Aktienranking - Der Börse fehlen Impulse für weitere Kurssteigerungen / Immerhin sind die Abwärtsrisiken nicht allzu groß / Konjunkturerholung im Jahresverlauf in Sicht Aktien aus der Region auf hohem Niveau stabil

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Michael Roth
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Warten auf bessere Zeiten: Die Lufthansa muss – wie alle Airlines – aufgrund der Corona-Pandemie und des dadurch dramatisch reduzierten Luftverkehrs zahlreiche nicht benötigte Passagiermaschinen parken. © Uli Deck/dpa

Bergstraße. Etwas lustlos präsentierten sich in den vergangenen vier Wochen die Aktien in den verschiedenen Depots im Rahmen des BA-Aktienrankings. Aber für die gesamte Börse gilt derzeit: Für einen nachhaltigen Sprung nach oben fehlt es an Impulsen, meinen die Börsenspezialisten von IG Market. Immerhin stehen die Kurse auf einem soliden Fundament. Große Abwärtsrisiken sind auch nicht in Sicht. Die Stimmung in der Industrie hellt sich weiter auf. Sie war laut ZEW-Barometer auf dem höchsten Stand seit September vergangenen Jahres. Und es wird von einer deutlichen Erholung der Konjunktur im Jahresverlauf ausgegangen.

Drei Regionen – drei Depots: Das Aktienranking des Bergsträßer Anzeigers

Der Bergsträßer Anzeiger hat verschiedene regionale Aktiendepots zusammengestellt und berichtet in regelmäßigen Abständen über die Entwicklung dieser (fiktiven) Geldanlagen.

Im Depot Bergstraße/Südhessen sind die Anteilsscheine des Dentaltechnikweltmarktführers Dentsply Sirona enthalten, ebenso die Papiere von TE Connectivity. Beide Konzerne sind an US-Börsen notiert. Für den besseren Vergleich werden Euro-Wechselkurse verwendet. Mit von der Partie sind die Anteilsscheine des Flurfördertechnikunternehmens Jungheinrich und des Zwingenberger Biotechunternehmens Brain. Nicht fehlen darf natürlich der Dax-Konzern Merck aus Darmstadt.

Im Depot Rhein-Neckar liegen Aktien des Softwarekonzerns SAP, des Mannheimer Energieversorgers MVV, von Südzucker, dem Schmierstoffkonzern Fuchs Petrolub sowie der BASF.

Das Depot Rhein-Main enthält Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank, sowie von Lufthansa und Fraport. Hinzu kommt Opel-Eigentümer PSA (Peugeot). mir

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Andererseits, so warnen die Börsenexperten von CMC Markets, steigt mit jedem Tag in der Warteschleife die Bereitschaft an der Börse zu Verkäufen und Gewinnmitnahmen, um später noch einmal günstiger einsteigen zu können. Alles in allem sieht es derzeit nach einer Konsolidierung auf hohem Niveau aus.

Merck-Kurs bröckelt leicht

Im Depot Südhessen/Bergstraße haben die Papiere des Gabelstaplerherstellers Jungheinrich, mit seiner Niederlassung in Bensheim, ihren Höhenflug fortgesetzt. Und die Perspektiven dürften nach Ansicht von Philippe Lorrain von der Berenberg Bank solide bleiben.

Die Papiere des Darmstädter Merck-Konzerns sind nach einer starken Entwicklung zuletzt etwas abgebröckelt. Aktienanalystin Rosie Turner von der britischen Investmentbank Barclays meint, dass die Berichtssaison im Pharmasektor derzeit bestenfalls gemischt verlaufe und die Ausblicke von der Pandemie-Unsicherheit geprägt seien.

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Kräftige Zuwächse zeigt hingegen der Aktienkurs von TE Connectivity. Der Elektronikspezialist profitiert von der Entwicklung hin zu E-Autos. Und hat sich gerade an der Börse 550 Millionen Dollar über eine Anleihe beschafft, um die Kasse für Investitionen zu füllen.

Warten auf Zahlen von Sirona

Dentsply-Sirona-Papiere hingegen gaben etwas nach. Hier dürfte die Börse auf die nächsten Quartalszahlen des Dentaltechnikkonzerns Anfang März warten. Die Analystenschätzungen gehen hier allerdings von geringeren Umsätzen und niedrigeren Gewinnen aus. Der Aktienkurs des Zwingenberger Biotechnologieunternehmens Brain legte zu und hält sich jetzt schon seit Jahresbeginn über dem Wert von neun Euro. Zu diesem Preis ging das Unternehmen 2016 an die Börse.

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Im Depot Rhein-Neckar legte die BASF leicht zu. Markus Mayer, Börsenexperte der Baader Bank, glaubt, dass sich Chemieaktien schneller und stärker erholen, als derzeit erwartet.

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Ebenfalls Boden gut machte das SAP-Papier. Mark Moerdler vom US-Analysehaus Bernstein Research meint, dass der Softwarekonzern bei der Umstellung seiner Kunden auf Cloud-Lösungen im frühen Stadium sei. Zuletzt hatten auch Quartalszahlen über den Erwartungen an der Börse gelegen.

Beim Energiekonzern MVV ist der Aktienkurs aufgrund der geringen Liquidität an der Börse kaum relevant. Doch aus Mannheim gibt es jetzt eine höhere Dividende.

Banken vor Sparrunden

Ein leichtes Plus verzeichnet der Schmierstoffkonzern Fuchs Petrolub. Andrew Stott von der Schweizer Großbank UBS verweist auf frühe positive Signale im Chemiesektor für das erste Quartal 2021.

Im Depot Rhein-Main tritt die Aktie der Deutschen Bank auf der Stelle. Doch es könnte bald aufwärts gehen. Nicolas Payen, Aktienspezialist vom Analysehaus Kepler Cheuvreux, glaubt, dass die Bank in der Restrukturierung bedeutende Fortschritte gemacht habe. Bei den Erträgen bringe außerdem die starke Dynamik im Investmentbanking bedeutenden Rückenwind. In die andere Richtung könnte es für die Commerzbank gehen. Das Papier gab nach und Jan Lennertz von Independent Research glaubt, dass der neue Umstrukturierungsplan „Strategie 2024“ sehr ambitioniert klinge.

Fragliche Reisesaison

Die Aktien von der Corona-Pandemie heftig gebeutelten Konzernen Lufthansa und Fraport kommen nur ganz langsam aus ihrem Tief heraus. Gleichwohl: In Netzwerk-Airlines zu investieren, sei im aktuellen Umfeld eine heikle Sache, so Analyst Daniel Roeska von Bernstein Research. Der Winter sei trostlos und die nur schleppenden Impf-Fortschritte gefährdeten die Nachfrage nach Sommer-Reisen. Vor diesem Hintergrund verlören die Airlines weiter Barmittel und müssten zusätzliche Kapitalquellen erschließen. Lufthansa könnte noch weitere Bereiche veräußern und so besser durch die Krise kommen.

Bei Fraport stößt Arthur Truslove von der Schweizer Bank Credit Suisse ins gleiche Horn. Wegen der Abhängigkeit des Flughafenbetreibers von der Lufthansa und von Geschäftsreisen könnte die Umsatzerholung enttäuschen.

Einen Wechsel gibt es im Rhein-Main-Depot. Statt des Aktienkurses des Opel-Mutterkonzerns PSA wird nach dessen Fusion mit Fiat-Chrysler zu Stellantis dieses Papier in das Depot aufgenommen. Auch hier spielt Opel noch eine wichtige Rolle. Erste valide Zahlen will der fusionierte Konzern Anfang März vorlegen.

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