Digitalisierung - Die Weiterbildungsplattform „KommunalCampus“ soll die Beschäftigten in den Ämtern auf die elektronische Verwaltung vorbereiten Behörden-Mitarbeiter müssen fit werden

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Thomas Tritsch
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Bergstraße. Im Juli letzten Jahres wurde im Heppenheimer Amtshof der Kooperationsvertrag unterzeichnet. Jetzt hat die digitale Weiterbildungsplattform „KommunalCampus“ eine weitere Etappe genommen: Kürzlich wurde, ebenfalls in der Kreisstadt, die Satzung unterzeichnet. Aufgrund der Corona-Situation fand der Termin als Minimalformat im „Halben Mond“ statt. Damit ist die Gründung der Genossenschaft abgeschlossen. In einem Jahr soll das Bildungsangebot online gehen.

Vor allem an die Mitarbeiter der Kommunen und Gemeinden richtet sich die die Weiterbildungsplattform „KommunalCampus“. Unsere Bilderleiste zeigt die Rathäuser von Bensheim (ganz links) und Heppenheim (ganz rechts), dazwischen oben von Zwingenberg, Lorsch (Stadthaus) und Einhausen sowie unten von Lindenfels und Lautertal. © Funck/Neu
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„Gerade die Pandemie hat die Grenzen von traditionellen Weiterbildungsangeboten sichtbar gemacht. Der ,KommunalCampus’ ist ein wichtiges Instrument zum Erwerb und Ausbau von Digitalkompetenz“, sagte Patrick Burghardt in der Videoschalte. Der Hessische Digital-Staatssekretär ist Bevollmächtigter der Landesregierung für E-Government (elektronische Verwaltung) und Informationstechnologie. Der frühere Rüsselsheimer Oberbürgermeister wurde 2019 zum „Chief Information Officer“ (CIO) ernannt. Er hat auch die Patenschaft für das Projekt übernommen, das vom Land mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 250 000 Euro gefördert wird.

Bis spätestens 2022 müssen Bund und Länder ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch über spezielle Portale anbieten. Das Online-Zugangsgesetz (OZG) regelt die Rahmenbedingungen für die Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung. Die Konsequenz: Mitarbeiter müssen fit gemacht werden, um die neuen Technologien anwenden und für die Bürger einsetzen zu können. Zwar sind Dokumentenmanagementsysteme, elektronische Bescheide und digitale Bürgerinformationsportale bereits heute in vielen Verwaltungen tagtäglich genutzt. Doch der Umstieg vom Papier auf digitale Formate soll in den kommenden Jahren noch konsequenter werden.

Hauptaugenmerk auf Kommunen

Um die internen Veränderungsprozesse zu steuern, brauchen Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung entsprechende Kompetenzen. Das ist der Ansatz, mit dem die Metropolregion Rhein-Neckar GmbH und der Kreis Bergstraße die digitale Weiterbildungsplattform auf den Weg gebracht haben. Der „KommunalCampus“ soll bedarfsorientierte Weiterbildungsangebote auf der Grundlage modularer und fachlich zertifizierter Lernbausteine bieten und so ein individuelles Lernen ermöglichen. Er steht allen hessischen Kommunen und allen Kommunen der Metropolregion zur Verfügung, um die Kompetenzen zur Gestaltung des digitalen Wandels aufzubauen, so Patrick Burghardt: „Das Augenmerk liegt auf den Kommunen, weil dort die Hauptarbeit erledigt wird.“ Zudem sei die personelle Fluktuation gerade in kleineren Gemeinden traditionell gering, was interne Weiterbildungsangebote umso wichtiger mache.

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Gemeinsam habe man ein Konzept entwickelt, um die Beschäftigten standardisiert und im Rahmen eines länderübergreifenden Modellvorhabens („Kooperatives E-Government in föderalen Strukturen“) zu qualifizieren. Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind die Ersten im Boot, doch das Projekt soll auch in weiteren Ländern und im Bund zur Anwendung kommen. Burghardt hofft, dass sich möglichst viele hessische Kommunen an der Plattform beteiligen werden.

