Bergsträßer Weinkönigin - Nach der Absage des Weinmarktes findet die Inthronisierung im Heppenheimer Amtshof statt Am 4. Juli ist Krönung in kleiner Runde

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Thomas Tritsch
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Die Heppenheimer Winzertochter Heike Knapp wird am 4. Juli zur neuen Bergsträßer Weinkönigin gekrönt. Im Hintergrund Otto Guthier, Vorsitzender des Weinbauverbandes Hessische Bergstraße und Chef des Heppenheimer Weinmarktvereins. © Funck

Bergstraße/Heppenheim. Am nächsten Freitag (26.) wäre der Bergsträßer Weinmarkt eröffnet worden. Doch aufgrund der Corona-Pandemie wurde das Fest in der Heppenheimer Altstadt schweren Herzens abgesagt. Die jüngst verordnete Verlängerung des Verbots für sämtliche Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober hat die Situation nochmals verschärft.

Erhebliche Probleme für den Weinbau

Der abgesagte Weinmarkt ist auch für die hiesigen Weingüter ein herber Schlag. Um den Heppenheimer Winzern etwas Gutes zu tun, wurde ein Weinpaket zusammengestellt, das ab nächster Woche bei den Betrieben und über die Tourist-Info Heppenheim erhältlich ist. Darin befinden sich Bergsträßer Tropfen, die auch am 4. Juli im kleinen Kreis ausgeschenkt werden sollen. Die Notvariante der Krönung wird also nicht ganz trocken über die Bühne gehen.

Wie Otto Guthier als Verbandschef verlauten lässt, sieht sich der internationale wie nationale und damit auch der Bergsträßer Weinbau mit erheblichen Problemen konfrontiert. Die Corona-Krise und die abgesagten Feste bis weit in den Spätherbst hinein würden den Betrieben eine wichtige Bühne zum Bewerben und Verkaufen ihrer Weine versagen. Wer seine Vertriebswege nicht auf den Einzelhandel ausgedehnt hat, habe stark unter den monatelangen Schließungen von Vinotheken gelitten. „Der neue Jahrgang steht ins Haus, doch viele Kollegen haben noch die Keller voll.“ Guthier rechnet Ende August beziehungsweise Anfang September mit einem Lesebeginn.

Positiv kommentiert er die Kreativität der regionalen Winzer. Viele haben eigene Weinpakete geschnürt, die auch online geordert werden können nach dem Motto: der kleine Weinmarkt für Zuhause. „Gastronomie und Weinbau brauchen Unterstützung“, so der Verbandsvorsitzende und Winzer. Ansonsten befürchtet er dramatische Folgen für die Vielfalt der Region und das Kulturgut Wein. tr

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Doch nicht nur auf die rund 90 000 Besucher müssen die Veranstalter in diesem Jahr verzichten: im Zuge der Absage stellte sich auch die Frage, ob, wo und wann eine neue Bergsträßer Gebietsweinkönigin gekrönt wird. Nach einer weiteren Sitzung des Weinbauverbands und Gesprächen mit den Organisatoren im Weinmarktverein herrscht in der Sache nun Klarheit: Die 68. Hoheit der Hessischen Bergstraße heißt Heike Knapp und wird am 4. Juli im Kurmainzer Amtshof vor geladenen Gästen gekrönt. Damit tritt sie die Nachfolge von Jana Petermann (Groß-Umstadt) an, deren Amtszeit etwa zur Hälfte von der Krise getroffen wurde. Viele Standardtermine und Reisen fielen dem Virus zum Opfer.

Dass es auch für die 28-jährige Winzertochter Heike Knapp aus Heppenheim keine normale Regentschaft sein wird, ist absehbar. Corona wird das Jahr bis ins Finale begleiten und massiv beeinflussen. Auch das Bergsträßer Winzerfest im September in Bensheim ist längst aus dem Kalender gestrichen worden. Dennoch freut sich Heike Knapp, das kleine Anbaugebiet bis Herbst 2021 vertreten und repräsentieren zu dürfen. Am Donnerstag wurde sie im Rahmen eines Pressetermins im Heppenheimer Rathaus offiziell vorgestellt.

