Kommunalpolitik - Magistrat und Ortsbeirat befürworten das Projekt grundsätzlich, sind sich aber uneinig über die Baugrenze Investor will Therapiezentrum im Stadtteil Rodau bauen

Von 
Michael Ränker
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Auf einem Lagerplatz am Rodauer Ortsende südlich der K67 in Richtung Fehlheim soll eine Kombination aus Therapiezentrum und Wohngebäude entstehen. © Thomas Neu

Rodau. In Rodau soll eine Kombination aus Therapiezentrum und Wohngebäude entstehen. Das ist zumindest der Wunsch eines Investors, der auf einem bis dato von einer örtlichen Spedition als Lager- und Lkw-Stellplatz genutzten Fläche am westlichen Ende von Rodau – in Richtung Fehlheim, südlich der K67 – einen entsprechenden Gebäudekomplex errichten möchte. Das Baurecht dafür soll mit einem sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan geschaffen werden. Der Magistrat hat das Projekt bereits grundsätzlich gebilligt, der Rodauer Ortsbeirat ist den Stadträten mit Bürgermeister Holger Habich an der Spitze jetzt gefolgt: In seiner jüngsten Sitzung billigte das Stadtteil-Gremium das Vorhaben einstimmig.

Personal-Training und Penthousewohnungen

Das Grundstück „Tagweide Süd“ am westlichen Ende von Rodau, südlich der K 67, das mit einer Mischung aus Therapiezentrum und Wohnen bebaut werden soll, wird derzeit als Lager- und Lkw-Stellfläche von einer örtlichen Spedition genutzt und ist zurzeit durch eine starke Eingrünung von außen kaum einsehbar.

Geplant ist die Errichtung eines größeren – L-förmigen – Gebäudekomplexes (zirka 34 auf 32 Meter) mit zwei Vollgeschossen und einem ausgebauten Dachgeschoss.

Das Erdgeschoss soll gewerblich genutzt werden; geplant ist der Betrieb eines Therapiezentrums auf zirka 650 Quadratmeter Fläche mit Physiotherapie, Personal-Training, Massagen, Osteopathie, etc..

Im Obergeschoss sollen sechs Wohnung, im ausgebauten Dachgeschoss überdies zwei Penthousewohnungen entstehen. Alle Wohnungen sollen durch einen Aufzug erschlossen und damit auch für Personen attraktiv sein, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

Die erforderlichen Stellplätze sollen auf dem Grundstück vorgesehen werden.

Die Erschließung soll über die Kreisstraße 67 erfolgen. red

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Einziger – und wesentlicher - Unterschied zum Beschluss des Magistrats: Der Ortsbeirat verzichtete auf die Begrenzung der Fläche „Tagweide Süd“ in Richtung Fehlheim. Der Magistrat schlägt wiederum vor, die Baugrenze in südwestlicher Richtung an der gegenüberliegenden Bebauung, wie sie jüngste im Rahmen der – umstrittenen - Erweiterung des Baugebiets „Auf dem Brunnen“ gezogen wurde, festzulegen.

34 auf 32 Meter groß

Ohne eine Begrenzung, so die Auffassung des Magistrats, sei das Vorhaben „schwierig bis gar nicht zu reduzieren“, erläuterte Habich den Ortsbeiräten die Haltung des Stadtrats angesichts der Absicht des Investors, einen „größeren Gebäudekomplex“ in den Maßen 34 auf 32 Meter mit zwei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss zu errichten. Mit der Begrenzung wolle der Magistrat erreichen, dass das L-förmige Gebäude „nicht zu weit in die freie Landschaft hineinragt“.

CDU-Ortsbeirat Steffen Müller bezeichnete das Ziehen einer Baugrenze jedoch als „kontraproduktiv“ und befürchtete, dadurch könne der Gewerbetreibende „vergrault“ werden. „Das eine Gewerbe geht, das andere kommt – das ist gut“, freute sich Müller über das Vorhaben und stellte den Antrag, die Grenzziehung aus dem Beschlussvorschlag zu streichen. Dem folgte der Ortsbeirat ebenso einstimmig wie anschließend dem Grundsatzbeschluss, mit dem der Magistrat beauftragt wird, gemeinsam mit dem Vorhabenträger – also dem potenziellen Bauherren – den Vorhaben- und Erschließungsplan sowie einen Durchführungsvertrag vorzubereiten. In diesem Vertrag wird unter anderem geregelt, dass der Bauherr die Kosten für die Schaffung des Baurechts und die Erschließung übernimmt, weil beides seinen Zwecken dient. Liegen alle diese Unterlagen in Entwurfsfassungen vor, dann soll nach der Sommerpause weiter beraten und möglicherweise der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst werden.

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Einstweilen steht eine Fortsetzung der kommunalpolitischen Debatte über das Projekt am heutigen Dienstagabend (9.) auf der Tagesordnung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses, der ab 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Rodau tagt. Das letzte Wort hat am 25. Juni dann die Stadtverordnetenversammlung als höchstes Beschlussgremium der Kommune. In Zwingenbergs einzigem Stadtteil sieht man das Projekt positiv. CDU-Ortsbeirätin Birgit Gärtner bezeichnete die Kombination aus Therapiezentrum und Wohnen als „bereichernd“ – und das nicht nur für Rodau, sondern auch darüber hinaus. Das Vorhaben sei auch deswegen „positiv zu sehen“, weil Wohnraum geschaffen werde, dachte Gärtner dabei an „junge Leute aus Rodau“.

„Wie ein Klotz“

Beate Klein (Freie Wähler) hatte lediglich Bedenken, die recht stattlichen Maße des Gebäudes könnten – blicke man aus Richtung Fehlheim auf den Rodauer Ortseingang – „wie ein Klotz“ wirken. Die geplante Nutzung mache diese Gebäudegröße zwar vielleicht erforderlich, forderte Klein jedoch zu einer passenden Eingrünung der Immobilie auf.

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SPD-Ortsbeirat Reimund Krönert interessierte sich für die Frage, ob das Ziehen einer Baugrenze, wie sie der Magistrat vorschlägt, den Bau des Therapiezentrums unmöglich mache. Das ist nach Aussage von Bürgermeister Holger Habich jedoch nicht der Fall. Der Investor „kann trotzdem bauen, aber kleiner“. Habich selbst vertrat ohnehin eine vom Magistrat abweichende Meinung: Er persönlich halte die Grenzziehung in Anbetracht des geplanten vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für verzichtbar, weil man mit diesem Instrument zur Schaffung des Baurechts ohnehin sehr konkrete Vorgaben machen könne. „Aber es ist Sache der Stadtverordnetenversammlung, das zu entscheiden.“

Redaktion