Umwelt - Das feuchte Frühjahr kann die Auswirkungen des Klimawandels zwar nicht kompensieren – die Schäden durch Borkenkäfer fallen durch das Wetter aber geringer aus

Wälder im Südwesten nach Niederschlägen erholt?

Von 
Marco Krefting
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Die Lage bleibt angespannt: Seit 2018 sind die Grundwasservorräte aufgrund trockener und heißer Sommer noch nicht wieder gefüllt. © Sebastian Gollnow/dpa

Stuttgart. Der Zustand der Wälder in Baden-Württemberg hat sich infolge des relativ feuchten und kühlen Frühjahrs etwas verbessert. Die Lage ist aus Sicht von Experten aber weiter angespannt, weil die Grundwasservorräte nach den trockenen und heißen Sommern seit 2018 nicht wieder gefüllt sind. Dafür könnten die Borkenkäfer in diesem Jahr weniger Schäden verursachen. Wichtige Themen für Baden-Württemberg, denn fast 40 Prozent des Landes sind bewaldet.

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„Das feuchte und kühle Frühjahr wirkt sich günstig auf die Vitalität unserer Bäume aus und verzögert die Entwicklung der Borkenkäfer“, sagte Forstminister Peter Hauk (CDU) in Stuttgart. „Das bringt etwas Entlastung mit sich, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage in den Wäldern nach wie vor sehr angespannt ist. Ein paar niederschlagsreiche Monate können die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels nicht kompensieren.“ Die Hauptursachen für die aktuellen Waldschäden liegen nach Angaben des Ministeriums in der massenhaften Vermehrung der Borkenkäfer, der Trockenheit und im Befall mit schädlichen Pilzen.

Fichten und Tannen betroffen

Gerade Fichten und in geringerem Ausmaß Tannen seien von den Borkenkäfern betroffen. Hier erwarten die Fachleute aber, dass die Entwicklung der Käfer durch die kühle Witterung im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich verzögert wird. Da sie später ausschwärmen, wird vielerorts nur mit zwei Generationen in diesem Jahr gerechnet. Auch seien mehr der Tiere infolge der nasskalten Witterung gestorben. „Die Ausgangspopulation der Borkenkäfer ist allerdings immer noch sehr hoch“, hieß es. Die Landesforstverwaltung geht davon aus, dass in diesem Jahr die Schadholzmengen bei den Nadelbäumen geringer als in 2020 ausfallen könnten – sich aber immer noch auf einem hohen Niveau befinden. Die Waldbesitzer seien in nadelholzreichen Regionen nach wie vor mit der Aufarbeitung der Schäden aus den letzten Jahren beschäftigt.

„Das Land unterstützt die Waldbesitzer, wenn es darum geht, die geschädigten Flächen zu räumen und mit klimastabilen Mischwäldern neu zu bepflanzen“, sagte Minister Hauk. Tannen, vor allem aber der häufigste Laubbaum, die Buche, kämpfen mit Dürreschäden. „Für die Schäden unter den Laubbäumen gehen wir in 2021 von einem ähnlich hohen Niveau wie in 2020 aus“, hieß es aus dem Ministerium.

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Der Niederschlag der letzten Wochen habe zwar den Oberboden gut mit Wasser versorgt, dieses sei aber nicht überall bis in die tieferen Bodenschichten vorgedrungen. Eine ausreichende Wasserversorgung ist laut Ministerium in vielen Mittelgebirgslagen wieder gewährleistet. In tieferen Lagen des Neckarlandes und am Oberrhein sowie in den Regenschattenlagen der Mittelgebirge habe sich die Situation hingegen noch nicht entspannt. lsw