Coronavirus - Ein türkisches Ärztepaar möchte in Bensheim mit anpacken – doch die Rückmeldung steht aus Ärzte wollen beim Impfen helfen, warten aber seit Wochen vergeblich

Von 
Sina Roth
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Impfzentrum Bergstraße am Berliner Ring in Bensheim: Hier würde ein türkisches Ärzte-Ehepaar gerne mithelfen. Gleich Anfang Dezember haben sie ihre Bewerbung abgeschickt. Bis heute warten sie auf eine substanzielle Rückmeldung, denn außer einer Bitte um Geduld kam bislang keine Antwort bei ihnen an. © Thomas Neu

Bergstraße. Integrationshelferin Karin Bormann unterstützt ein türkisches Ärzte-Ehepaar, das im Bergsträßer Impfzentrum am Berliner Ring mit anpacken möchte. Anfang Dezember haben sich die beiden beworben und warten seitdem vergebens auf eine Antwort des Kreises Bergstraße. Noch immer ist ungewiss, ob sie helfen dürfen oder nicht. „Ein Unding“, findet Bormann, die sich im Namen des Paares an die Zeitung gewandt hat.

Am 3. Dezember beworben

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„Ich arbeite ehrenamtlich als Integrationsbegleiterin und habe das türkische Ärzteehepaar bereits Anfang Dezember auf die Möglichkeit der Unterstützung im Impfzentrum in Bensheim hingewiesen. Beide waren sofort Feuer und Flamme und haben sich auch gleich einzeln beworben. Das war am 3. Dezember.“

Bis zum 18. Dezember haben die beiden gar nichts mehr gehört, berichtet die Bensheimerin am Telefon. „Dann kam eine kurze Mitteilung an den Mann. Die Ehefrau erhielt nichts“, so Bormann.

„Mittlerweile gab es eine Besichtigung des Impfzentrums in Bensheim – speziell für Ärzte. Aber nur für andere. Am 7. Januar habe ich dann per E-Mail beim zuständigen Bearbeiter der Kreisverwaltung nachgefragt. Aber … oh Wunder … auch hier keine Antwort. Am 12. Januar konnte ich den Herrn telefonisch erreichen“, berichtet sie.

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Freundlich habe ihr der Man am Telefon erklärt, dass bei der Kreisverwaltung lediglich der Eingang der Bewerbungen bearbeitet werde und alles Weitere vom Gesundheitsamt aus erfolge. Zwei Tage nach diesem Telefonat kam ein Schreiben an das Ehepaar an, sie mögen sich bitte noch gedulden. In Kürze kämen weitere Informationen.

„Sehr ärgerlich“

„Heute, nach über vier Wochen, ist in Kürze wohl immer noch nicht. Aber sowohl in der Zeitung als auch im Internet wird nach weiteren Ärzten und Unterstützern gesucht! Ich finde es – gelinde gesagt – sehr ärgerlich, dass es hier Menschen gibt, die Hilfe anbieten, auch ehrenamtlich, und dann keinerlei Informationen bekommen, ob ihr Angebot angenommen wird oder nicht. Vielleicht sollte ich ihnen raten, sich an den Kreis Darmstadt-Dieburg zu wenden oder aber sich in Richtung Worms zu orientieren? Vielleicht erfahren sie dort Wertschätzung und man lässt sie nicht so im Ungewissen?“ Beide seien ausgebildete Ärzte und wollen helfen. Hier. In ihrer neuen Heimat. „Und für beide wäre es ein Schritt in Richtung Integration“, fährt Bormann fort. „Warum lässt man die beiden dermaßen hängen? Schade um den Versuch von Engagement und Integration.“

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Auf eine Anfrage dieser Zeitung antwortete Johannes Bunsch, Pressesprecher des Kreises Bergstraße: „Grundsätzlich können Ärzte und Ärztinnen mit ausländischen Studienabschlüssen nur dann als Ärzte im Impfzentrum beschäftigt werden, wenn Sie eine deutsche Approbation als Humanmediziner vorlegen können. Liegt diese nicht vor, ist denkbar, dass die betreffenden Personen als Medizinische Fachkräfte oder Assistenzen tätig werden. Diese Voraussetzungen zu prüfen, dauert mitunter einige Zeit. Zudem haben wir zunächst die Personen unter Vertrag genommen, bei denen die Prüfung persönlicher Voraussetzungen rasch erfolgen konnte.“

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Grundsätzlich sei der Kreis jedoch bemüht, die Beschäftigung im Impfzentrum auch für Menschen zu öffnen, die diesen Einsatz als Startchance in den deutschen Arbeitsmarkt nutzen möchten, berichtet Bunsch. „Inwieweit ausländische Ärzte und Ärztinnen Probleme mit der Anerkennung ihrer Bildungsabschlüsse haben, können wir nicht beurteilen. Allerdings wurde uns berichtet, dass die Wartezeit auf einen Prüfungstermin bis zu einem Jahr betragen kann.“

Antwort soll Ende Februar kommen

Allein über 200 Ärzte haben sich inzwischen beim Kreis Bergstraße gemeldet, „zudem rund 25 Praxen, die mit ganzen Teams arbeiten wollen. Insgesamt kommen wir auf über 1000 Bewerbungen, und es gehen täglich immer noch neue ein.“

Auf die Frage, wann die beiden mit einer Antwort rechnen können, berichtet der Pressesprecher: „In der letzten Februarwoche sollen alle Bewerber, die bisher noch nicht kontaktiert wurden, benachrichtigt werden.“