Bildung - Hessisches Kultusministerium führt beschleunigten Zuwachs auf Corona-Pandemie zurück

Immer mehr befristete Lehrer-Stellen

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lhe
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Eine Lehrerin steht im Unterricht vor Schülern und Schülerinnen in der 12. Klasse eines Gymnasiums. Die Zahl der Befristungen bei Lehrkräften ist gestiegen. © dpa

Frankfurt/Wiesbaden. Im hessischen Schuldienst arbeiten immer mehr befristete Lehrer, ihr Zuwachs hat sich in der Corona-Pandemie noch beschleunigt. Von Oktober 2019 bis Oktober 2020 sei die Zahl derer mit befristeten Verträgen von 5765 auf 6713 gestiegen, teilte das Kultusministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. In Vollzeitstellen umgerechnet sei dies ein Anstieg von 3427 auf 4106.

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Elf Prozent der Lehrerinnen und Lehrer oder 7,9 Prozent der Vollzeitstellen seien somit zum Stichtag 1. Oktober 2020 über befristete Verträge gelaufen, teilte das Ministerium mit. Der zentrale Grund hierfür sei die Kompensation der Lehrer, die durch ein Attest in der Pandemie vom Präsenzunterricht befreit seien. Diesen Anstieg sieht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Im vergangenen Jahr sei der Prozentsatz von 6,8 auf 8 Prozent der rund 60 000 Lehrkräfte gestiegen, teilte die GEW mit. Der Anteil steige aber bereits seit 2015.

Bei den befristeten Verträgen handelt es sich nach Angaben der Gewerkschaft voraussichtlich um nicht oder nicht voll ausgebildete Lehrkräfte, also ohne zweites Staatsexamen. Voll ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer würden in den meisten Fächern sehr schnell ein Einstellungsangebot bekommen.

Nur 800 Vertretungskräfte

Durch die Pandemie sei der Vertretungsbedarf in den Schulen gewachsen. Lehrkräfte, die ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, könnten sich via Attest vom Präsenzunterricht freistellen lassen. Dies ist laut GEW im April 2021 bei rund 2800 Lehrerinnen und Lehrern der Fall gewesen. Für diese seien aber nur 800 Vertretungskräfte eingestellt worden. Dies hängt nach Auffassung der Gewerkschaft unter anderem mit der viel zu bürokratischen Vergabe bereitgestellter Mittel zusammen. Zudem sei wegen der sich ständig veränderten Unterrichtsorganisation und des unzureichenden Gesundheitsschutzes eine solche Stelle nicht gerade attraktiv, und Lehrer im Ruhestand könnten wegen des erhöhten Risikos eines schweren Krankheitsverlaufes nicht mehr angesprochen werden.

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Nach Auskunft des Ministeriums können alle Lehrkräfte, auch die mit befristeten Verträgen, im Einverständnis mit den Schulleitungen Fortbildungen zum Einsatz digitaler Medien in den Schulen beantragen. Der Gewerkschaft zufolge hat es bislang aber keine technische Ausstattung für den digitalen Unterricht gegeben. Allenfalls gebe es einzelne Computerarbeitsplätze in den Schulen. „Viele haben sich daher in den vergangenen Monaten privat leistungsfähige Endgeräte angeschafft, wie sie etwa für Videokonferenzen erforderlich sind“, teilte die GEW mit. Inzwischen sei zwar die Anschaffung solcher Geräte angekündigt, diese seien jedoch noch nicht in den Kollegien angekommen.

Befristete Verträge können der GEW zufolge auch eine berufliche Sackgasse für Vertretungslehrer werden. Die Verträge dürften nämlich nicht nach Belieben verlängert werden. Je nach Einzelfall werde es nach rund fünf Jahren problematisch. Das Land biete nicht automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis an. lhe

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