dass sich unser kleiner Tross immer wieder einmal etwas auseinanderzieht. Das bietet Gelegenheit, um mit Daniela Engelhardt ins Gespräch zu kommen:

Gemeinsames Interesse an Politik

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Die 44-Jährige ist nicht „die starke Frau“, die einem antiquierten Spruch zufolge „hinter einem erfolgreichen Mann“ steht, sondern sie ist selbst berufstätig. Als Juristin beim Hessischen Landtag leitet sie dort den Bereich „Petitionen“ und macht auch kommunalpolitisch ihr eigenes Ding:

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Für die CDU Heppenheim tritt sie am 14. März zur Wahl der Stadtverordnetenversammlung an, überdies ist sie die Vorsitzende der Frauen-Union in der Kreisstadt.

Kennengelernt haben sich Daniela und Christian Engelhardt übrigens bei der Jungen Union – und das gemeinsame Interesse an Politik ist aus Sicht von Christian Engelhardt auch eine der Voraussetzungen, weshalb sein Beruf überhaupt mit dem Familienleben vereinbar sei: „Wir haben ein gutes, gemeinsames Verständnis für das große Engagement, das der Beruf des Landrats erfordert.“ Von Anfang an habe seine berufliche Laufbahn die Familie gefordert: Als Anwalt, als Bürgermeister, als geschäftsführender Direktor des Landkreistags – „immer habe ich den Fokus auf meine Aufgaben gesetzt und ich bin insbesondere meiner Frau dankbar für die Bereitschaft, das alles möglich zu machen.“

Auch Daniela Engelhardt liebt ihren Beruf – und beide Ehepartner bekommen als Familie beides unter einen Hut. Weil sie schon in aller Herrgottsfrühe – um 5:30 Uhr – nach Wiesbaden aufbricht, um dann nachmittags wieder rechtzeitig zuhause in Heppenheim zu sein, ist Ehemann Christian am frühen Morgen in erster Linie Papa und nicht Landrat. Die Töchter wecken, Frühstück zubereiten, sie rechtzeitig zur Schule zu schicken, darin unterscheidet den Berufspolitiker rein gar nichts von anderen Vätern – und warum auch?! Gegen 8 Uhr sind die Töchter in der Schule und für Engelhardt beginnt der Arbeitstag im Landratsamt.

Was indessen die Verpflegung angeht, die Papa Engelhardt seinen Töchtern serviert, da ist offensichtlich noch Luft nach oben, wie Teenager Sophie ohne Umschweife ausplaudert: „Es gibt meistens etwas vom Lieferdienst!“ Mittlerweile hat Christian Engelhardt wieder zu unserer Wandergruppe aufgeschlossen – gerade noch rechtzeitig, um die Kritik an seinen Kochkünsten hören und zu ergänzen: „Eigentlich koche ich gerne, auch zusammen mit den Kindern. Am liebsten regional und frisch. Lieferdienst gibt’s derzeit, weil’s oft zeitlich knapp ist und die Restaurants geschlossen sind!“

Zeit ist im Leben des Landrats ein äußerst rares Gut, eigentlich hat er immer zu wenig davon – noch dazu in der Corona-Krise: Die Arbeitstage enden seit Monaten weit nach Mitternacht, werktags wie am Wochenende. Freizeitbeschäftigungen auszuüben, die eine gewisse Regelmäßigkeit erfordern, das war aber schon vor der Pandemie schwierig: „Ich bin auch einer von denen, die zwar Mitglied in einem Fitnessstudio sind, aber selten hingehen.“ Manchmal joggt er oder skated auf Inlinern, ab und zu schwingt er sich auf einen Hometrainer, der im Keller des Hauses in der Heppenheimer Nordstadt steht. Dass er sich trotz enormer beruflicher Belastung und wenig Ausgleich doch „recht fit“ fühlt, das habe er seiner „robusten Konstitution“ zu verdanken.

