Coronavirus - Matthias Geihs hat aus Interesse am Thema eine Website zur Pandemie erstellt / Entwicklung der Infektions- und Todesfälle Am Tag für die IT-Sicherheit an der Börse, am Abend kreativ am PC

Von 
Sina Roth
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Aus persönlichem Interesse hat Matthias Geihs eine Website zum Vergleich der Corona-Fallzahlen erstellt. © Geihs

Bergstraße. Normalerweise ist er damit beschäftigt, an der Börse für die IT-Sicherheit zu sorgen, doch momentan, in der Coronakrise, bastelt Matthias Geihs nach Feierabend an einer Website, die die Entwicklung der Infektions- und Todesfälle punktuell und über einen längeren Zeitraum hinweg veranschaulichen soll.

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An der Deutschen Börse hat Geihs die Services für Kunden im Blick und achtet darauf, dass sie keine Sicherheitsschwachstellen haben. In seiner Freizeit beschäftigt er sich allerdings auch gerne mit Statistiken. „Der ,Corona Virus Data Explorer’ ist allerdings nicht mein erstes Projekt dieser Art. Wenn mich ein Thema besonders interessiert und ich selbst mehr darüber erfahren möchte, dann beschäftige ich mich gerne in Form einer Website mit den Zahlen und Fakten“, berichtet Geihs am Telefon.

Die nackten Fakten betrachten

Der gebürtige Bensheimer lebt inzwischen in Frankfurt. Doch zu den Zeiten, zu denen er noch in seine jetzige Heimatstadt gependelt ist – und auch noch aktuell – beschäftigt er sich mit Verspätungszeiten von Zügen. „So verschaffe ich mir einen Überblick darüber, welche Züge verspätet und welche pünktlich sind“, berichtet der 32-Jährige. „An Statistiken bin ich schon länger privat interessiert und erstelle die Webseiten zunächst einmal aus eigenem Interesse. So war es auch bei der Seite zur Coronavirus-Pandemie.“

Zuvor habe er keine entsprechende Darstellung der Daten gefunden, worüber man die Zahlen sowohl punktuell als auch im Zeitverlauf mit den entsprechenden Quellen nachvollziehen kann. Über die Website möchte er daher die Entwicklung der Fallzahlen weltweit ebenso wie punktuell und gefiltert darstellbar machen. Visuell kann man auf seiner Seite zwischen einem farblich übersichtlich gestalteten Linien- oder Säulendiagramm wählen. Außerdem kann man sich die Entwicklung für unterschiedliche Zeitabschnitte anzeigen lassen. Die Daten selbst stammen aus dem EU-Open-Data-Portal, von der Johns-Hopkins-Universität und dem Robert-Koch-Institut. Auch hier kann man selbst die Daten der gewünschten Quelle auswählen, um sich einen Überblick zu verschaffen.

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„Ich persönlich mag es gerade bei einem solchen Thema, die nackten Fakten zu betrachten“, sagt Geihs. „Die angegebenen Quellen veröffentlichen ihre Daten regelmäßig auf entsprechenden Webservern. Die Adressen findet man schnell, wenn man sich ein wenig auskennt und nach den richtigen Stichwörtern im Internet sucht. Von dort aktualisiere ich momentan die Datenbank hinter meiner Webseite alle drei Stunden. Mittlerweile wird auch angezeigt, wann sich der ausgewählte Datensatz zuletzt geändert hat. Die Datenquellen selbst aktualisieren ihre Daten zu unterschiedlichen Zeiten, teilweise nur einmal am Tag“, erklärt der 32-Jährige. Wann die Daten zuletzt auf dem „Corona Virus Data Explorer“ aktualisiert wurden, verrät eine Anzeige unter den Filter-Optionen.

„Die erste Version hatte ich innerhalb von einem langen Wochenende entwickelt“, berichtet Geihs. „Das war etwa Anfang April. Seitdem füge ich Funktionen hinzu, wie beispielsweise die Berechnung des R-Wertes oder die Anzeige in Abhängigkeit von der Bevölkerungsgröße. Außerdem arbeite ich kontinuierlich an der Benutzeroberfläche, um die Webseite besser bedienbar zu machen.“ Mittlerweile könne man sie auch auf kleinen Geräten, wie etwa Mobiltelefonen, ganz gut benutzen. „Es gibt aber immer noch ein paar Dinge, die ich verbessern möchte. Zum Beispiel würde ich gerne noch ein paar Feinheiten an der Bedienbarkeit verbessern und überlege schon länger, eine Darstellung zu implementieren, in der man gezielt eine Menge von Regionen auswählen und diese miteinander vergleichen kann“, so Geihs.

Von Freunden und Familie genutzt

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Dabei gebe es bei einem solchen Projekt auch immer mal wieder Dinge, die einen vor Herausforderungen stellen: „Zum Beispiel habe ich verschiedene Datenbanktypen ausprobiert, mich aber im Endeffekt für eine weniger flexible, aber dafür recht einfach zu handhabende Lösung entschieden. Außerdem ist für mich besonders die Entwicklung einer übersichtlichen und intuitiv bedienbaren Benutzeroberfläche eine zentrale Herausforderung. Ich kenne mich eher im technischen Bereich aus. Je mehr Funktionen man aber hinzufügt, desto unübersichtlicher wird es. Und mein Anspruch ist es, dass man die Webseite ganz einfach ohne viele Vorkenntnisse bedienen kann.“ Das Projekt, das anfangs nur dem eigenen Interesse geschuldet war, nehmen inzwischen auch andere gerne an. „Eine spezielle Zielgruppe für die Website habe ich nicht im Blick, da ich nicht beabsichtigt habe, sie zu verkaufen oder zu vermarkten. Inzwischen nutzen allerdings auch meine Freunde und die Familie das Programm, seitdem sie davon erfahren haben. Ich freue mich darüber, wenn auch andere Menschen einen Blick darauf werfen und es ihnen weiterhilft.“