Landgericht Darmstadt - Erneuter Prozess um den Überfall auf einen Jugendlichen und eine Verkäuferin in Viernheim Berufung führt zu einer Bewährungsstrafe

Von 
Gerlinde Scharf
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Bergstraße. Einen Jugendlichen und eine Verkäuferin, die sich beide auf dem Nachhauseweg vom Rhein-Neckar-Zentrum Viernheim befanden, hatten sich zwei Räuber als Opfer ausgesucht und ausgeraubt. Das Tatmotiv der Männer: Sie brauchten Bargeld, um sich in der Mannheimer Innenstadt „zu vergnügen“.

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Die Beute allerdings war mit drei Billig-T-Shirts, einem Rucksack, einem Handy für circa 500 Euro und 150 Euro Bargeld eher gering. Aus dem „vergnügten Abend“ wurde ebenfalls nichts. Kurz nach dem Überfall wurden die Täter, die angaben, Alkohol und Marihuana konsumiert zu haben, in der Straßenbahn auf dem Weg in die Quadratestadt von der Polizei gestellt und vernommen.

Der Vorfall selbst liegt bereits dreieinhalb Jahre zurück. In erster Instanz wurde ein Asylbewerber aus Syrien vor dem Amtsgericht in Bensheim im Juli vorigen Jahren wegen gemeinschaftlichen Raubs in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Die Strafe konnte nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden, da das Gericht eine frühere Verurteilung des 24-Jahre alten Friseurs von einem Jahr zur Bewährung wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels mit einbezog.

Lange Verfahrensdauer

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Gegen das Urteil legte der Angeklagte Berufung ein. Gegen seinen Komplizen verhängte das Amtsgericht eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren, die unmittelbar nach der Gerichtsverhandlung Rechtskraft erlangte.

Die Berufungskammer am Landgericht Darmstadt trug nunmehr nicht nur der von dem Angeklagten unverschuldeten langen Verfahrensdauer Rechnung, sondern berücksichtigte auch dessen untergeordnete Tatbeteiligung und reduzierte das Strafmaß dementsprechend.

Schmerzensgeld auferlegt

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Das Gericht gab somit der Berufung des Barbiers aus Villingen-Schwenningen statt und verurteilte diesen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

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Außerdem wurde ihm auferlegt, Schadensersatz und Schmerzensgeld – 650 Euro an den Jungen und 1000 Euro an die kaufmännische Angestellte – zu zahlen. Der Vorsitzende Richter sprach von einem „Ungleichgewicht“ im erstinstanzlichen Urteil „für eine identische Tat.“ Zudem handele es sich bei dem Angeklagten nicht um den Haupttäter.

Beide Opfer – ein 19 Jahre alter Mannheimer und eine 53-jährige Verkäuferin aus Viernheim – sagten im Prozess vor dem Landgericht aus. Der Jugendliche gab an, von einem der Täter ins Gesicht geschlagen worden zu sein. Dabei wurde seine Nase vermutlich gebrochen. Ihm wurden Rucksack und T-Shirts entwendet. Sein Verhalten in der Öffentlichkeit habe sich seit dem Vorfall verändert. Er sei „vorsichtiger“ geworden.

Bei der kaufmännischen Angestellten hatten es die Räuber auf deren Handtasche abgesehen. Um an das gewünschte Objekt zu gelangen, verfolgten sie die Frau, zogen ihr hinterrücks die Kapuze über den Kopf und drückten sie zu Boden. Dabei entrissen sie der Geschädigten die Tasche.

Noch immer beschleiche sie ein „komisches Gefühl“, wenn sie in der Dunkelheit allein unterwegs sei, bestätigte die Zeugin.

Abschließend richtete sie das Wort direkt an den Angeklagten: „Ich drücke die Daumen, dass ihrer Frau so etwas niemals passiert. Mein Mann macht sich noch immer große Sorgen um mich.“

Freie Autorenschaft Seit vielen Jahren "im Geschäft", zunächst als Redakteurin beim "Darmstädter Echo", dann als freie Mitarbeiterin beim Bergsträßer Anzeiger und Südhessen Morgen. Spezialgebiet: Gerichtsreportagen; ansonsten alles was in einer Lokalredaktion anfällt: Vereine, kulturelle Veranstaltungen, Porträts. Mich interessieren Menschen und wie sie "ticken", woher sie kommen, was sie erreiche haben - oder auch nicht-, wohin sie wollen, ihre Vorlieben, Erfolge, Misserfolge, Wünschte etc.