Prozess - Bande steht in Bensheim vor Gericht Auf Raubzügen in Rimbach und Fürth unterwegs

Von 
Gerlinde Scharf
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Symbolbild. © dpa

Bergstraße. Fünf Angeklagte hätten es eigentlich sein müssen, die sich jetzt vor dem Bensheimer Jugendschöffengericht wegen einer Reihe von Straftaten zu verantworten hatten. Dass dann tatsächlich nur drei Männer zwischen 23 und 28 Jahren und eine junge Frau auf der Anklagebank Platz genommen hatten, hatte einen guten Grund: Der fünfte Tatverdächtige befindet sich bereits wegen einer weiteren Überfallserie aus dem Jahr 2017 in Strafhaft. Er wurde im Vorjahr vom Landgericht Darmstadt wegen verschiedener bewaffneter Raubüberfälle im Odenwald zu einer Gefängnisstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt. Er wurde zum Prozessauftakt vor dem Bensheimer Amtsgericht aus seiner Zelle als Zeuge vorgeführt.

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Bei zwei der Angeklagten und dem Häftling handelt es sich um Drillinge aus dem Weschnitztal, die trotz ihres jungen Alters bereits in der Vergangenheit mit weiteren Komplizen auf Raubzüge gegangen und Menschen in Angst und Schrecken versetzt haben. Die Brüder sind Deutsche.

Auch in Glattbach aktiv

Staatsanwalt Ansgar Martinsohn wirft ihnen zweifache räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung – begangen im Zeitraum Mai/Juli 2015 in Fürth und Rimbach – vor. Ein 28 Jahre alter Rumäne und eine 20-jährige angehende Erzieherin sollen zusammen mit einem der Drillinge in einen weiteren Fall verwickelt gewesen sein. Sie sollen im Lindenfelser Stadtteil Glattbach versucht haben, von einem Opfer 400 Euro zu erpressen und bei Nichtbezahlung gedroht haben, dem Zeugen die Nase zu brechen und ihn krankenhausreif zu schlagen. Außerdem gaben sie an, dessen Familie zu bedrohen. Der Geschädigte erstattete Anzeige bei der Polizei.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Darmstadt hatten es die Brüder – die zur Tatzeit noch keine 20 Jahre alt waren – und weitere Mittäter bei ihren schweren Straftaten stets auf Bargeld abgesehen. So sollen sie von einem Opfer wegen angeblicher Schulden in der Nähe des Fürther Bahnhofes 350 Euro verlangt haben. Als der Mann die Forderung nicht begleichen konnte, soll er zusammengeschlagen und – auf dem Boden liegend – getreten worden sein. Er erlitt eine Platzwunde am Kopf und weitere Blessuren.

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Zudem sollen die Täter das Schaufenster eines Schreibwarengeschäftes in Rimbach eingeschlagen und 295 Euro sowie zwölf Schachteln Zigaretten erbeutet haben. Zusammen mit gesondert verfolgten Mittätern wird ihnen vorgehalten, einem Gast in einem Bistro mit der Faust ins Gesicht und diesem anschließend in die Brust gebissen zu haben. Auch dieser Geschädigte erlitt erhebliche Verletzungen.

Bei einem Diebstahl in einer Fürther Privatwohnung sollen zumindest zwei der Drillingsbrüder Goldschmuck und Uhren im Wert von 7500 Euro entwendet haben. Bei dem Coup soll ihnen die Tochter des Wohnungseigentümers behilflich gewesen und den PIN-Code zum Öffnen der Tür verraten haben.

Teilgeständnis abgelegt

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Eine weitere Anklage beinhaltet einen Vorfall von 2016. Am 3. Oktober sollen die Brüder nach dem Kerwebesuch einen Gast in einer Kneipe aufgefordert haben, seine Anzeige wegen Körperverletzung zurückzunehmen. Zur Untermauerung sollen sie auf ihn eingeschlagen haben.

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Verteidiger Manfred Döring legte im Namen seines Mandanten ein Teilgeständnis ab. Rechtsanwalt Klaus Kaczmaryk beantragte, das Verfahren gegen die junge Frau wegen Mittäterschaft einzustellen, da sie bereits vom Amtsgericht Fürth wegen falscher Verdächtigung eine Verwarnung erhalten habe und die aktuelle Anklage „nicht so sehr ins Gewicht falle.“

Der erste Prozesstag begann am Donnerstag mit einstündiger Verzögerung, da für den rumänischen Angeklagten kein Dolmetscher anwesend war. Nachdem der 28-Jährige erklärte, einigermaßen der deutschen Sprache mächtig zu sein, begann Jugendrichter Rainer Brakonier die Verhandlung ohne Übersetzer.

Die Mehrzahl der gehörten Geschädigten erklärte vor Gericht übereinstimmend, dass sie aufgrund ihres Alkoholkonsums keine Erinnerungen mehr an die Übergriffe der Angeklagten haben.

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag (17.) fortgesetzt.

Freie Autorin Seit vielen Jahren "im Geschäft", zunächst als Redakteurin beim "Darmstädter Echo", dann als freie Mitarbeiterin beim Bergsträßer Anzeiger und Südhessen Morgen. Spezialgebiet: Gerichtsreportagen; ansonsten alles was in einer Lokalredaktion anfällt: Vereine, kulturelle Veranstaltungen, Porträts. Mich interessieren Menschen und wie sie "ticken", woher sie kommen, was sie erreiche haben - oder auch nicht-, wohin sie wollen, ihre Vorlieben, Erfolge, Misserfolge, Wünschte etc.