Prozess um Explosion - Heute könnte es zu Plädoyers kommen Angeklagter will noch einmal aussagen

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mb/ü
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Die Überreste des Einfamilienhauses in Löhrbach. © Kopetzky/ü

Darmstadt/Löhrbach. Im Verfahren gegen einen 60 Jahre alten Mann aus Löhrbach, der sich unter anderem wegen schwerer Brandstiftung und der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vor der 18. Großen Strafkammer des Landgerichts Darmstadt zu verantworten hat, könnte es heute zu den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung kommen.

Chronologie der Ereignisse

Am Freitag, 22. März, um 7.45 Uhr explodiert in der Buchklingener Straße im Birkenauer Ortsteil Löhrbach ein Einfamilienhaus. Das Gebäude hätte am selben Tag am Amtsgericht Fürth zwangsversteigert werden sollen.

Vom Eigentümer, einem damals 59 Jahre alten Mann, fehlt zunächst jede Spur. Schnell wird den Ermittlern klar, dass die Explosion vorsätzlich herbeigeführt wurde.

Die Polizei fahndet deshalb öffentlich nach dem Hausbesitzer, die Staatsanwaltschaft Darmstadt eröffnet ein Ermittlungsverfahren wegen besonders schwerer Brandstiftung.

Am Sonntag, 24. März, wird der Tat-verdächtige bei den Trümmern seines Hauses gesehen und dort von der Polizei verhaftet. Er ist seitdem in Untersuchungshaft.

Seit dem 20. August steht der inzwischen 60-Jährige in Darmstadt vor Gericht. mb/ü

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Wie der Vorsitzende Richter, Dr. Mathis Dreher, am Ende des gestrigen Verhandlungstags feststellte, hat das Gericht mit der Vernehmung einer letzten Zeugin und der Inaugenscheinnahme von mehreren Videos und Fotografien die Beweiserhebung abgeschlossen.

Zeugenaussage bestätigt

Diese Zeugin, eine 34 Jahre alte Frau aus Weinheim, die mit ihrem Baby auf dem Arm den Sitzungssaal betrat, bestätigte – so weit sie sich erinnern konnte – die Aussage einer früheren Zeugin und die deren Tochter.

Diese frühere Zeugin, die mit dem Angeklagten zwischen 1997 und 2004 immer mal wieder Kontakt war und zeitweise mit ihm sogar in dem Haus in der Buchklinger Straße wohnte, hatte vor einigen Wochen vor der Kammer ihr Zusammenleben mit dem Angeklagten geschildert („Es war kein Liebesverhältnis“). Unter anderem hatte sie von einem Streit zwischen ihr und ihrer Tochter mit dem Angeklagten berichtet, bei dem er handgreiflich geworden sei. Mutter und Tochter seien geflohen. Bei einer Verfolgungsjagd mit dem Auto habe der Mann sie gestellt und schließlich damit gedroht, sich umzubringen.

Aus Trümmern steigt Rauch

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Auf Antrag des Verteidigers Moritz David Schmitt (Mainz) nahmen die Prozessbeteiligten einen Kurzfilm, der von einem Polizeihubschrauber aus aufgezeichnet worden war, in Augenschein. Der Film zeigt den Tatort von hoch oben, wie er sich am 22. März, um 8.32 Uhr und den folgenden Minuten darstellte – es ist ein Bild der Verwüstung und lässt die Akribie erahnen, mit der der Täter vorgegangen sein muss.

Buchstäblich steht kein Stein mehr auf dem anderen – eine Wüste aus Geröll ist dort, wo kurz zuvor noch ein Einfamilienhaus stand. Auch wenn die Löscharbeiten schon eine ganze Weile im Gange waren, sieht man in dem Film, wie noch immer dichter Rauch aus den Trümmern aufsteigt. Mehrere Feuerwehrmänner sind zu erkennen, die die letzten Glutnester bekämpfen.

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Deutlich wird auch, wie dicht das schwer beschädigte Nachbarhaus der Unglücksstelle ist. Beim Betrachten drängt sich die Frage auf, ob die Nachbarn nicht sogar Glück im Unglück hatten, dass nicht noch viel mehr passiert ist, vor allem kein Mensch verletzt wurde. Die gleiche bedrückende Atmosphäre strahlen auch Video-Aufnahmen aus, die von einer Drohne aus aufgenommen wurden, und eine ganze Anzahl von Fotografien.

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Zu Beginn des gestrigen Verhandlungstags hatte der Vorsitzende Richter Mathis Dreher mehrere Beschlüsse verlesen, die die Kammer zu Anträgen der Verteidigung gehasst hatte. So wurde der Antrag vom vorangegangenen Prozesstag auf eine Sitzungsunterbrechung von vier Wochen abgelehnt. Anwalt Schmitt hatte ausgeführt, er brauche so viel Zeit, um die vorliegenden Video- und Bilddateien zu sichten. „Es ist zwar eine große Datei“, begründete Dreher den Beschluss, „aber es handelt sich um eine überschaubare Zahl von Videos und Bildern. Ein Berufsrichter braucht dafür weniger als zwei Stunden.“

Anträge abgewiesen

Abgewiesen wurde auch ein weiterer Antrag der Verteidigung auf Einstellung des Verfahrens. Schmitt hatte diesen Antrag mit einem massiven Fehlverhalten der Polizei begründet. Dies ist nach Ansicht des Gerichts aber nicht gegeben. Das rechtsstaatliche Verfahren sei gewahrt, besonders hätten die Ermittlungsbehörden keine Aussagen des Angeklagten verfälscht, wie behauptet wurde. „Es gibt keine Anhaltspunkte für ein manipulatives Verhalten im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen“, sagte Dreher. Auf eine entsprechende Frage des Vorsitzenden erklärte der Angeklagte, er wolle sich sowohl zu seiner Person und seinem Lebenslauf als auch zu mehreren Zeugenaussagen äußern. Dazu brauche er allerdings noch Zeit, um sich vorzubereiten.

Der Prozess wird am heutigen Freitag, 9.30 Uhr, am Landgericht in Darmstadt fortgesetzt. mb/ü