Geldanlage - Bangen vor einer Verschärfung des Lockdowns / Mit Spannung erwartete Quartalszahlen / Vorschusslorbeeren an der Börse für TE Connectivity Aktien aus Südhessen erwischen den besten Start ins neue Jahr

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Michael Roth
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Matthias Lechner, Senior Vice President von TE Connectivity, mit einem Automodell, das die Vielzahl verschiedener Bauteile zeigt, die sein Unternehmen liefert. © Funck

Bergstraße. Mit einem sehenswerten Plus von rund fünf Prozent im Vergleich zu Mitte Dezember sind die Aktien des Depots Südhessen/Bergstraße in das neue Jahr gestartet. Stabil hat sich das Depot Rhein-Neckar gehalten, weiter abwärts ging es im Depot Rhein-Main. Das sind die Ergebnisse des ersten Aktienrankings des BA für das Jahr 2021.

Drei Regionen – drei Depots: Das Aktienranking des Bergsträßer Anzeigers

Der Bergsträßer Anzeiger hat verschiedene regionale Aktiendepots zusammengestellt und berichtet in regelmäßigen Abständen über die Entwicklung dieser (fiktiven) Geldanlagen.

Im Depot Bergstraße/Südhessen sind die Anteilsscheine des Dentaltechnikweltmarktführers Dentsply Sirona enthalten, ebenso die Papiere von TE Connectivity. Beide Konzerne sind an US-Börsen notiert. Für den besseren Vergleich werden Euro-Wechselkurse verwendet. Mit von der Partie sind die Anteilsscheine des Flurfördertechnikunternehmens Jungheinrich und des Zwingenberger Biotechunternehmens Brain. Nicht fehlen darf natürlich der Dax-Konzern Merck aus Darmstadt.

Im Depot Rhein-Neckar liegen Aktien des Softwarekonzerns SAP, des Mannheimer Energieversorgers MVV, von Südzucker, dem Schmierstoffkonzern Fuchs Petrolub sowie der BASF.

Das Depot Rhein-Main enthält Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank, sowie von Lufthansa und Fraport. Hinzu kommt Opel-Eigentümer PSA (Peugeot). mir

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Wie es an der Börse weiter geht, ist dieser Tage wieder offener denn je. Waren in den vergangenen Wochen und Monaten Hoffnungen auf einen Impfstoff und damit das Ende der Corona-Pandemie sowie den folgenden wirtschaftlichen Aufschwung schon in den Aktienkursen eingepreist, macht sich nun wieder Skepsis breit.

Die Angst nimmt zu

Mit Sorgenfalten beobachten Anleger die Maßnahmen der Politik zu einem schärferen Lockdown. Bei manchen macht sich sogar Resignation breit, haben die Experten von CMC Markets beobachtet. Die Angst nehme zu, dass sich durch noch stärkere Einschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens die konjunkturelle Erholung umkehre.

Hinzu kommt, dass viele börsennotierte Unternehmen in den nächsten Tagen ihre Zahlen zum vierten Quartal und zum Jahr 2020 bekanntgeben. Hier droht ebenfalls Ungemach. Die großen amerikanischen Banken haben am vergangenen Freitag zwar bessere Quartalszahlen als befürchtet geliefert. Aber ihre Aktienkurse sanken trotzdem. Das könnte ein Vorgeschmack auf die gesamte Berichtssaison sein.

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Im Depot Bergstraße Südhessen erntete TE Connectivity bisher den größten Vorschusslorbeer an der Börse. Die Aktie legte in den vergangenen vier Wochen kräftig zu. Den jüngsten Schub gab es dieser Tage nach einer Präsentation zu neuesten Trends bei Hybrid- und Elektroautos bei einer Konferenz der US-Bank J.P. Morgan. Seit zehn Jahren investiert TE schon an der Technologie für solche Antriebe und arbeitet heute mit allen führenden Herstellern zusammen. Mit der wachsenden Zahl von Elektro- und Hybridautos erwartet TE „starkes Wachstum“, hieß es bei der Konferenz.

Merck-Papiere im Höhenflug

Stabil hielt sich in den vergangene Wochen die Aktie von Jungheinrich. Das Unternehmen dürfte im vierten Quartal stark abgeschnitten haben, mein Analyst Alexander Hauenstein von der DZ Bank. Die anziehende Gabelstapler- und Logistikautomationsnachfrage sowie die Umsetzung der Strategie „2025+“ könnten für positive Überraschungen sorgen.

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Ebenfalls auf Vormonatsniveau hielt sich die Aktie des Zwingenberger Biotechnologieunternehmens Brain. Vergangene Woche wurde das Ziel bekräftigt, in vier Jahren einen operativen Gewinn zu erwirtschaften. Außerdem soll der Schwerpunkt Produktgeschäft ausgebaut werden. Zuletzt wurde das mit einer Partnerschaft mit dem französischen Unternehmen Roquette untermauert, mit dem ein Süßstoff im industriellen Maßstab hergestellt wird.

