Landtagskandidaten - Alexander Berndt (Grüne) macht Yoga und Meditation und erholt sich mit Hündin Donja im Niederwald / Bewegter Lebenslauf Aus der weiten Welt in die heimische Natur

Von 
Hans-Joachim Holdefehr
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Bergstraße. Die Familienhündin, die leidenschaftlich gerne Fußball spielt, und der Niederwald, der unmittelbar vor seiner Haustür beginnt: Das sind zwei Möglichkeiten für Alexander Berndt, Erholung vom Alltag zu finden. Auf die Frage nach seinen Hobbys nennt Berndt außerdem Yoga und Meditation. Aber, sagt er, „das kann man ja eher schlecht fotografieren.“

Auf Tour durch den Niederwald: Alexander Berndt mit Hündin Donja in seinem Naturdomizil, das gleich bei ihm um die Ecke beginnt. © neu
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Also Ortstermin in Fehlheim an einem klaren, frischen Septembermorgen. Die Schwüle und Hitze der vergangenen Wochen hat sich verzogen, die vorausgegangene Nacht ist schon ziemlich kühl gewesen, die Sonne strahlt vom wolkenlosen, tiefblauen Himmel: ideale Spätsommer-Bedingungen für ein Treffen im Freien.

Alexander Berndt

Alexander Berndt, geboren 1982 in Kronberg im Taunus.

Abitur mit der Note 1,0.

Studium der Politikwissenschaft mit dem Ziel einer Laufbahn im diplomatischen Dienst.

Zahlreiche Praktika/Aufenthalte im Ausland, u.a. dreieinhalb Monate in China.

Zwei Jahre befristete Tätigkeit als Erster Sekretär an der deutschen Botschaft in Dakar (Senegal) mit dem Schwerpunkt Menschenrechtsfragen.

Seit fünf Jahren in Fehlheim lebend und Mitglied der Grünen Liste Bensheim. Seit zwei Jahren Mitglied des Fehlheimer Ortsbeirats.

Studium des Lehramtes für die Sekundarstufe 2 in den Fächern Latein, Politik und Französisch.

Im Herbst 2018 Beginn des Referendariats an der Martin-Luther-Schule in Rimbach.

Kreisschatzmeister der Bergsträßer Grünen. Landtagskandidat im Wahlkreis Bergstraße Ost. hol

Donja, die vier Jahre alte Briard-Hündin, begrüßt freudig den Besucher und gibt gleich zu erkennen, dass sie gerne ein bisschen herumtollen würde. Was sie dabei am liebsten macht, zeigt sie, als Alexander Berndt sich zu ihr gesellt: Auf dem Rasenstück, das zum Haus gehört, liegt eine große Kugel aus hartem Kunststoff. Sobald Berndt anfängt, die Kugel an den Fuß zu nehmen und damit zu dribbeln, rennt Donja ausgelassen und dicht neben ihm her und versucht ebenfalls, an den Ball zu kommen. Und wenn Berndt die Kugel lupft, zeigt Donja, dass sie sogar Kopfball spielen kann. Es ist nicht zu überhören und übersehen, welch großen Spaß Mensch und Tier daran haben.

Nach dieser kleinen Trainingseinheit wird Donja angeleint. Gemeinsam mit ihr geht es um die Ecke, wo sich, vielleicht 15 Meter vom Haus entfernt, der Zugang zum Niederwald und den angrenzenden Feldern befindet. Ein Grünen-Politiker und sein Bezug zum Wald, zur Natur überhaupt – so stellt man sich das klassischerweise vor. Aber so ist es bei Alexander Berndt ganz und gar nicht gewesen.

Seit fünf Jahren in Fehlheim

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Seit fünf Jahren lebt er jetzt in Fehlheim, hat eine eigene Wohnung mit eigenem Eingang auf dem Grundstück seiner Eltern, die früher in Flörsheim gewohnt haben, aber dann vor dem unerträglichen Fluglärm vom Frankfurter Rhein Main Airport geflohen sind. Und weil es verwandtschaftliche Beziehungen in die Bensheimer Gegend gab, lag der Umzug nach Fehlheim nahe.

Für Alexander Berndt bedeutete Fehlheim, zum ersten Mal überhaupt in unmittelbarer Nähe mit einem Wald in Berührung zu kommen. Und es bedeutete für ihn in gewisser Weise, anzukommen – nach einem Lebenslauf, der ihn bis dahin in fast alle Teile der Welt geführt hatte.

