Das geistliche Wort

Lebendige Hoffnung

Nicht die Hände in den Schoß legen

Von 
Daniel Fritz
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Wir brauchen dringend Hoffnung. Ein Jahr, in dem die Pandemie zwar an Schrecken verloren hat, aber mit dem 24. Februar neue Angst vor dem Bösen in unsere Welt und unsere Herzen gekommen ist, liegt hinter uns. Wer hätte gedacht, dass viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal solche Schrecken nach Europa zurückkommen? Alte Menschen, denen ich begegne, durchleben manche Ängste erneut. Die Büchse der Pandora scheint geöffnet zu sein und Übel und Böses wieder zuzunehmen. Und die Hoffnung? Sie scheint – wie in der Geschichte des griechischen Dichters Hesiod – in der Büchse geblieben zu sein.

Gebete gegen Hoffnungslosigkeit

Wie gut, dass sich Woche für Woche Menschen in Kirchen treffen, um für Frieden zu beten! Wer weiß, wie die Welt aussähe, wenn nicht so viele Menschen beten würden? Wer weiß, wie sie aussähe, wenn noch mehr Menschen beten würden? Das Gebet scheint manchmal ein sinnloses Tun zu sein, eine Selbstberuhigung. Und doch ist es viel mehr: Es ist der Widerstand gegen die Hoffnungslosigkeit, der Widerstand gegen Leid und Terror auf dieser Welt, Ausdruck der Hoffnung, wo nichts mehr zu hoffen ist. Paulus beschreibt diese widerständige Hoffnung gegen Tod und Unrecht im Brief an die Römer (4, 17-18):

Daniel Fritz. © Berndt Biewendt

„Abraham glaubte Gott, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre; er glaubte gegen Hoffnung auf Hoffnung hin.“

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dpa
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Hoffnung kommt von dem alten deutschen Wort „hopen“ – es bedeutet „hüpfen, vor Erwartung unruhig springen“. Hoffnung aktiviert und macht lebendig. Sie bringt uns Menschen dazu, die Gegenwart von der Zukunft her zu gestalten und nicht die Hände in den Schoß zu legen.

Das Reich Gottes

In dieser Hoffnung, dass das Reich Gottes eines Tages Wirklichkeit werden wird, können wir jetzt schon leben als ob die Regeln dieses Reiches schon in Kraft getreten wären. Sichtbar wird das im Leben Jesu. Jesus ruft Menschen auf, aller Diener zu sein. Er überschreitet die Grenzen seines Volkes und wendet sich Menschen aus anderen Nationen zu und heilt sie. Er wendet sich Frauen zu. Jesus überschreitet regelmäßig religiöse, soziale und ethnische Grenzen – weil Gottes Liebe allen Menschen gilt und er eine Welt geprägt vom nahen Reich Gottes im Blick hat.

Ich wünsche uns allen diese lebendige Hoffnung, damit unsere Gesellschaft, unsere Familien, Nachbarschaften, Kirchengemeinden, Vereine, unser Land und letztendlich diese Welt „jesusmäßiger“ werden und das unabhängig von unserer Herkunft oder unserem Glauben! Gegen Hoffnung auf Hoffnung hin zu glauben und zu leben, das wünsche ich uns.