Bildung - Schulamtsleitung erteilt der Forderung von Unions-Vize Linnemann („Keine Einschulung ohne ausreichende Deutschkenntnisse“) eine klare Absage 262 mehr Bergsträßer Grundschulkinder im neuen Schuljahr

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Gerlinde Scharf
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Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn im Staatlichen Schulamt für die Kreis Bergstraße und Odenwald (von links): Leiter Rainer Kilian, seine Stellvertreterin Susann Hertz und Schulamtsdirektorin Stefanie Werle-Wittmann. © Zelinger

Bergstraße. Schule ist für alle Kinder da, ganz gleich welcher Nationalität sie angehören, welchen kulturellen Hintergrund sie haben und vor allem wie ihre Sprachkenntnisse sind. Rainer Kilian, Leiter des Staatlichen Schulamtes für den Landkreis Bergstraße und den Odenwaldkreis und ebenso die stellvertretende Amtsleiterin Susann Hertz und Schulamtsdirektorin Stefanie Werle-Wittmann ließen auf der jährlichen Pressekonferenz zu Schuljahresbeginn keinen Zweifel daran, dass es Aufgabe der Schule ist, entsprechende Angebote zur Sprachförderung zu machen.

Notizen aus dem Schulbetrieb

Mit der Melibokusschule in Zwingenberg und der Grundschule im Gorxheimertal haben sich zwei weitere Einrichtungen dem Pakt für den Nachmittag angeschlossen.

Privatschulen sind weiter im Trend. Die Zahl der Schüler dieser Einrichtungen im Kreis Bergstraße und im Odenwaldkreis ist auf 2044 gestiegen. Berufliche Schulen werden von 6232 Jugendlichen und jungen Erwachsenen besucht.

Eine Überraschung gab es am ersten Schultag für die Schüler am Goethegymnasium in Bensheim. Schulleiter Jürgen Mescher ist nach einem längeren Auslandsaufenthalt zurück. „Ein Glücksfall“, kommentierte Schulamtsleiter Kilian kurz und bündig. Der alte und neue Direktor ist Nachfolger von Klaus Holl.

Auch am Starkenburggymnasium in Heppenheim wird es eine Veränderung geben. Schulleiter Herwig Bendl, der erst zu Jahresbeginn die Direktorenstelle übernommen hat, hat diese für alle überraschend aus persönlichen Gründen niedergelegt.

Die Nachfolge soll so schnell wie möglich geregelt werden. Die Entscheidung liegt beim Kultusministerium in Wiesbaden. Bis zur Neubesetzung übernehmen Katja Eicke, Gabriele Vogel und Christiane Wüstner die kommissarische Leitung.

Mit drei positiven Nachrichten rückte Direktor Kilian gleich zu Beginn der Pressekonferenz heraus:

Meldung Nummer eins: Das Staatliche Schulamt Heppenheim wurde mit dem Gütesiegel „Familienfreundlicher Betrieb“ ausgezeichnet.

Meldung Nummer zwei: Die Raumnot im Schulamt gehört der Vergangenheit an. Im Nachbargebäude in der Weiherhausstraße wurden zusätzliche Büroräume angemietet.

Meldung Nummer drei: Seit Anfang dieser Woche ist die seit langem vakante Stelle der Dezernentin für berufliche Bildung besetzt. Mit Gabriele Erbach, der früheren stellvertretenden Leiterin der Heinrich-Metzendorf-Schule, habe man eine kompetente Mitarbeiterin gewinnen können. gs

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Ihre Reaktion auf die Forderung von Unions-Vize Linnemann – keine Einschulung ohne ausreichende Deutschkenntnisse – fallen eindeutig aus: „Wir nehmen jedes Kind an, denn Schule und Mitschüler sind das optimale Umfeld und die besten Sprachvorbilder, die es gibt. Es wird niemand ausgegrenzt oder abgelehnt.“ In Hessen – und besonders im Kreis – sei man „gut aufgestellt“, was Fördermöglichkeiten in Intensivklassen und in zweijährigen, flexiblen Schuleingangsphasen (Flex-Klassen) mit pädagogischer Betreuung anbelange, „und wir bekommen ausreichend Unterstützung. Auftrag der Schule ist es, sich zu kümmern“, stellte Kilian unmissverständlich fest. Schließlich seien sowohl Lese- als auch Sprachförderung wichtige Bestandteile für jede Schule.

In einigen Bereichen fehlen Lehrer

Weitaus weniger aufgebracht und mit deutlich niedrigerem Blutdruck gab das Leitungsteam des Staatlichen Schulamtes einen Tag nach dem Ende der Sommerferien die aktuellen Schüler- und Lehrerzahlen für Bergstraße und Odenwaldkreis bekannt.

