Corona - Mit den Corona-Fallzahlen steigt in der Stadt auch der Druck auf den Lockerungsversuch / Land scheut sich vor einem vorzeitigen Ende, zieht aber die Zügel an

Tübinger Modellprojekt darf vorerst weitergehen

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lsw/bub
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Mit Schnelltests zur Freiheit: Tübingen will mit einer Teststrategie den Lockdown umgehen – doch die Inzidenz steigt wieder. © dpa

Tübingen. Das Tübinger Corona-Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ darf trotz steigender Infektionszahlen vorerst weitergehen – jedoch nur mit weiteren Anpassungen. Darauf haben sich das Gesundheitsministerium, das Landesgesundheitsamt sowie die Stadt Tübingen und das örtliche Gesundheitsamt bei einem Gespräch am Dienstag geeinigt, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Stuttgart mitteilte.

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Wenn sich der Anstieg der Fallzahlen in Tübingen trotz der nun vorgesehenen Maßnahmen wieder fortsetze und das Infektionsgeschehen zu- statt abnehmen sollte, müsse weiter gegengesteuert werden oder im Zweifel doch eine Unterbrechung des Projekts erfolgen, sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Dienstag in Stuttgart im Anschluss an das Gespräch.

Es sei zunächst gut, dass Tübingen vor Ort bereits vor Ostern nachjustiert und noch weitere ergänzende Maßnahmen vorgesehen habe, sagte Minister Lucha. Man werde das Projekt weiter eng begleiten und die Stadt unterstützen. „Klar ist aber auch weiterhin, dass das Modellprojekt derzeit gefährdet ist“, so Lucha.

Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) teilte zu der Entscheidung mit, man werde mehr testen und mehr kontrollieren, damit der Einzelhandel und die Kultur in Tübingen weiterhin geöffnet bleiben könnten, ohne dass die Stadt überfüllt sei. Zu den vereinbarten Maßnahmen gehört, dass die Außengastronomie in Tübingen schließen muss. „Es tut mir sehr leid für unsere Gastronomen. Aber wir sollten immer die Alternative sehen. Ohne Modellversuch hätten wir jetzt einfach die komplette Notbremse ohne jede Ausnahme“, so Palmer. Schon vor Ostern hatte Tübingen mit Einschränkungen auf den Ansturm auswärtiger Besucher reagiert und nur noch Tagestickets für Bewohner von Stadt und Landkreis ausgegeben.

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Neben den Einschränkungen in der Gastronomie und für Auswärtige gilt künftig: Für Kitas und die Notbetreuung an Schulen in Tübingen werden zwei wöchentliche Schnelltests für Kinder verpflichtend. Für alle Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern gilt ab kommendem Montag eine Testpflicht. Die Mitarbeiter der Betriebe müssen künftig zweimal wöchentlich einen Schnelltest machen. Die Tests können demnach bei der Stadt erworben werden. Zudem wird die Zone für das Alkoholverbot ausgeweitet.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Tübingen war zuletzt stark gestiegen und betrug am Dienstag nach Angaben des Gesundheitsministeriums 73,2 und im Landkreis 99,3. Am Vortag hatten die Werte noch bei 82,0 in Tübingen und bei 108,9 im Kreis gelegen. In Tübingen läuft derzeit ein Pilotprojekt zu mehr Öffnungsschritten in Corona-Zeiten. An neun Teststationen können die Menschen kostenlose Tests machen, das Ergebnis wird bescheinigt. Damit kann man in Läden, zum Friseur oder auch in Theater und Museen. Das Modellprojekt wurde zuletzt bis zum 18. April verlängert.

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Erst einmal abwarten

Ungeachtet dessen wird die Landesregierung die Hoffnungen von über 50 Kommunen, die mit vergleichbaren Konzepten beim Ministerium für eine Öffnung vorstellig geworden sind, nicht erfüllen. Man wolle nun die Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Tübinger Pilotprojekt abwarten, um zu sehen, worauf bei weiteren Modellprojekten besonders geachtet werden müsse, teilte der Sprecher des Sozialministeriums auf Nachfrage mit.

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