Info-Forum - Kraftwerksleiter Röhrborn berichtet über Fortschritte bei AKW-Rückbau / Neubau mit 30 Meter hohen Schornsteinen Auf die Atomenergie folgt 2022 in Biblis ein großes Gaskraftwerk

Von 
Petra Schäfer
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Diese Fotomontage zeigt links im Vordergrund ein Modell des Gasturbinenkraftwerks mit den Schornsteinen. © Atomkraftwerk Biblis

Bergstraße. 60 Teilnehmer haben sich jetzt bei der öffentlichen Online-Konferenz des Info-Forums zum Rückbau des Atomkraftwerks Biblis zugeschaltet. Dies verkündete Kreisbeigeordneter Karsten Krug am Ende der rund einstündigen Sitzung, die erstmals digital stattfand. Damit habe die Veranstaltung mehr Interessenten erreicht als die bisherigen Präsenzveranstaltungen. Und auch die Mitglieder des Forums waren zahlreicher als bei den zurückliegenden Terminen vertreten und diesmal sogar beschlussfähig.

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Zu einer Abstimmung kam es allerdings nicht. Der freie Sitz für eine Bürgerinitiative soll erst bei der nächsten Sitzung vergeben werden. Dafür steht das Klimabündnis Bergstraße bereit, das von Vertreterin Katja Knoch vorgestellt wurde.

Danach folgte ein Vortrag von Kraftwerksleiter Matthias Röhrborn über den laufenden Rückbau der Anlage und den Neubau eines Gaskraftwerks, das zur Netzstabilität beitragen soll. Und auch die Pandemie war ein Thema. Bislang ist es laut Röhrborn nur zu vereinzelten Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern gekommen. Infektionsketten seien vermieden und ein sicheres Arbeiten unter corona-bedingten Abläufen gewährleistet worden.

Im Innern wird zerstückelt

„Wir werden keine Halle auf der grünen Wiese bauen“, stellte Röhrborn fest. Stattdessen würden die Gebäude des stillgelegten Atomkraftwerks nun zu einer Rückbau-Fabrik umfunktioniert. Von außen sei dies kaum sichtbar. Aber im Inneren werden „die Räume leer geräumt, um neue Maschinen installieren zu können“. In diese neue Technik investiere RWE einen zweistelligen Millionenbetrag.

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Das tonnenweise anfallende Material aus den radioaktiven, aber auch aus den anderen Bereichen der Anlage muss bearbeitet werden. Der radioaktiv belastete Teil wird zunächst in den am Standort befindlichen Zwischenlagern für schwach- und mittelradioaktiven Abfall bleiben. Der Großteil des anfallenden Materials wie Bauschutt und Metalle soll nach der Freimessung recycelt werden. Das heißt, für diese Wertstoffe erfolgt die Freigabe, wenn bei der Messung die radioaktive Energie so gering ist, dass sie nicht überwacht werden muss. Bevor dieser Nachweis möglich ist, wird alles kleinteilig zerlegt.

Zerlegetechnik mit den dazugehörigen Sägen gehört daher zur Ausrüstung, die neu installiert wird. Als weiteres Beispiel nannte Röhrborn Strahlanlagen zur Oberflächenreinigung. Da die Lagerfläche nicht ausreiche, würden vorübergehend Container aufgestellt.

300 Megawatt zugesichert

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Nicht zu übersehen wird das neue Gaskraftwerk sein, das außerhalb des AKW-Geländes auf dem ehemaligen Parkplatz für Partnerfirmen und Besucher entsteht. Im Moment laufen dort Vorbereitungen für das Fundament. Im Frühjahr werden die Bauarbeiten für die elf Gasturbinen mit jeweils einem Schornstein richtig losgehen. Ab Oktober 2022 soll die Anlage betriebsbereit sein. Wie Röhrborn erläuterte, liefere jede Gasturbine 30 Megawatt Leistung. Dieses Gaskraftwerk habe die Aufgabe, das Stromnetz zu stabilisieren. Wenn im Netz Leistung fehle, müsse die Anlage schnell und zuverlässig diese Lücke füllen – RWE sichere am Standort Biblis 300 Megawatt zu. Die elfte Gasturbine diene als Puffer.

Flexibel und schnell reagieren

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Durch diesen Anlagenaufbau sei es gewährleistet, dass RWE flexibel und schnell die angeforderte Unterstützung liefern könne. Die elf Schornsteine des Gasturbinenkraftwerks werden die Optik des Neubaus prägen. Zum Vergleich: Die Höhe der Reaktorgebäude beträgt 60 Meter, die Kühltürme sind 80 Meter hoch.

Eine weitere Entwicklung zeichnet sich am AKW-Standort ab: Die drei Zwischenlager, für die mittlerweile die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) zuständig ist, werden immer stärker vom Kraftwerksgelände abgegrenzt, um unabhängig betrieben werden zu können. /sm

Redaktion Redakteurin Südhessen Morgen