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Ursprünglich nämlich, und das schon zu früher Zeit, hatte der studierte Politikwissenschaftler eine Laufbahn als Diplomat in Diensten des Auswärtigen Amtes eingeschlagen. Oder besser gesagt: Er war schon mitten auf diesem Weg. Alexander Berndt absolvierte eine Reihe von Praktika, war ständig im Ausland unterwegs, darunter für ein Semester in Krakau und für dreieinhalb Monate in China. In Dakar, der Hauptstadt des Senegal, hatte er am Ende eine auf zwei Jahre befristete Anstellung als Erster Sekretär an der deutschen Botschaft. Als Referent war er dort für Menschenrechtsfragen tätig.

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Über lange Zeit führte Berndt ein regelrechtes Globetrotter-Dasein, wie er selbst sagt; für seine Entwicklung sei das eine sehr wichtige Erfahrung gewesen. Dazwischen lag ein längerer Aufenthalt ganz anderer Art: nämlich in der Abtei Münsterschwarzach, die vor allem durch den Benediktinerpater Anselm Grün einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Dorthin zog sich Alexander Berndt von September 2006 bis Februar 2007 zurück, um seine Bachelor-Arbeit zu schreiben – in einer Zeit, in der er merkte, dass er mehr zur Ruhe kommen musste.

Ein halbes Jahr lebte er in der Abtei, lernte für die letzten Prüfungen, arbeitete einige Monate im Gästehaus der Abtei mit. Für kürzere Auszeiten ist er seitdem regelmäßig dorthin zurückgekehrt. Dort lernte er auch Yoga und Meditation kennen.

Vor fünf Jahren dann, nach der Rückkehr aus Dakar, kam der Umbruch. Berndt hatte sich entschlossen, etwas ganz anderes machen zu wollen. Also ging es vom Senegal aus direkt nach Fehlheim und damit vom ständigen Unterwegssein hinein in ein neues, sesshaftes Leben. Berndt nahm noch einmal ein Studium auf, diesmal Lehramt für die Sekundarstufe 2 mit der Fächerkombination Latein/Politik/Französisch. Jetzt, im Herbst, beginnt er mit seinem Referendariat an der Martin-Luther-Schule in Rimbach.

Einen grundsätzlichen Bezug zu den Grünen hatte Alexander Berndt schon lange. Ausschlaggebend dafür waren für ihn das Menschenbild der Partei, ihre Überlegungen zu sozialen Fragen, ihre Haltung zu Europa. In den vergangenen Jahren, seit er in Fehlheim lebt, sind ihm aus eigenem Erleben auch grüne Ur-Themen nahegekommen. Ja, man könne sagen, dass in dieser Hinsicht eine regelrechte Umerziehung bei ihm stattgefunden habe. Da ist eben sein naturnaher Wohnort direkt am Niederwald, in dem Berndt mit Hündin Donja seine Runden dreht. Da ist der passionierte Radfahrer, zu dem Alexander Berndt mittlerweile geworden ist.

Seit fünf Jahren ist Berndt Mitglied der Bensheimer Grünen, für die Bergsträßer Grünen führt er mittlerweile die Kasse. Seit zwei Jahren sitzt er auch im Fehlheimer Ortsbeirat und würdigt ausdrücklich, wie parteiübergreifend dort diskutiert und gearbeitet und nach Kompromissen gesucht werde.

Yoga und Meditation, mit denen er in der Abtei Münsterschwarzach in Berührung gekommen ist, macht Alexander Berndt weiterhin. Etwa zwei Stunden wendet er jeden Morgen für sich auf, bis er in den Alltag startet. Vielleicht, sagt er, wird er eines Tages ja doch noch einmal Deutschland verlassen – dann aber nicht mehr als Diplomat, sondern als Lehrer an einer Auslandsschule. Momentan jedoch vermittelt er ganz und gar nicht den Eindruck, als ziehe es ihn wieder in die weite Welt. Viel mehr wirkt er wie einer, der sehr zufrieden ist damit, wie alles gekommen ist.

Redaktion Hans-Joachim Holdefehr ist Redakteur beim Bergsträßer Anzeiger.