Das geistliche Wort - Die Pandemie als Gelegenheit, um zu erkennen, was im Leben wirklich zählt Spielräume entdecken

Von 
Jutta Grimm-Helbig
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„Spielraum – Sieben Wochen ohne Blockaden“, so lautet das Motto der diesjährigen Fastenaktion der Evangelischen Kirche, das so gar nicht in diese Zeit der Corona-Pandemie zu passen scheint. Viel Spielraum haben wir angesichts der Kontakt- und Reisebeschränkungen, der geschlossenen Läden, Restaurants und Theater nicht, die unser gewohntes soziales und kulturelles Leben blockieren und viele Menschen ihrer Existenzgrundlage berauben.

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Und doch ist dieses Motto mit Bedacht gewählt – gerade in dieser schwierigen Zeit.

Jutta Grimm-Helbig. © Privat

Eine gelingende Gemeinschaft braucht Regeln, damit alle darin zu ihrem Recht kommen und sich sicher fühlen können. In einer Pandemie wie der jetzigen, kommt es auf jeden einzelnen an, damit das Virus und seine Mutanten sich nicht weiter unkontrolliert ausbreiten können.

In Verbindung bleiben

Aber innerhalb dieser Grenzen gibt es durchaus Spielräume. Das habe ich in den vergangenen Wochen immer wieder erfahren dürfen. Etwa wenn das Personal in Pflegeheimen es mit Hilfe hoher Hygienestandarts den Bewohnerinnen und Bewohnern ermöglicht, ihre Angehörigen zu sehen, oder die Voraussetzungen dafür schafft, dass Sterbende auf ihrem letzten Weg liebevolle Begleitung erfahren anstatt alleine gelassen zu werden. Aber auch wenn wir einander nicht treffen können, so können wir doch per Telefon oder Skype mit den Menschen, die wir lieb haben und die uns wichtig sind, in Verbindung bleiben. Viele Menschen entdecken in diesen Tagen auch das Briefeschreiben wieder – als viel persönlichere und bleibende Alternative zu den schnelllebigen SMS- und Whatsapp-Nachrichten.

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Not macht ja bekanntlich erfinderisch – und eröffnet damit tatsächlich neue Spielräume. Ich hätte mir vor einem Jahr noch nicht vorstellen können, dass wir unsere Gottesdienste einmal per YouTube feiern würden, wie wir es seit vielen Wochen tun. Im gemeinsamen Planen während der Videokonferenzen entsteht trotz des räumlichen Abstands große Nähe über konfessionelle Grenzen hinweg, die einfach gut tut und für die ich sehr dankbar bin – auch wenn mir der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch doch immer wieder fehlt. So eröffnen sich bei allem Bedrückenden dieser Zeit an vielen Stellen neue Spielräume, die wir mit unseren jeweiligen Möglichkeiten gestalten dürfen.

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Während ich die notwendigen Einschränkungen, die die Pandemie mir auferlegt, als Zeichen der Nächstenliebe und der Achtung vor dem mir anvertrauten Leben respektiere, mache ich mich auf die Entdeckungsreise nach dem, was wirklich zählt in meinem Leben. Und da finde ich auch oder gerade jetzt einiges – zum Beispiel:

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Ich bin mehr als das, was ich leiste.

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Wahre Freundschaft kann Kontaktverbote überdauern.

Jeder Tag meiner Lebenszeit ist zu kostbar, als dass ich ihn leichtfertig aufs Spiel setze.

Gerade in Krisenzeiten zählt solidarisches Handeln.

Und wenn dann endlich möglichst viele Menschen geimpft sein werden, werden wir auch unsere Spielräume – wenn auch sicher sehr behutsam – wieder etwas erweitern können. Bis dahin seien Sie behütet.