„Die Pandemie hat uns vor Augen geführt, welch fundamentale Bedeutung einer handlungsfähigen Verwaltung zukommt. Die digitalen Herausforderungen sind in jedem Bundesland die gleichen“, so Stefan Dallinger. Der Vorsitzende des Verbands Region Rhein-Neckar und Chef des Lenkungskreises erkennt in der jetzt erfolgten Gründung einen Meilenstein: Die Metropolregion Rhein-Neckar habe bei der Digitalisierung bereits Vieles verbessern können. Jetzt biete sich die Chance, gemeinsam mit weiteren Partnern in einem länderübergreifenden Verbund eine „noch größere Flughöhe“ zu erreichen.

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Mit der offiziellen Fixierung der Satzung sei nun die strukturelle und formale Basis gelegt worden, um passgenaue Bildungsangebote anbieten zu können. Zu den Gründungsmitgliedern zählen neben dem Verband Region Rhein-Neckar, der Metropolregion und dem Kreis Bergstraße auch die Städte Landau, Ludwigshafen, Viernheim und Worms. Zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats wurde der Bergsträßer Landrat und Digitaldezernent Christian Engelhardt gewählt, sein Stellvertreter ist Stefan Dallinger.

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Der Vorstand wird durch einen Fachbeirat begleitet, dem die Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer, die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim sowie die Hochschule für Polizei und Verwaltungen in Wiesbaden angehören. Auch die Industrie- und Handelskammern Darmstadt, Pfalz und Rhein-Neckar sind in dem Projekt angeschlossen.

Lob für den Kreis Bergstraße

Für Patrick Burghardt war der Kreis Bergstraße ein naheliegender Partner für den „KommunalCampus“. Er sprach von einem landesweiten Vorreiter beim Thema Digitalisierung. Landrat Christian Engelhardt hörte das natürlich nicht ungern. Er verwies auf die jüngste Auszeichnung „Gute Verwaltung“ für das Jobcenter Neue Wege“. Die Städte Bensheim und Viernheim haben sich zusammen mit dem Kreis Bergstraße und der Metropolregion Rhein-Neckar zur „OZG-Modellkommune“ formiert. Der Landrat sieht den Kreis daher prädestiniert für diese neue Aufgabe: Das bestehende Know-how bezüglich der Verwaltungsmodernisierung und Digitalisierung spiegele sich bereits in vielen Fachbereichen und soll nun auch anderen Verwaltungen zur Verfügung gestellt werden. „Digitalisierung macht stark in der Krise“, so Engelhardt. Wer beim Ausbruch der Pandemie bereits gut vorbereitet gewesen sei, habe beim Wechsel auf Homeoffice weniger Probleme gehabt als andere.

Die Krise zeige, wie entscheidend medienbruchfreie Prozesse in der digitalen Welt sind. Von der Kreisverwaltung bis zu den Schulen müsse die Dynamik der Digitalisierung einen Schub bekommen – und das beginne mit gut ausgebildeten Beschäftigten, die vor Ort die gesetzlichen Vorgaben umsetzen müssen. Mit dem E-Government-Gesetz und dem OZG soll sichergestellt werden, dass rund 575 Verwaltungsdienstleistungen bis Ende 2022 digital zur Verfügung stehen.

Schnittstellen mit ähnlichen Angeboten sehen die Initiatoren nicht als Nachteil, sondern als Chance für neue Synergien, betont Marco Brunzel. Der Leiter des Bereichs Digitalisierung und E-Government in der Metropolregion Rhein-Neckar erkennt beispielsweise Parallelen zur Digitalakademie. Der „KommunalCampus“ könne die bundesweite Initiative sogar bereichern, heißt es von Seiten der Partner. Beim Startschuss im Heppenheim hatte auch Patrick Burghardt von einer Blaupause für den Bund gesprochen.

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