Naturschutzzentrum - Die Mitarbeiter setzen sich auch während der unfreiwilligen Schließung der Einrichtung für mehr Umweltbewusstsein im Alltag ein „BA Natürlich“ auf neuen Wegen

Von 
Gerlinde Scharf
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Zähneputzen kann man auch mit einer selbst hergestellten Pasta. Die Anleitung dazu geben Mitarbeiter des Naturschutzzentrums Bergstraße. © Pleul/dpa

Bergstraße. Der Frühling ist da, die Natur blüht auf und zeigt sich in ihrer ganzen Pracht. Und das Naturschutzzentrum Bergstraße (NZB), das nach kurzer Winterpause schon in den Startlöchern stand, um tüchtig Gas zu geben, und auf dessen Areal sich üblicherweise die verschiedensten Gruppen – angefangen bei Kitas, Schulklassen und Familien bis hin zu Mitarbeitern von Unternehmen aus der Region – treffen, um der Natur auf die Spur zu kommen, muss seine Türen geschlossen halten. Der Aktionstag Ende März in der Reihe „BA-Natürlich“ hatte wegen der Corona-Epidemie ebenso abgesagt werden müssen wie alle anderen Veranstaltungen und Kurse zur praktischen Umweltbildung.

Zahnpasta und Deocreme selbst herstellen – mit Natron, dem „weißen Wundermittel“

Was Natron, das „weiße Wundermittel“ alles kann und wofür es im Alltag Verwendung findet, darüber fand noch ehe die Corona-Pandemie zur vorübergehenden Schließung des Naturschutzzentrums Bergstraße (NZB) führte, ein Kurs von Mitarbeiterin Beate Löffelholz statt. Natron kommt schließlich nicht nur in einigen Kochkäse-Rezepten am heimischen Herd zum Einsatz, sondern unter anderem auch bei der Herstellung von Zahnpasta und Deocreme.

Und um ein Hexenwerk handelt es sich dabei beileibe nicht. Auf der Rückseite der handelsüblichen Zahncremetube stehen beispielsweise eine Reihe von unbekannten Inhaltsstoffen wie etwa Natriumlaurylsulfat, ein Tensid. Es wird unter anderem in Durchgels, Spülmitteln und eben auch Zahnpasten beigemischt. Aber, so erfuhren die Kursteilnehmer, es geht eben auch anders. Zahncreme lässt sich leicht aus wenigen Zutaten herstellen, und zwar solchen die essbar sind.

Das Rezept

Und dazu braucht man folgende Zutaten:

4 Teelöffel Kokosöl,

2 Teelöffel Natronpulver und ein kleines Schraubdeckelglas.

Am leichtesten lassen sich Öl und Natron mit einer kleinen Gabel vermischen –wofür es ein wenig Geduld braucht. Eine Alternative ist es, das Kokosöl zu erwärmen, um es weicher zu machen. Je nach Lust und Laune kann man einen halben Teelöffel getrocknete und im Mörser zerkleinerte Pfefferminze oder Salbei dazu geben. Am Ende kommt die Zahncreme in ein Glas mit Schraubdeckel und wird mit einem kleinen Spatel auf die Zahnbürste aufgetragen.

Natron kann aber noch mehr: Deshalb stellt Beate Löffelholz den Zeitungslesern die Kokosöl-Deocreme vor, bei der Natron – antibakteriell und geruchsbindend – ebenfalls Verwendung findet. Das Kokosöl ist hautschonend und schützt vor Keimen und Pilzen.

Das Rezept:

3 Teelöffel Kokosöl

2 Teelöffel Natron

2 Teelöffel Speisestärke

Natron und Speisestärke werden zuerst vermischt, anschließend kommt das Kokosöl dazu. Auch hier ist wieder Geduld gefragt, bis eine cremige Paste entsteht – und es gibt die Möglichkeit, das selbst hergestellte Deo mit fünf bis zehn Tropfen ätherischen Ölen zu variieren, ehe es ins Gläschen mit Schraubdeckelverschluss kommt. Sparsam ist das Deo obendrein. Eine erbsengroße Menge soll ausreichen.

Wem das Deo nicht stark genug ist, kann die Natronmenge einfach erhöhen. Die NZB-Mitarbeiterin informiert weiter darüber, dass Kokosöl bei warmen Temperaturen eventuell zu flüssig werden kann. Dann heißt es ab mit der Creme in den Kühlschrank – oder alternativ Sheabutter als Cremegrundlage verwenden.

Was Beate Löffelholz ganz wichtig ist: Das selbst hergestellte Deo verhindert nicht die für unseren Körper so wichtige Schweißbildung (frischer Schweiß müffelt nicht). Bakterien sind vielmehr die Übeltäter. Und genau da kommen Natron und Kokosöl ins Spiel, die unangenehme Gerüche verhindern und die Vermehrung der Bakterien reduzieren.

Wer dennoch nicht mit der Textur zufrieden ist, kann sich gern per E-Mail an die Adresse info@naturschutzzentrum-bergstrasse.de wenden. gs

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Das gesamte Team des Naturschutzzentrums mit der pädagogischen Leiterin Veronika Lindmayer an der Spitze ist zwar tieftraurig über die unfreiwillige, jedoch unvermeidliche Zwangspause, aber gleichzeitig voller Energie, kreativ und hoch motiviert. Es will die Menschen, die trotz einer Menge Probleme und Sorgen vermutlich auch Muse zum Innehalten haben, auf einem für die Einrichtung neuen Weg – über die Tageszeitung – für ein umweltbewusstes Verhalten im Alltag begeistern, sie überzeugen, zum Nach- beziehungsweise Umdenken animieren und zum Handeln bewegen.

Der Bergsträßer Anzeiger wird des halb in unregelmäßigen ...

Der Bergsträßer Anzeiger wird des halb in unregelmäßigen Abständen Informationen zum Thema Nach haltigkeit, aber auch Lerntipps und praktische Anleitungen - wie nebenstehend zur Herstellung von Zahnpasta oder Seife - veröffentli

„Unsere Leitsätze zum Thema Natur- und Umweltschutz bekommen in diesen schwierigen Zeiten eine besondere Bedeutung“, so Lindmayer, die auf Erfahrungen und Ziele der ersten Biodiversitätskonferenz im Kreis verweist: Leitsätze wie „Emotionen schaffen Bewusstsein“, „Mit Wissen wächst Wertschätzung“ und „Handeln verändert die Welt“ sind demnach gerade jetzt wichtig und wertvoll.

In den vergangenen Wochen, in denen die Aktivitäten im NZB bis auf unbestimmte Zeit auf Null heruntergefahren wurden, haben sich die Mitarbeiter Gedanken darüber gemacht, wie sie ohne erhobenen Zeigefinger und mit unterschiedlichen Zugängen für eine sensiblere Sichtweise, Wissen über bestimmte Verhaltensweisen vermitteln können. Mit Erfahrungsberichten, dazu gehörige Geschichten, kreativen Angeboten, Informationen und Alternativvorschlägen.

Freie Autorenschaft Seit vielen Jahren "im Geschäft", zunächst als Redakteurin beim "Darmstädter Echo", dann als freie Mitarbeiterin beim Bergsträßer Anzeiger und Südhessen Morgen. Spezialgebiet: Gerichtsreportagen; ansonsten alles was in einer Lokalredaktion anfällt: Vereine, kulturelle Veranstaltungen, Porträts. Mich interessieren Menschen und wie sie "ticken", woher sie kommen, was sie erreiche haben - oder auch nicht-, wohin sie wollen, ihre Vorlieben, Erfolge, Misserfolge, Wünschte etc.