Weniger der Fitness wegen, sondern vor allem als bekennender Familienmensch sind ihm die Wanderausflüge mit seiner Familie wichtig, für die er sich – so es irgend geht – an den Wochenenden Zeit freischaufelt. Während normalerweise die Wochenenden des Landrats mit Terminen und Veranstaltungen angefüllt sind, ist dies während der Pandemie anders:

Die Engelhardts haben sich verschiedene Abschnitte des Nibelungen- und des Burgensteigs erwandert. Die beiden Strecken könne man sich eben in geeignete Portionen aufteilen, und die Ein- und Ausstiege seien bei Bedarf auch mit dem Öffentlichen Personennahverkehr zu erreichen.

Luginsland und Liedersingen

Unser gemeinsamer Weg heute hat uns mittlerweile zum Blauen Türmchen geführt, wo Papa Christian seiner Tochter Sophie nicht nur den Begriff „Luginsland“ erklärt, sondern wo wir bei klarer Sicht auch tatsächlich „ins Land lugen“, nämlich über die Rheinebene bis zum Pfälzer Wald schauen können. Währenddessen hat die neunjährige Hannah auf der quietschenden Schaukel des Spielplatzes Spaß.

Um eine Rast einzulegen und ein Spiel zu spielen, das bei den Wanderungen der Engelhardts mittlerweile ein beliebtes Ritual ist, dazu ist es am Blauen Türmchen dann aber doch zu belebt – wir suchen uns abseits des Weges Tisch und Bank und dann wird gesungen und geraten. Ich halte mich stimmlich zurück, lasse mich auf einen heißen Früchtetee aus einem Kinderbecher einladen – und genieße es derweil, dass Christian Engelhardt den „Dschungelbuch“-Klassiker „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ fast wie Balu der Bär brummt und seine Töchter den Titel auch wirklich erkennen. „Disney-Lieder-Erraten“, so heißt das Spiel, bei dem die Engelhardts nicht nur bei dieser Wanderung viel Spaß haben.

Der Vater trägt’s mit Humor

Und auch wenn die Thermoskannen, Sitzkissen, Becher und die restlichen Müsli-Riegel längst wieder im Rucksack verschwunden und wir wieder zurück auf der Strecke sind: Das musikalische Intermezzo dauert an. Wobei sich seine beiden Töchter einig sind:

Der Papa stammt zwar aus einer höchst musikalischen Familie, in der Musiklehrerinnen, Opernsänger und Stimmbildner zur Verwandtschaft gehören, doch er sei der einzige, der nicht singen kann – Christian Engelhardt trägt’s mit Humor. Ganz so unmusikalisch und ohne Rhythmusgefühl kann er auch nicht sein: In jungen Jahren hat er im Chor gesungen und auch leidenschaftlich getanzt.

Jetzt machen wir uns oberhalb von Schönberg an den Abstieg hinunter in den Ort. Unser Plan ist es, auf der anderen Seite der Bundesstraße wieder aufzusteigen und das Kirchberghäuschen als letztes Etappenziel zu passieren, doch einem aus der Gruppe fällt das Weiterlaufen schwer – nein, dieses Mal bin ausnahmsweise nicht ich es, der schwächelt, sondern wir nehmen Rücksicht auf Hannah:

Eine ganz normale Familie

Die Neunjährige hat sich den Fuß verstaucht und bislang äußerst tapfer ausgehalten, aber jetzt kürzen wir doch ab. Papa Christian und Schwester Sophie schließen sich eher zähneknirschend an, das Duo wollte auch noch den Kirchberg erklimmen, doch Mama Daniela wirft sich sozusagen schützend vor das Nesthäkchen und macht eine klare Ansage. Und der wird Folge geleistet. Ich fühle mich ein wenig ertappt, weil mir das als Ehemann und Vater von vier Kindern sehr bekannt vorkommt… Und warum auch nicht – die Engelhardts sind halt eine ganz normale Familie.

Redaktion