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Geldanlage - Überflieger Merck muss Federn lassen / Fraport mit kräftigem Kursanstieg / Wechselhafte Herbststimmung an der Börse

Aktien der Region mit Einbußen, aber noch nahe an den Rekordhöhen

Von 
Michael Roth
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Die Aktien des Flughafenbetreibers Fraport – im Bild eine Sicherheitsschleuse – dürften nach Einschätzung einer Analystin in puncto Erholung des Flugverkehrs die Konkurrenz abhängen. © Uwe Anspach dpa

Bergstraße. So wechselhaft das Herbstwetter dieser Tage, so wechselhaft ist auch die Stimmung an der Börse. Die Börsenspezialisten von IG Markets wollen zunächst neue Inflationsdaten und die Berichte der Unternehmen über das dritte Quartal abwarten, ehe sie eine Vorhersage wagen.

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Drei Regionen – drei Depots: Das Aktienranking des Bergsträßer Anzeigers

Der Bergsträßer Anzeiger hat verschiedene regionale Aktiendepots zusammengestellt und berichtet in regelmäßigen Abständen über die Entwicklung dieser (fiktiven) Geldanlagen.

Im Depot Bergstraße/Südhessen sind die Anteilsscheine des Dentaltechnikweltmarktführers Dentsply Sirona enthalten, ebenso die Papiere von TE Connectivity. Beide Konzerne sind an US-Börsen notiert. Für den besseren Vergleich werden Euro-Wechselkurse verwendet. Mit von der Partie sind die Anteilsscheine des Flurfördertechnikunternehmens Jungheinrich und des Zwingenberger Biotechunternehmens Brain. Nicht fehlen darf natürlich der Dax-Konzern Merck aus Darmstadt.

Im Depot Rhein-Neckar liegen Aktien des Softwarekonzerns SAP, des Mannheimer Energieversorgers MVV, von Südzucker, dem Schmierstoffkonzern Fuchs Petrolub sowie der BASF.

Das Depot Rhein-Main enthält Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank, sowie von Lufthansa und Fraport. Hinzu kommt der Bad Homburger Fresenius-Konzern. mir

Dass die zuletzt ungekannt hohen Inflationsraten vorübergehend sein werden, ist immer weniger glaubhaft. Und dabei sind neue Belastungen einer neuen Bundesregierung, etwa bei Gas-, Strom- und Spritpreisen, noch nicht in den aktuellen Preissteigerungsdaten enthalten. Steigende Preise könnten die Notenbanken auf den Plan rufen, ihre Geldpolitik zu straffen und auch Zinsen zu erhöhen, was wiederum die Aktienkurse treffen würde. Daher nehmen viele Anleger derzeit lieber an der Seitenlinie Platz.

In der Region mussten die Anleger im Depot Bergstraße/Südhessen in den vergangenen Wochen Einbußen von sechs Prozent hinnehmen. Der absolute Wert ist aber immer noch der dritthöchste in den vergangenen Jahren. Leichte Einbußen von gut einem Prozent verzeichnete auch das Depot Rhein-Neckar. Aufwärts aus einem tiefen Tal ging es für die Papiere des Depots Rhein-Main mit einem Plus von drei Prozent.

Alle Aktien gaben nach

Im Depot Bergstraße/Südhessen gaben alle Aktien nach. Selbst Überflieger Merck ließ Federn. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern dürfte im dritten Quartal solide abgeschnitten haben, meint Wimal Kapadia vom US-Analysehaus Bernstein Research. Angesichts der jüngsten Rally aber hätten neutral eingestellte Anleger aktuell keinen Anreiz, auf den gegenwärtigen Bewertungsniveaus bei jedem Kursschub nach oben einzusteigen. Optimistischer ist die US-Bank JPMorgan nach einer Investorenveranstaltung. Die Manager blickten optimistisch auf das Wachstumspotenzial des Pharmaunternehmens, schrieb Analyst Richard Vosser. Wachstum sollten dabei das bestehende Medikamentenportfolio und neue Mittel liefern.

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Auf einem Abwärtstrend bewegten sich auch die Aktien von TE Connectivity und Dentsply Sirona. Hier werden Impulse erst von den Quartalszahlen erwartet, die Ende Oktober beziehungsweise Anfang November veröffentlicht werden. Das Zwingenberger Biotechunternehmen Brain verschaffte sich mit einer Kapitalerhöhung frisches Geld. Es soll dazu dienen, die Entwicklung in der Produktpipeline zu beschleunigen und ist auch für Zukäufe gedacht. Die Börse scheint das nicht so recht zu überzeugen. Der Kurs liegt derzeit unter dem Ausgabekurs der Kapitalerhöhung.

