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Das geistliche Wort - Von der Freude, Dinge nicht zu brauchen

Welche Schätze machen reich?

Von 
Julia Fricke
Lesedauer: 

Kürzlich begegnete mir in der Bibel ein kleiner Satz, den ich in fast zwei Jahrzehnten als Pfarrerin noch nie gelesen hatte: „Seid nicht geldgierig und lasst euch genügen an dem, was da ist.“ (Hebräer 13,5)

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Ich musste an meine 15-jährige Nichte denken. Sie kauft ihre Kleidung ausschließlich über ebay-Kleinanzeigen – nicht, um zu sparen (bezahlt wird von den Eltern), sondern aus Überzeugung. Weil sie findet, es ist Wahnsinn, dass die Textilindustrie ständig neue Sachen auf den Markt wirft, obwohl es schon mehr als genug gibt. Obwohl dabei mehr Rohstoffe verbraucht werden, als unsere Erde verkraften kann. Meine Nichte beeindruckt mich. (Dass sie mit ihrer Radikalität auch mal übers Ziel hinausschießt, ist das Vorrecht der Jugend.)

Pfarrerin Julia Fricke. © Privat

„Lasst euch genügen an dem, was da ist.“ Es stimmt mich hoffnungsvoll, dass diese Haltung mir in letzter Zeit wieder öfter begegnet, gerade unter Jugendlichen. Da sind Konfirmandinnen, die aus kaputten Jeans Umhängetaschen schneidern, Schüler, die einander ihre alten Mountainbikes vererben (Hauptsache, das Ding fährt irgendwie noch) oder die Kinder, die eine sichtlich zerschrammte Frisbeescheibe aus den Tiefen des Schranks bergen und mir freudestrahlend erklären: „Du musst keine neue bestellen, die hier fliegt viel besser!“

Denn es ist soviel

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Dinge nicht zu brauchen, macht Freude. Altes neu in Dienst zu nehmen und so Gottes Schöpfung wieder an einer kleinen Stelle geschont zu haben, macht Freude. Ja, es tut gut, sich genügen zu lassen an dem was da ist. Denn es ist so viel!

Es sind noch zu wenig Jugendliche, die so denken. Aber es werden mehr und sie machen sich bemerkbar. Sie gehen auf die Straße für die Klimarettung. Sie zeigen, dass sie den Druck der Marktmächte nicht mehr ständig wollen. Es geht für sie nicht vor allem darum, viel zu haben, sondern etwas zu sein – einmalig, individuell, besonders.

Einen so gedankenlosen Ressourcenverbrauch wie in der Vergangenheit wird sich die nächste Generation in unserer Welt nicht mehr leisten können. Aber das heißt nicht, dass das Leben in Zukunft ärmer oder weniger erfüllt sein müsste. Im Gegenteil, vielleicht ist gerade die Wiederentdeckung des Seins, das so viel erfüllender ist als das Haben im biblischen Sinn ein Zugewinn an Lebensqualität. So wie Jesus es in der Bergpredigt sagte: Seht die Vögel unter dem Himmel! Lernt von ihnen. Habt Vertrauen zum Schöpfer, der für euch sorgt. Häuft nicht Materielles an, sondern innere Dinge wie Güte, Offenheit, Nähe und Wärme. Diese Schätze machen reich!

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