„Unterm Strich stabil“, aber auch „Wir haben weiterhin Bedarf“ waren die am meisten benutzten Schlagworte und Aussagen von Rainer Kilian für die Prognose 2019/2020. Letzterer Satz bezog sich in erster Linie auf die Lehrerversorgung in den Förderschulen und in Fächern im weiterführenden Bereich wie Mathematik, Physik, Chemie, Musik und Kunst. Als „eine Herausforderung“, bezeichnete Kilian diesen Mangel, der im Raum Bergstraße – der von vielen als attraktive Wohngegend bevorzugt wird – weitaus weniger ins Gewicht falle wie im Odenwald.

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Die Gesamtsituation an Grund-, Förder-, Haupt- und Realschulen, an den Gymnasien und Berufsschulen bewertete er „im Vergleich zu anderen Regionen in Hessen, auch aufgrund unserer geografischen Lage“ als positiv und mit den Worten „komfortabel“ und „weitgehend abgedeckt.“ An allen Grundschulen beschäftige man „ausschließlich ausgebildete Lehrkräfte mit einem zweiten Staatsexamen.“ Summa summarum habe das Land den beiden Landkreisen im neuen Schuljahr 90 neue Lehrer zugewiesen (insgesamt teilen sich 4180 Fachkräfte 2750 Stellen). Dazu kommen 225 Vertretungsverträge für Notfälle wie Langzeiterkrankungen.

Geräuschloser Übergang

Wie nicht anders zu erwarten war, gibt es aktuell mehr Grundschüler als noch in den Jahren zuvor. Allein im Kreis Bergstraße sind es 9331 Kinder, was eine Steigerung gegenüber dem letzten Schuljahr um 262 Schüler bedeutet. „Der Start ist gelungen“, kommentierte der Leiter des Staatlichen Schulamtes nach Rücksprache mit Kollegen die Lage nach den Sommerferien.

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Für 2400 Bergsträßer Erstklässler – fünfzig mehr als 2018/19 – beginnt erst am heutigen Dienstag der Ernst des Lebens. Dazu kommen nochmals 750 Schulanfänger im Odenwaldkreis (minus 42). Nicht anders sieht die Rechnung für die Schüler im Kreis Bergstraße aus, die ein Gymnasium (G9) besuchen. Hier gibt es eine Steigerung von 304 Jugendlichen von 3905 in 2018/19 auf 4209 in 2019/20.

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Durchweg positiv fiel die Bewertung der Schuldirektoren im Bereich inklusiver Unterricht – im Kreis Bergstraße wird er von 475 Schülern besucht – aus. Allen Elternwünschen sei man nachgekommen. Zudem habe man an der Schillerschule in Bürstadt in Kooperation mit der Jugendhilfe das Pilotprojekt einer Familienklasse und eines von drei kreisweiten inklusiven Schulbündnissen als Präventivmaßnahe gestartet.

Zufrieden zeigte sich das Schulamtsteam auch mit dem völlig geräuschlosen Übergang der Grundschüler auf weiterführende Einrichtungen. „Im gymnasialen Bereich gab es keine Notwendigkeit, irgendwelche Lenkungen vorzunehmen. Unsere Gymnasien haben genügend Kapazitäten, so dass die Favoriten der Eltern berücksichtigt wurden.“ Fazit: „Es gab keinen einzigen Widerspruch.“

Angesprochen auf die Raumnot – unter anderem an Grundschulen in Lorsch und Bensheim – nahmen Kilian, Hertz und Werle-Wittmann Bezug auf die Schulentwicklungspläne für den Kreis Bergstraße und Odenwaldkreis. Man führe deshalb intensive Gespräche mit dem Schulträger, denn „Schule braucht mehr Platz.“ Fest stehe aber, dass keine einzige Klasse ohne einen eigenen Schulraum auskommen müsse: „Die Container von früher sind out. Heute werden die Schüler vorübergehend in bestens ausgestatteten Raummodulen unterrichtet.“

Freie Autorenschaft Seit vielen Jahren "im Geschäft", zunächst als Redakteurin beim "Darmstädter Echo", dann als freie Mitarbeiterin beim Bergsträßer Anzeiger und Südhessen Morgen. Spezialgebiet: Gerichtsreportagen; ansonsten alles was in einer Lokalredaktion anfällt: Vereine, kulturelle Veranstaltungen, Porträts. Mich interessieren Menschen und wie sie "ticken", woher sie kommen, was sie erreiche haben - oder auch nicht-, wohin sie wollen, ihre Vorlieben, Erfolge, Misserfolge, Wünschte etc.