Deutlich abwärts für Jungheinrich

Deutlich abwärts ging es mit der Jungheinrich-Aktie in den vergangenen Wochen. Und das obwohl der Vorstand betont habe, dass die Nachfrage bei dem Gabelstaplerhersteller weiterhin stark sei, berichtet Philoppe Lorrain von der Privatbank Berenberg. Demnächst stellt das Unternehmen seine Strategie 2025+ vor. Dann werden neue Impulse und Ziele erwartet.

Im Depot Rhein-Neckar hielt sich das Schwergewicht BASF in den vergangenen Wochen stabil. Wenngleich der Aktienkurs unter den Werten des Sommers liegt. Chetan Udeshi von JPMorgan bringt es auf den Punkt. BASF sei kurzfristig ebenso wie die gesamte Branche Unsicherheiten durch den holprigen Automarkt, eine möglicherweise nachlassende Nachfragedynamik in China und die steigenden Energiepreise in Europa ausgesetzt, wenngleich das Öl- und Gasgeschäft dagegen einen gewissen Schutz biete.

Nach Sinkflug wieder aufwärts

Bei SAP geht es nach dem Sinkflug im September seit Anfang Oktober wieder steil nach oben. Knut Woller von der Baader Bank glaubt, dass die mittelfristigen Pläne des Konzerns bis 2025 angesichts der aktuellen Geschäftsentwicklung eher vorsichtig formuliert erscheinen. Der Wandel des Geschäftsmodells hin zu weniger Schwankungen bei Umsatz und Gewinn sei nach wie vor nicht in den Aktienkurs eingepreist. Und kurz nach Wollers Analyse teilte SAP mit, dass Umsatz und Erwartungen im dritten Quartal übertroffen wurden. Außerdem wurde die Jahresprognose erhöht.

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Die MVV Energie hat diese Tage ihre Klimaziele verkündet. Fernwärme soll vor allem aus der Müllverbrennung kommen. Dazu noch aus Biomasse und Flusswärmepumpen. Strom aus erneuerbaren Quellen. Die Börse honorierte das mit einem Kursplus.

Licht und Schatten in Rhein-Main

In der Mannheimer Nachbarschaft erholt sich Fuchs Petrolub vom Kursrutsch von Anfang Oktober. Oliver Schwarz von der Investmentbank Warburg Research meint, dass der Rückgang des Aktienkurses wegen der jüngsten Entwicklung der überzogen scheinen. Denn der Schmierstoffkonzern entwickle sich im zweiten Halbjahr 2021 stabil und dürfte 2022 die operativen Gewinnmargen steigern.

Im Depot Rhein-Main wechseln sich bei der Deutschen Bank Licht und Schatten in der jüngsten Vergangenheit. Zuletzt war wieder etwas mehr Licht. Regulatorische Anforderungen an das Eigenkapital erschweren hier die Renditen und die Kosten für die Digitalisierung spiegeln sich in den niedrigen Bewertungen der Banken wider. Gleiches gilt nach Ansicht vieler Analysten auch für die Commerzbank.

Dass die Lufthansa Staatshilfen zurückzahlt, freut nicht nur den Steuerzahler. Auch Aktionäre werten das als positives Zeichen. Rishika Savjani von der britischen Investmentbank Barclays meint, das die europäischen Fluggesellschaften von einem deutlichen Anstieg der Nachfrage auf den europäischen Kurzstrecken profitiert haben. Allerdings sehe sie die exponierten Langstrecken-Airlines bei der erwarteten Erholung im Hintertreffen. Savjani bevorzugt weiterhin die Aktien der Billigflieger als strukturelle Gewinner und bleibt für die Lufthansa trotz der nun abgeschlossenen Kapitalerhöhung vorsichtig.

Flugverkehr im Visier

Besser sieht es für Fraport aus. Die Papiere des Flughafenbetreibers machten einen kräftigen Sprung nach oben und sind der Favorit der Analystin Ruxandra Haradau-Doser von der Investmentbank Kepler Cheuvreux im Bereich Airlines und Airports. In puncto Erholung des Flugverkehrs dürften sie die Konkurrenz abhängen, schrieb sie in einer Studie.

Fresenius könnte ebenfalls weiter zulegen. Die britische Investmentbank Barclays bleibt nach einer Umfrage unter orthopädischen Chirurgen zuversichtlich. Andere Analysten heben das Zukunftspotenzial der gesamten Pharmabranche hervor, von der auch Fresenius profitieren dürfte.

Chefredaktion

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