PolitbarometerJuni I 2021 (KW 23 - Teil 2)

Kanzlerkandidatur: Weder Laschet, Scholz noch Baerbock können überzeugen

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dls / Forschungsgruppe Wahlen
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Das Vertrauen in Annalena Baerbock ist – nachdem es zuletzt sichtbar gestiegen war – wieder deutlich gesunken. Foto: Michael Kappeler/dpa © Michael Kappeler/dpa

Mannheim. In der Frage, wer sich als Kanzler oder Kanzlerin eignet, kann weiterhin keiner der drei Protagonisten überzeugen. Allerdings sind die Zweifel an Armin Laschet und Olaf Scholz jetzt geringfügig schwächer als Anfang Mai, das Vertrauen in Annalena Baerbock ist – nachdem es zuletzt sichtbar gestiegen war – jetzt wieder deutlich gesunken. Nach 42% vor fünf Wochen meinen aktuell 48% der Deutschen, dass Olaf Scholz die Eignung zum Kanzler hat, 45% (Mai-I: 50%) meinen das nicht. Für 43% (Mai-I: 37%) hat Armin Laschet das Zeug zum Kanzler, mit 49% (Mai-I: 56%) ist fast die Hälfte der Deutschen gegenteiliger Meinung. Dass Annalena Baerbock die notwendige Qualifikation für das höchste Regierungsamt mitbringt, meinen aktuell 28% (Mai-I: 43%), 64% (Mai-I: 50%) sind in diesem Punkt skeptisch, wobei sich die Zweifel an Baerbocks Eignung deutlich stärker als bei den anderen Kandidaten mit dem Misstrauen älterer Menschen begründen. Und während im Lager der Grünen bzw. der SPD mit 77% bzw. 76% weiterhin die meisten meinen, dass Baerbock bzw. Scholz Kanzlerin bzw. Kanzler könnten, bleibt bei Laschet das Zutrauen unter Unionsanhängern mit 63% nach wie vor relativ verhalten.    

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Politbarometer

Vom 07.06. bis 09.06.2021 hat die Forschungsgruppe Wahlen 1.232 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in Deutschland telefonisch befragt; dabei wurden Festnetz- und Mobilfunknummern berücksichtigt. Nächstes bundesweites Politbarometer: Freitag, der 25.06.2021.

Gewünschte/r Bundeskanzler/in

Nach den Veränderungen bei politischer Grundstimmung und Kanzler/innen-Eignung verschieben sich auch die Präferenzen in der K-Frage. Im Duell  Armin Laschet gegen Annalena Baerbock favorisieren jetzt 59% (Mai-II: 46%) den Unionskandidaten als Bundeskanzler, 31% (Mai-II: 42%) sind für die Kandidatin der Grünen. Laschet ist hier klar der Favorit der älteren und mittleren Generation, Baerbock liegt jedoch bei den unter 40-Jährigen vorne und punktet – unabhängig vom Alter – stärker bei denjenigen mit formal höherem Bildungsniveau.

Bei der Wahl zwischen Armin Laschet und Olaf Scholz hätten 46% (Mai-II: 41%) aller Befragten lieber Laschet und 43% (Mai-II: 45%) lieber Scholz als Regierungschef. Und in der Konstellation Scholz versus Baerbock präferieren 58% (Mai-II: 48%) den SPD-Kandidaten für das Kanzleramt, 32% (Mai-II: 41%) sind hier für die Kandidatin der Grünen.   

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Regierungsführung

Bei den beiden Alternativen einer schwarzen oder grünen Regierungsführung nach der Bundestagswahl wäre 66% (Mai-II: 56%) der Befragten eine Bundesregierung unter Führung der CDU/CSU lieber, 28% (Mai-II: 38%) würden dagegen eine von den Grünen geführte Bundesregierung bevorzugen. Dass – vor diese Wahl gestellt – die Union die nächste Koalition anführen sollte, meinen neben ihren eigenen Anhängern auch die meisten SPD-, AfD-, FDP- und Freien-Wähler-Anhänger.  

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Zufriedenheit mit der Bundesregierung

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Die Arbeit der aktuellen Bundesregierung wird kurzfristig betrachtet etwas verbessert bewertet. Auf der +5/-5-Skala (sehr zufrieden bis sehr unzufrieden) erreicht das Kabinett den Wert 1,2 (Mai-I: 0,9; Mai-II: 0,9). Vor einem Jahr, also wenige Wochen nach dem ersten Shutdown, war die Bewertung mit 1,9 deutlich besser, vor zwei Jahren – also noch vor der Corona-Krise – mit 0,1 deutlich schwächer als heute. Im Detail werden die Leistungen der CDU/CSU in der Regierung jetzt mit 1,1 (Mai-I: 0,8; Mai-II: 0,9) eingestuft, die SPD erreicht 0,7 (Mai-I: 0,7; Mai-II: 0,6).     

Arbeit von Bundesregierung und Bundeskanzlerin

„Alles in allem gesehen“ bewerten 68% (Mai-I: 62%; Mai-II: 66%) der Befragten die Arbeit der schwarz-roten Koalition positiv und 28% (Mai-I: 34%; Mai-II: 29%) negativ. Bei der Kanzlerin sprechen aktuell 83% (Mai-I: 77%; Mai-II: 80%) von einem alles in allem eher guten Job im höchsten Regierungsamt, 16% (Mai-I: 21%; Mai-II: 18%) äußern sich unterm Strich kritisch.     

AfD: Gefährdung der Demokratie

Die AfD erzielt bei Landtagswahlen vor allem im Osten Deutschlands gute Ergebnisse. In diesem Zusammenhang sehen 65% aller Wahlberechtigten – im Detail 66% im Westen und 62% im Osten – eine Gefahr für die Demokratie, für 32% ist das mit Blick auf unsere Staatsform unbedenklich.   

Beurteilung von Spitzenpolitikern in Deutschland

In den Politbarometer Top 10 gibt es Ende Juni keinen einheitlichen Trend: Fünf der zehn nach Meinung der Befragten wichtigsten Politiker/innen legen beim Ansehen zu, darunter Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet, der – kommend von sehr schwachen Werten – aber weiter nur bedingt überzeugt. Zwei Politiker/innen sind unverändert und drei haben Verluste, darunter Gesundheitsminister Jens Spahn und Annalena Baerbock. Im Ranking fällt die Grünen-Kanzlerkandidatin mit einem persönlichen Tiefstwert von -0,2 auf der +5/-5-Skala auf den letzten Platz, was neben weniger guten Noten aus den eigenen Reihen an deutlich wachsender Polarisierung liegt: Neben erheblicher Distanz unter AfD-, FDP- und FW-Anhängern wird Baerbock nun auch im quantitativ großen Unionslager sichtbar negativ gesehen. Insgesamt schwach wird jetzt auch Jens Spahn (0,0) bewertet, dessen im letzten Jahr durchweg gutes Image aber bereits im März sehr deutlich eingebrochen war. Auf den Plätzen acht und sieben stehen bei statistisch unbedeutenden Bewertungsunterschieden Christian Lindner (0,3) und Sahra Wagenknecht (0,3), beide jetzt mit verbesserter Note. Dann auf Platz sechs Armin Laschet (0,6) und auf Platz fünf Robert Habeck (0,6) mit deutlichen Verlusten. Platz vier, und in der Note stabil, für Olaf Scholz (0,9). Markus Söder (1,4) auf Rang drei wird etwas besser bewertet, die Spitzenpositionen zwei und eins halten weiterhin Winfried Kretschmann (1,8) und Angela Merkel (2,2).   

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