Urteil - Vor dem Amtsgericht Bensheim musste sich ein Mann verantworten, der mehrere Menschen im Vollrausch angegangen war Bewährungsstrafe für Angriff auf Sanitäter

Von 
Gerlinde Scharf
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Bergstraße. „Ich habe laut geschrien und mir wurde schwarz vor Augen.“ Ein Notfallsanitäter berichtete vor dem Amtsgericht Bensheim, wie es ihm nach der Attacke eines Volltrunkenen ergangen ist: „Ich habe kurz Sternchen gesehen. Es war ein stechender Schmerz.“

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Dreieinhalb Jahre ist es her, dass der Rettungswagen mit dem Notfallsanitäter zu einer Unterführung in Heppenheim gerufen wurde, an der ein Mann auf dem Boden lag, der zunächst nicht ansprechbar schien.

Als der Geschädigte Erste Hilfe leisten wollte, reagierte der Unbekannte plötzlich, packte seinen Helfer an den Handgelenken und bog ihm mit Gewalt beide Hände nach hinten. Fazit: Noch am gleichen Abend bekam der Helfer im Krankenhaus einen Gips.

Verbale Angriffe habe er zwar schon öfter erdulden müssen, antwortete der Sanitäter auf Fragen des Gerichts, „aber dies war die erste körperliche Attacke. Dabei sind wir doch die Guten und versuchen nur zu helfen.“

Im Vollrausch

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Strafrichter Gerhard Schäfer verurteilte den Täter, der aufgrund seines vorausgegangenen Alkoholkonsums keine Erinnerung mehr an den Vorfall hatte, wegen Vollrauschs, tätlicher Angriffe auf eine Person des Rettungsdienstes und einen Polizeibeamten sowie versuchter Körperverletzung im Zustand verminderter Schuldfähigkeit und Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten. Außerdem darf er sich für die nächsten eineinhalb Jahre nicht ans Steuer eines Fahrzeugs setzen.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von neun Monaten beantragt, Verteidiger Felix Tempel für eine milde Bestrafung seines Mandanten plädiert. Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte zeigte sich zu einer ambulanten Therapie bereit, um sein massives Alkoholproblem in den Griff zu bekommen.

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An jenem Abend, so die Aussage des polnischen Staatsbürgers, habe er nach der Arbeit mit einigen Kollegen Wodka und Bier getrunken und sei dann vermutlich eingeschlafen. Erst am nächsten Tag sei er im Krankenhaus wieder zu sich gekommen: „Es ging mir schlecht. Ich hatte einen Kater.“

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Am 25. Mai 2018 gegen 23 Uhr machte der 32-jährige Bauarbeiter vor dem Rewe-Markt in Lorsch Bekanntschaft mit der Polizei. Der Angeklagte und zwei Kumpels hielten dort ein Saufgelage ab, pöbelten gegen Kunden und weigerten sich trotz mehrmaliger Aufforderung durch den Sicherheitsdienst, das Gelände zu verlassen. Beim Eintreffen der Beamten leistete der Angeklagte erheblichen Widerstand, versuchte sich mit Tritten und Schläge zu wehren, wurde ausfällig und beleidigend. Nach einem Gerangel und dem Einsatz von Pfefferspray gelang schließlich die vorläufige Festnahme des stark alkoholisierten Randalierers. Endstation Zelle.

Vor Ort in Lorsch waren in jener Nacht zwei Polizeistreifen und ein Rettungswagen. „Sie haben mir einen schwarzen Sack über den Kopf gezogen“, schilderte der Täter das Ende des Einsatzes aus seiner Sicht. Der Zeuge wiederum sprach von einem sogenannten „Spuckschutz“. Diesen habe man dem Beschuldigten übergestülpt, nachdem er es abgelehnt habe, sich die vom Abwehrspray gereizten Augen sowie den Mund auszuspülen: „Er hat ständig gespuckt.“

Gerade einmal drei Wochen zuvor war der Arbeiter am 3. Mai gegen 4 Uhr nachts auf der Rückfahrt von einer Spielothek auf der Wormser Straße in Bensheim von einer Polizeistreife gestoppt und kontrolliert worden. Der 32-Jährige hatte keine Fahrerlaubnis, war zudem alkoholisiert und hatte Drogen konsumiert. Den Wagen musste er stehen lassen und den Heimweg zu Fuß antreten.

Freie Autorenschaft Seit vielen Jahren "im Geschäft", zunächst als Redakteurin beim "Darmstädter Echo", dann als freie Mitarbeiterin beim Bergsträßer Anzeiger und Südhessen Morgen. Spezialgebiet: Gerichtsreportagen; ansonsten alles was in einer Lokalredaktion anfällt: Vereine, kulturelle Veranstaltungen, Porträts. Mich interessieren Menschen und wie sie "ticken", woher sie kommen, was sie erreiche haben - oder auch nicht-, wohin sie wollen, ihre Vorlieben, Erfolge, Misserfolge, Wünschte etc.