SPD Zwingenberg - Beim Neujahrsempfang sprach der Kreisbeigeordnete als Gastredner über kommunal- und bundespolitische Herausforderungen Krug: Bergsträßer GroKo steht gut da

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Jeanette Spielmann
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Kreisbeigeordneter Karsten Krug (l.) ehrte beim Neujahrsempfang der SPD langjährige Mitglieder – darunter für 55 Jahre Ehrenstadtrat Hanns Werner (3.v.l.). © Funck

Zwingenberg. Im Vergleich zur Großen Koalition im Bund hat die Bergsträßer GroKo in der öffentlichen Meinung ein durchaus besseres Ansehen. Wie schon die Bergsträßer CDU im Rahmen ihres Pressegesprächs von einer gut funktionierenden Zusammenarbeit sprach, zog auch der SPD-Kreisbeigeordnete Karsten Krug jetzt eine positive Bilanz.

Hanns Werner hält der SPD seit 55 Jahren die Treue

Traditionell ist der Neujahrsempfang der Zwingenberger SPD auch mit der Ehrung langjähriger Mitglieder verbunden. Die gibt es zahlreich beim Ortsverein, denn bei den insgesamt zwölf zu ehrenden Genossen kamen immerhin 460 Jahre Mitgliedschaft zusammen, die vom stellvertretenden Vorsitzenden Daniel Unruh und Karsten Krug gewürdigt wurden. Der Kreisbeigeordnete hatte in diesem Jahr die Neujahrsrede gehalten.

Zu den ältesten Mitgliedern, die am Sonntag mit Ehrennadel und Urkunde ausgezeichnet wurden, gehörte Hanns Werner, der seit 55 Jahren der SPD die Treue hält. Den Ehrenstadtrat, der in der SPD vor Ort nahezu alle Funktionen ausgefüllt hatte, wie Unruh feststellte, hat auch Krug noch aus seiner Juso-Zeit als verlässlichen Ratgeber gut in Erinnerung.

Ein halbes Jahrhundert gehören Peter Schwarz, Helmut Handwerg, Katharina Ziemann und Hans-Walter Kropp der SPD an, und auf vier Jahrzehnte bringen es Peter Kaffenberger, Günther Kilgus und Gabriele Keßler. Robert Müller aus Rodau ist seit 35 Jahren dabei, Gitta Josimcev seit 30 Jahren und Ellen Schneider seit 20 Jahren.

Zu den „Newcomern“ unter den Geehrten gehört Sabine Schreiber-Costa mit ihrer zehnjährigen Mitgliedschaft.

Leider waren längst nicht alle zu Ehrenden zum Neujahrsempfang gekommen. Um so bemerkenswerter war daher die Anwesenheit der älteren und auch gesundheitlich angeschlagenen Mitglieder wie Hanns Werner und Robert Müller. js

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Am Sonntag war er der Gastredner beim Neujahrsempfang der Zwingenberger SPD und wies auf die vielen gemeinsam angepackten und umgesetzten Themen hin. „Aber es geht noch mehr“, begründete der Kreisbeigeordnete seine Motivation, bei der bevorstehenden Landratswahl im kommenden Jahr für das Amt des Chefs in der Kreisverwaltung zu kandidieren. Ob er dabei die breite Unterstützung seiner Partei hat, wird sich beim SPD-Parteitag am 23. Januar in Zwingenberg zeigen.

In seiner Rede ging der Kreisbeigeordnete sowohl rückblickend als auch vorausschauend auf die politische Arbeit ein, wobei sein Fokus nicht nur auf die Bergstraße begrenzt blieb. Angesichts der Entwicklungen und Entscheidungen in Großbritannien und den USA, stellte sich für ihn die Frage, ob man sich angesichts der Mehrheitsentscheidungen für Johnson oder Trump auch in Deutschland Gedanken machen müsse. Allerdings sah er dafür derzeit „glücklicherweise“ weder vergleichbare Akteure noch eine Basis für eine breite Zustimmung. Dennoch sollten diese Entwicklungen mehr als ein kleiner Warnschuss vor den Bug „für alle statthaften Demokraten“ sein.

Zum Thema Klimaschutz sei es wichtig, als politisch Verantwortlicher den Schulterschluss mit der Fridays-for-Future-Bewegung zu zeigen. Es müsse aber mehr sein als nur ein Zeichen, verwies Krug auf die in diesem Jahr geplante Einstellung eines Klimabeauftragten und die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes für den Kreis Bergstraße.

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Auch auf die Bundes-SPD ging Krug ein. Die Idee, es wie die Grünen mit einer Doppelspitze zu versuchen, fand er gut, aber mit einem Makel: „Es haben sich nicht die am besten geeigneten Kandidaten und Teams beworben“. So sei auch ihm die Wahl nicht so leicht gefallen, ging es ihm doch um eine inhaltliche und personelle Neuaufstellung an der Spitze. Seine erste Wahl lag daher beim Team Roth/Kampmann und dann bei Esken/Walter-Borjans. Finanzminister Scholz halte er zwar für einen der besten SPD-Politiker der letzten Jahre, doch für Krug stand er nicht für einen Neuanfang.

In seinem Blick nach vorne hält er einen Neuanfang auch in der GroKo für möglich, „aber weniger realistisch“. Es brauche etwas Zeit, sich auf wenige, aber für das Land wichtige Themen zu verstetigen, nannte Krug die Vermögenssteuer, höheren Mindestlohn, Ausbau der Infrastruktur im Bereich der Mobilität und die Digitalisierung. Vor allem müsse zu den Menschen im Land wieder ein Zugang gefunden und Vertrauen in politisches Handeln und deren Akteure geschaffen werden.

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Im Hinblick auf die Kommunalwahlen 2021 wünschte sich der Kreisbeigeordnete eine bessere Rückendeckung aus Berlin und warf einen Blick auf die inzwischen vierjährige Arbeit der Bergsträßer GroKo, hinter der sich die SPD keinesfalls verstecken müsse.

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Er nannte unter anderem den Abbau der Verbindlichkeiten, die Ende 2015 noch bei 235 Millionen Euro gelegen haben, den Ausbau des Schulsanierungsprogramms auf neue Rekordhöhen, die Gründung der Kreisteilhabekommission, die Erhöhung der Mittel für Vereinsförderung, für Sozialverbände und den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs. Mit einer Analyse der Gesundheitsversorgung im Kreis will man sich in diesem Jahr beschäftigen, und zum Thema Umweltschutz wird es am 25. Januar in Mörlenbach die erste Biodiversitätskonferenz geben.

Einen kleinen Ausblick auf das neue Jahr in Zwingenberg gab Bürgermeister Holger Habich, der am kommenden Sonntag beim Neujahrsempfang der Stadt Zwingenberg im Adlersaal dann ausführlicher auf die Herausforderungen der Stadt eingehen wird. Bei der SPD im Diefenbachsaal des Bunten Löwen nannte er schon mal den Kindergarten-Neubau, für den in Kürze vom Magistrat die Aufträge vergeben werden, die B 3-Sanierung und die abschließenden Arbeiten im Rahmen der Dorferneuerung.

Als eine der ersten Aufgaben im neuen Jahr stehen die Haushaltsberatungen an, wobei sich der Ausgleich des 2020er Etats etwas schwierig gestalte. Hier plädierte der Rathauschef aber dafür, nicht immer auf übergeordnete Ebenen zu schimpfen, sondern „vor Ort die Hausaufgaben zu machen“.

Die SPD bezeichnete Habich dabei als verlässlichen Partner, der mit seiner sachorientierten Mitarbeit immer einen konstruktiven Beitrag geleistet habe. js

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