Porträt - Als Umweltministerin hat Thekla Walker eine Schlüsselstellung im schwarz-grünen Bündnis

„Natur ist Herzensanliegen“

Von 
Peter Reinhardt
Lesedauer: 

Stuttgart. Thekla Walker sitzt jetzt an einer Schlüsselstelle für die Grünen in Baden-Württemberg. Die 52-Jährige ist die neue Umweltministerin und soll all die großen Pläne umsetzen, die sich ihre Partei für die nächsten fünf Jahre zur Bekämpfung der Klimakatastrophe vorgenommen hat. „Erstens Klima, zweitens Klima, drittens Klima“, hatte der Regierungschef Winfried Kretschmann die drei zentralen Aufgaben der neuen Regierung definiert. Walker sieht sich der Herausforderung gewachsen: „Umwelt und Natur sind meine Herzensthemen.“

AdUnit urban-intext1

Dabei hatten nicht wenige Beobachter Walker eher auf dem Chefsessel im Finanzministerium gesehen. Doch den hatte Kretschmann offensichtlich frühzeitig für die Grünen-Nachwuchshoffnung Danyal Bayaz aus Heidelberg reserviert. Abgeschoben fühlt sich die finanzpolitische Sprecherin der vergangenen Legislaturperiode deswegen aber nicht. „Das Umweltministerium war mein Wunsch. Ich bin sehr glücklich“, betont sie. Durch ihre Stationen als Grünen-Landeschefin und zuletzt als Vize in der Landtagsfraktion sei sie Generalistin. Beim Umgang mit dem Landeshaushalt habe sie „wahnsinnig viel gelernt“. Das komme ihr jetzt als Ministerium zu Gute. Die erste Nagelprobe steht schon in der kommenden Woche an, wenn die Spitzen von Grünen und CDU die Projekte festlegen, die noch dieses Jahr starten sollen.

Karriere im Eilzugtempo

Das inhaltliche Rüstzeug für das Ministeramt bringt Walker zum Teil durch ihre frühere berufliche Tätigkeit mit. Studiert hatte sie zunächst Geschichte und Amerikanistik. Noch vor dem Abschluss wird das erste der beiden Kinder geboren. Nach der Familienphase orientiert sie sich um, bildet sich zur Natur- und Umweltpädagogin fort. Sie arbeitet bei Greenpeace, ist Dozentin an der Dualen Hochschule und bringt beim Naturschutzbund Kindern mit Migrationshintergrund die hiesige Flora und Fauna näher. „Bildung für nachhaltige Entwicklung war damals noch Neuland“, erzählt die gebürtige Westfälin, die als 14-Jährige mit der Familie auf die Schwäbische Alb gezogen war.

Nach einem Studium in Geschichte bildete sich Thekla Walker zur Natur- und Umweltpädagogin fort. © Uwe Anspach/dpa

Das berufliche und ehrenamtliche Engagement mündet 2008 in die Mitgliedschaft bei den Grünen. Sie macht Karriere im Eilzugtempo, schon nach einem Jahr schafft sie es in den Stuttgarter Gemeinderat, weitere zwei Jahre später trägt man ihr den Landesvorsitz an. Der ersten Regierung Kretschmann hält die Reala von 2011 bis 2016 gemeinsam mit dem Co-Vorsitzenden Chris Kühn vom linken Flügel den Rücken frei. Das Ministerinnenamt fünf Jahre später ist vielleicht auch ein wenig Dank des Ministerpräsidenten für diese Unterstützung.

AdUnit urban-intext2

Offen gesteht Walker, dass sie sich in die komplexen Fragen etwa der Energiepolitik erst einarbeitet. Konkret wird sie da selten. „Ein wahnsinnig ambitioniertes Ziel“ seien die 1000 Windräder bis 2026, sagt sie zum Beispiel. Schnell müsste das Land Flächen im Staatswald bereitstellen. Aber selbst Optimisten meinen, dass höchstens die Hälfte des mit der CDU vereinbarten Zubaus sich so realisieren lässt. Bei der Verkürzung der auf sieben Jahre ausgedehnten Plan- und Genehmigungszeit verweist sie auf die im Koalitionsvertrag vereinbarte Task Force und auf Änderungen, die der Bund vornehmen muss. „Eine Halbierung der Fristen ist das Ziel, aber wir schaffen es nicht allein“, betont sie. Eine eigene Idee verkneift sie sich.

„Klima geht alle an“

Skeptisch sieht die gelernte Naturpädagogin die Versuche mancher ihrer Parteifreunde, den Bürgern einen bestimmten Lebensstil aufzudrängen: „Es macht keinen Sinn, den Leuten Vorschriften zu machen.“ Sie will Rahmenbedingungen setzen, um das Verhalten zu ändern. „Wir brauchen einen deutlich höheren CO2-Preis“, sagt sie auf die Frage nach der weiter wachsenden Vorliebe vieler Deutscher für die schweren SUV-Autos. Walker: „Wenn die Preise steigen, werden sich die Menschen das überlegen.“ Natürlich sei dann ein sozialer Ausgleich beim Strompreis notwendig. Die Politik müsse den Kampf gegen die Erderwärmung zu einem gesamtgesellschaftlichen Auftrag formulieren. Es sei doch klar, „dass der Klimawandel alle betrifft“.

AdUnit urban-intext3

Westfälin unter Schwaben

  • Geboren ist Thekla Walker 1969 im westfälischen Dülmen. Als sie 14 ist, zieht die Familie nach Schelklingen auf die Schwäbische Alb. Nach dem Abitur wählt sie Stuttgart als Lebensmittelpunkt.
  • Walker ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach der Familienphase macht sie als Naturpädagogin ihr Hobby zum Beruf. Sie ist geprägt durch die Waldorfpädagogik. Praktischer Umweltschutz ist ihr wichtig, ehrenamtlich arbeitet sie für den Naturschutzbund. 

Korrespondent Landespolitischer Korrespondent in Stuttgart