Justiz - Prozessauftakt nach Amokfahrt bei Karnevalsumzug

Angeklagter schweigt

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lhe
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Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk vor dem Prozessauftakt in Kassel. © dpa

Kassel/Volkmarsen. Die Gründe für die Autoattacke auf den Rosenmontagsumzug im nordhessischen Volkmarsen sind auch zu Beginn des Prozesses gegen den 30-jährigen Tatverdächtigen unklar geblieben. Der Angeklagte äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Sein Mandant werde vom Schweigerecht Gebrauch machen, sagte der Verteidiger des 30-Jährigen am Montag vor dem Landgericht in Kassel. Dort muss sich der Angeklagte bis Mitte Dezember für die Tat verantworten.

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Er war laut Generalstaatsanwaltschaft am 24. Februar 2020 in eine Zuschauermenge in der Kleinstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg gefahren. 90 Menschen, darunter viele Kinder, erlitten teils schwere Verletzungen. Die Ermittler gehen von insgesamt mehr als 150 Betroffenen aus. Drei von ihnen nehmen als Nebenkläger an dem Prozess teil.

Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten 91-fachen versuchten Mord vor, gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen sowie gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Er habe „planvoll und absichtlich“ gehandelt, sagte Anklagevertreter Tobias Wipplinger. Als sich der Umzug näherte, fädelte er sich laut Ermittlern in den Verkehr ein. Doch statt an einer Kreuzung abzubiegen, gab er Gas und steuerte das Auto mit 50 bis 60 Stundenkilometern durch eine Absperrung erst in den Umzug, dann in die Zuschauermenge.

Nach 42 Metern kam das Fahrzeug zum Stehen. Die Kollisionen hatten das Auto gebremst. Laut Anklage wollte der 30-Jährige seine Tat fortsetzen. Doch mehrere Zeugen hätten ihn daran gehindert. Das Ziel des 30-Jährigen sei gewesen, möglichst viele Menschen zu töten. Er sei schuldfähig, habe zum Tatzeitpunkt nicht unter Drogen gestanden. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft kommt für ihn nach einer Haftstrafe Sicherungsverwahrung in Betracht. lhe

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