Kommunalpolitik - Stadtverordnetenversammlung erteilt Prüfauftrag an den Magistrat / Neubau in der Tagweide soll im vierten Quartal 2020 fertig sein Neue Kita soll Sportkindergarten werden

Von 
Michael Ränker
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Die neue viergruppige Kita in der Tagweide in Zwingenberg, die Ende des Jahres bezugsfertig sein soll, könnte ein Bewegungskindergarten werden. Die Stadtverordneten-versammlung hat einen entsprechenden Prüfauftrag an den Magistrat der Stadt Zwingenberg erteilt. Unser Bild zeigt Kita-Kinder in Halle, die beim Pilotprojekt Sportkindergarten ihr sportliches Können unter Beweis stellen. © Hendrik Schmidt/dpa

Zwingenberg. Die geplante Kindertagesstätte in der Tagweide, deren Neubau im vierten Quartal dieses Jahres bezugsfertig sein soll, könnte zu einem Bewegungskindergarten werden.

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Die Stadtverordnetenversammlung hat einstimmig einen entsprechenden Prüfantrag der CDU-Fraktion gebilligt, mit dem der Magistrat beauftragt wird, die für eine abschließende Entscheidung erforderlichen Informationen – insbesondere über die Kosten – zusammenzutragen.

Ziel ist das Qualitätssiegel

Die Rechercheergebnisse sollen dann in den Fachgremien des Kommunalparlaments erörtert werden. Im Sozial-, Kultur- und Sportausschuss sollen überdies Vertreter von Kitas, die bereits als Bewegungskindergärten arbeiten, von ihren Erfahrungen berichten.

Die Zwingenberger Christdemokraten verfolgen das Ziel, aus der neuen Kita einen „anerkannten Bewegungskindergarten“ zu machen und das Qualitätssiegel „Hessischer Bewegungskindergarten“ der Sportjugend Hessen zu erreichen.

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Wie CDU-Stadtverordneter Reinhold Geierhaas aus dem Kriterienkatalog der Sportjugend zitierte, gehe „es um wesentlich mehr, als Kinder sich austoben zu lassen“: „Sich in, mit und durch Bewegung entwickeln, das heißt auch bedeutsame Lebenskompetenzen und Lebenserfahrungen zu sammeln. Bewegung ist unabdingbare Voraussetzung für körperliche, geistige und auch soziale sowie emotionale Entwicklung von Kindern.“

Erforderliche Weichen früh stellen

Um das Zertifikat „Hessischer Bewegungskindergarten“ zu erreichen, muss allerdings nicht nur der theoretische Überbau – also das Konzept – stimmen, sondern es müssen auch personelle und räumliche Voraussetzungen erfüllt werden.

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Mit Blick darauf, dass der Baubeginn für die viergruppige Betreuungseinrichtung noch nicht erfolgt und auch das Personal noch nicht eingestellt ist, soll die politische Entscheidung daher möglichst rasch getroffen werden. Noch könne man die für eine Zertifizierung erforderlichen Weichen stellen.

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Bei Neueinstellungen wird dann bispielsweise darauf zu achten sein, dass die für die Umsetzung des Konzepts verantwortlichen Mitarbeiterinnen eine Übungsleiter- oder Trainerlizenz haben.

Und bei der Ausstattung des 3,2 Millionen Euro teuren Neubaus dürfen zum Beispiel Kletterwand und Matten nicht fehlen. Auch das Außengelände ist „naturnah und bewegungsfreundlich“ zu gestalten.

„Im Grundsatz gute Idee“

Die CDU weist in diesem Zusammenhang auf die Nähe zum neugebauten Sportplatz in Zwingenberg hin, der von der Kita mitgenutzt werden könnte.

„Im Grundsatz gut“, lobte Rainer Willbrand für die FDP-Fraktion die Idee der CDU, allerdings sei das Erreichen des Qualitätssiegels „Bewegungskindergarten“ sehr anspruchsvoll. Im Landkreis Bergstraße sei ihm gerade einmal eine Einrichtung bekannt, die das Zertifikat führe. SPD-Fraktionsvorsitzende Regina Nethe-Jaenchen dankte für die „viele Mühe“, die die CDU sich mit der Formulierung des Antrags und der Bereitstellung umfassender Unterlagen gemacht habe. Das Ganze bleibe aber „doch sehr theoretisch“, ergänzte sie.

Ihr Vorschlag: Die Idee soll im Sozial-, Kultur- und Sportausschuss – möglichst mit Mitarbeitern von Kindertagesstätten – besprochen werden, die bereits als anerkannte Bewegungskindergärten arbeiten. Grundsätzlich halte die SPD-Fraktion die Idee „für gut“ und das Konzept „für sinnvoll“.

Die Gemeinschaft für Umweltschutz und Demokratie befürchtet, dass die Personalsuche für die Kommune auf dem ohnehin „leergefegten“ Erzieherinnen-Markt noch schwieriger wird, wenn die Fachkräfte auch noch über eine Übungsleiterlizenz verfügen sollen. „Damit legen wir die Latte noch höher“, so GUD-Fraktionsvorsitzender Ulrich Kühnhold.

Höhere Kosten nicht vergessen

Das Signal „für mehr Bewegung“ halte auch die GUD für gut, allerdings werde nicht klar, ob das Konzept nur die Kita-Kinder ab dem dritten Lebensjahr (Ü 3) oder auch die Kleinkinder (U 3) einbeziehen soll. In der neuen Kita sollen schließlich beide Altersgruppen betreut werden. GUD-Stadtverordnete Maria Paulsen wiederum forderte dazu auf, die Kostenaspekte nicht zu vergessen: Der bauliche Mehraufwand und der fürs Personal müssten schließlich auch bezahlt werden.

Redaktion