Corona-Information - Odenwaldkreis verteidigt Vorgehensweise Anonyme Anzeige bleibt ohne Folgen

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Stefan Jünger
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Odenwald. Die Staatsanwaltschaft in Darmstadt wird keine Ermittlungen gegen den Landrat des Odenwaldkreises, Frank Matiaske, aufnehmen. Das war in einer anonymen Strafanzeige gefordert worden, die von einer „BI Odenwald Corona“ signiert worden war (wir haben berichtet). In der Anzeige wurde dem Landrat vorgeworfen, Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verschuldet zu haben, weil er nicht bereitgewesen sei, die Öffentlichkeit über die Orte der Covid-19-Krankheitsausbrüche und der Todesfälle zu informieren. Im Odenwaldkreis gab es mit 61 Verstorbenen, darunter 41 Personen aus Pflegeeinrichtungen, eine ungewöhnliche hohe Zahl an Todesfällen im Vergleich mit den Nachbarkreisen (drei im Kreis Bergstraße).

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„Der Sachverhalt wurde eingehend geprüft. Wir sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass kein Anfangsverdacht für eine Straftat gegeben ist, sodass wir die Einleitung von Ermittlungen abgelehnt haben“, erklärte der Pressesprecher, Oberstaatsanwalt Robert Hartmann, auf Nachfrage.

Bei einer Sitzung mit Vertretern aus dem Gesundheitswesen des Odenwaldkreises hat Landrat Matiaske verteidigt, dass das Landratsamt bislang nur über die Gesamtzahlen des Landkreises informiert hatte. „Gerade die Veröffentlichung von örtlichen Infektionszahlen in den Städten und Gemeinden, wie es einzelne Landkreise praktizieren, birgt die Gefahr einer trügerischen Sicherheit, die definitiv fehl am Platz ist“, sagte Matiaske laut einer Pressemitteilung des Landratsamts in Erbach zu der Entscheidung, mit der Gesamtzahl der Erkrankten im Kreis sehr transparent umzugehen, diese aber nicht täglich auf die Städte und Gemeinden herunterzubrechen.

Dafür gebe es außerdem einen zweiten Grund. „Ich wünsche niemandem die Erfahrungen jener Menschen, die als Corona-Infizierte geoutet wurden“, so der Landrat: „Wenn wir, besonders am Anfang der Pandemie, in unserem kleinteilig strukturierten Gebiet Orte Infizierter mitgeteilt hätten, wäre das in eine Art Hexenjagd ausgeartet. Ich wollte dazu nicht beitragen und werde das auch weiterhin nicht tun. Dazu fühle ich mich aus menschlichen Gründen verpflichtet und auch aus Gründen der ärztlichen Schweigepflicht, der unser Gesundheitsamt unterworfen ist.“ Er kenne selbst, so Matiaske, kenne etliche Menschen im Odenwaldkreis, die aufgrund der Infektion stigmatisiert worden seien. „Und wer die Berichterstattung in den Medien verfolgt, stößt regelmäßig auf derartige Schilderungen. Ich finde es mehr als bedenklich, wie mit jenen Mitbürgern umgegangen wird“, unterstrich Matiaske.

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Bei der Sitzung wurde dann aber auch die regionale Verteilung von Coronavirus-Infektionen im Odenwaldkreis besprochen. Dabei wurde ersichtlich, dass offensichtlich das Gersprenztal in den vergangenen Wochen und Monaten weniger betroffen war als das Mümlingtal. „Das heißt aber gerade nicht, dass sich die Bürger im Gersprenztal sicher fühlen dürfen“, mahnte der Landrat. „In die Statistik fließen nur die registrierten Fälle ein, die Dunkelziffer ist überall das große Fragezeichen.“ Auch im Gersprenztal seien schwere Krankheitsverläufe bekannt.

Gerade aus diesem Grund wurde die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung kritisiert, im Odenwaldkreis und in anderen ländlichen Gebieten Hessens keine Testcenter einzurichten. „Dennoch ist es unserem Gesundheitsamt mit den niedergelassenen Ärzten gelungen, gerade in Pflegeeinrichtungen Tests auf den Weg zu bringen“, so der Leiter des Gesundheitsamtes, Ulrich Falk: „Hätten wir dort nicht so intensiv getestet, dann wären unsere Zahlen im Odenwaldkreis deutlich niedriger.“ Bezogen auf die Gesamtbevölkerung habe hierdurch hessenweit in der Altersgruppe der über 80-Jährigen eine hohe Zahl an Infizierten entdeckt werden können. Dies belege die Problematik, dass die etablierte Testinfrastruktur nicht geeignet sei, dieser Altersgruppe eine optimale Testmöglichkeit anzubieten. „Letztendlich ist das auch die Erklärung für den hohen Anteil der in Pflegeeinrichtungen an Covid-19 Verstorbenen. Bei geringen Testungen in dieser Altersgruppe bleibt die Covid-19-Infektion unentdeckt und damit auch die mit ihr in Zusammenhang stehenden Todesfälle“, so der Mediziner.