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Seinen Höhenflug fortgesetzt hat das Papier des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns Merck. 2021 könnte im Life-Science-Geschäft (Laborausrüstung) ähnlich gut laufen wie 2020, mein Analyst Richard Voser von J.P. Morgan. Etwas skeptischer ist Mark Purcell von der US-Investmentbank Morgan Stanley. Der Konzern zeichne sich durch ein vergleichsweise defensiv aufgestelltes Medikamentenportfolio aus, meint er.

Beim Dentaltechnikkonzern Dentsply Sirona wurde der Höhenflug der Aktie zum Jahresstart in den letzten Tagen erstmal gestoppt. Konzernchef Don Casey präsentierte vergangene Woche auf der Konferenz von J.P. Morgan. Daraufhin ging der Aktienkurs leicht zurück.

Im Depot Rhein-Neckar hat die Aktie der BASF zugelegt. Der Chemiekonzern stehe 2021 vor der größten Ergebnisverbesserung seit dem Ende der globalen Finanzkrise, meint Analyst Sebastian Bray von der Berenberg Bank. Die Aussichten für das Agrarchemiesegment seien ebenso positiv, wie jene für den Öl- und Gasbereich. Skeptischer ist die US-Investmentbank Goldman Sachs. Angesichts der verbesserten konjunkturellen Aussichten hob die Analystin Georgina Iwamoto ihre Schätzungen zwar an. Die Aktien des Chemiekonzerns seien nach der starken Kursentwicklung aber fair bewertet.

Kurserholung von kurzer Dauer

Beim Softwarekonzern SAP war die Kurserholung nach dem Rückschlag im vergangenen Herbst nur von kurzer Dauer. Der Aktienkurs sank wieder. Gleichwohl sind die Analysten optimistisch. Mark Moerdler vom US-Analysehaus Bernstein Research sprach von einem zuletzt guten Quartalsergebnis und einem ermutigenden Ausblick. Er sieht seine optimistische Einschätzung untermauert.

Die Aktien des Mannheimer Schmierstoffkonzerns Fuchs Petrolub stiegen nach einem guten Schlussquartal. Die Kennziffern des Schmierstoff-Herstellers seien zuletzt unerwartet stark ausgefallen, meint Analystin Eleanor Seddon von der Schweizer Großbank UBS. Ihre Befürchtungen hinsichtlich hoher Rohstoffpreise seien aber noch intakt.

Bei Südzucker war Analyst Lars Lusebrink von Independent Research vom Nettoergebnis in den jüngsten Quartalszahlen enttäuscht. Der erst im Dezember gesenkte Jahresausblick des Konzerns sei erwartungsgemäß bestätigt worden, diesen hält der Experte für erreichbar. Oliver Schwarz von Warburg Research merkt an: Da das Unternehmen sich durch entsprechende Kontrakte vorab festgelegt habe und profitiere deshalb nicht von der weltweiten Zuckerpreiserholung. Diese ungünstige Situation bleibe bis Anfang Oktober bestehen.

Im Depot Rhein-Main machte die Aktie der Deutschen Bank etwas Boden gut. Die Erlöse der Investmentbanken dürften im vierten Quartal stark geblieben sein, schrieb Analyst Amit Goel von Barclays. Auch das verwaltete Vermögen sollte sich günstig entwickelt haben. Die Aktie der Deutschen Bank sei im Vergleich zu den eidgenössischen Alternativen aber am wenigsten attraktiv. Magdalena Stoklosa von der US-Investmentbank Morgan Stanley meint, dass die Deutsche Bank zwar mit der Umsetzung ihrer Strategie vorankomme, nichtsdestotrotz aber noch viel Arbeit vor sich habe.

Leicht im Plus war auch die Commerzbank-Aktie. Angesichts der jüngst angekündigten Abschreibungen und weiterer Kosten stellten sich nun Fragen zum Eigenkapital der Bank, heißt es in einer Studie von Credit Suisse. Wie realistisch sei es, dass die Commerzbank über ihrem Kernkapitalquoten-Ziel bleibt und wie viel Kapitalflexibilität habe das Geldhaus, um die vom Markt erwartete, umfangreiche Umstrukturierung zu unterstützen?

Vom Pandemie-Verlauf abhängig

Kaum eine Aktie hängt so vom Verlauf der Corona-Pandemie ab wie die Lufthansa. Für europäische Fluggesellschaften sei der Ausblick auf die erste Hälfte 2021 düster, so Analystin Venetia Baden-Powell von der US-Investmentbank Goldmann Sachs. Mit zunehmenden Impfungen sollten sie sich aber im zweiten Halbjahr erholen.

Vergleichbares gilt für die Flughafenbetreiber Fraport in Frankfurt. Die erste Hälfte 2021 dürfte weiter von den Lockdowns geprägt sein, bevor es im zweiten Halbjahr im Zuge der Impfungen Signale einer deutlichen Erholung geben sollte, so Analystin Elodie Rall von J.P. Morgan. Mautstraßenbetreiber bevorzugt sie zwar weiterhin gegenüber Flughafenbetreibern, jedoch nicht mehr so deutlich wie bisher.

Welche Folgen die Fusion der Opel-Mutter PSA und Fiat-Chrysler zu Stellantis auf die Rüsselsheimer und die Börsenkurse hat, wird sich noch zeigen. Opel meldet für das vergangene Jahr jedenfalls einen Absatzrückgang von mehr als einem Drittel.

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