Die designierte Königin ist 1991 in der Kreisstadt geboren und hat nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau ein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Darmstadt begonnen, das noch zwei Jahre dauern wird. Viele Bergsträßer Weinfreunde kenne sie als Aushilfe beim Federweißerverkauf sowie vom Wein- und Sektfest der Bergsträßer Winzer eG, der sie seit frühester Jugend verbunden ist. Seit 2018 ist sie außerdem Mitglied der sechsköpfigen Jungwinzerinnen-Gruppe Vinas unter dem Dach der Genossenschaft. Ihre Eltern bewirtschaften etwa 7,5 Hektar Rebland in Heppenheimer Lagen. Den nötigen „Stallgeruch“ bringt sie also mit.

Maximal 70 Gäste beim Festakt

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Auf eine Krönungsfeier vor großem Publikum muss sie allerdings verzichten. Maximal 70 Gäste sollen dem Festakt im Amtshof beiwohnen, wie Otto Guthier mitteilt. Der Vorsitzende des Weinbauverbands ist auch Chef des Weinmarktvereins. Gemeinsam mit dessen Geschäftsführer Michael Lortz und der Stadtverwaltung wurde ein kompaktes Alternativprogramm festgezurrt, um die Krönung nicht ausfallen zu lassen. Mit der etwa einstündigen Veranstaltung am Tag der eigentlich geplanten Krönung will man den Hoheiten eine Bühne geben und sich gleichzeitig im Rahmen der Möglichkeiten bewegen.

„Die Abstand- und Hygieneregeln können eingehalten werden“, betont Guthier, der seine Enttäuschung über den Ausfall des Weinmarktes nicht verbergen kann: „Die Menschen sehnen sich nach Geselligkeit und Begegnung.“ Auch Bürgermeister Rainer Burelbach bedauert es, dass sich auf dem Traditionsfest dieses Jahr keine Jahrgänge, Freunde und Vereine treffen können: „Das schmerzt!“ Er vermisse den Weinmarkt schon jetzt.

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Der Termin am 4. Juli ist für die Öffentlichkeit aufgrund der strengen Maßnahmen nicht zugänglich, da in der Krise zuletzt nur Veranstaltungen bis maximal 100 Personen erlaubt waren. (Die Zahl wurde am Donnerstagmittag allerdings von der hessischen Landesregierung auf 250 angehoben.) Auch die Platzverhältnisse im Amtshof würden eine Ansammlung von mehr als 70 Menschen nicht zulassen, so Michael Lortz. „Wir wären mit der Krönung turnusgemäß ohnehin an der Reihe“, verweist er auf die abwechselnden Austragungsorte Heppenheim und Bensheim. Heike Knapp wird die Krone bis zum Winzerfest 2021 tragen, startet also die Längere der beiden möglichen Amtszeiten.

Enttäuschung bei Jana Petermann

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Ihre Vorgängerin machte gestern aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. Es sei alles nicht so verlaufen, wie sie sich das erhofft hatte. „Ich akzeptiere die Entscheidung des Verbands und gebe die Krone guten Gewissens weiter“, so die 23-Jährige. Intern hatte man Heike Knapp bereits im Januar die Regentschaft zugesagt, so Otto Guthier – noch bevor absehbar war, dass ein nationaler Ausnahmezustand ins Haus steht.

Mit dem muss sich auch Carolin Hillenbrand abfinden. Die Heppenheimerin ist amtierende Deutsche Weinprinzessin und wird den Termin im Amtshof gemeinsam mit Christopher Frank moderieren. Das Deutsche Weininstitut (DWI) habe ihre Präsenz in der Heimat bereits zugesagt, heißt es aus dem Verband.

Für Jana Petermann, die zuvor bereits als Groß-Umstädter Hoheit unterwegs war, ist das Weinjahr im Juli aber längst nicht zu Ende. Im September ist sie eine von sieben Gebietsweinköniginnen, die bei der abgespeckten Wahl zur Deutschen Weinkönigin antreten werden. Neu in diesem Jahr ist, dass alle Bewerberinnen direkt für das Finale qualifiziert sind. An die Stelle einer Vorentscheidung, in der die Jury wie in den Vorjahren sechs Kandidatinnen für das Finale auswählt, tritt eine Fachbefragung, die per Livestream im Internet sowohl von der Jury als auch den Fans mitverfolgt werden kann. Die Entscheidung wird am 25. September vom SWR-Fernsehen live aus dem Neustadter Saalbau übertragen. In der kommenden Woche wird die Bergsträßer Kandidatin den Einspielclip für die Sendung drehen.

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